Psychomancy – Divine Archetype – Album Review

Psychomancy – Divine Archetype
Herkunft:
Medellín / Kolumbien
Release:
25.07.2021
Label:
Eigenveröffentlichung
Dauer:
37:05
Genre:
Symphonic Metal / Melodic Black Metal / Death Metal


Psychomancy bringen mich mit ihrem Album ganz schön ins Grübeln, denn ihr Output Divine Archetype fällt für meine Gehörgewohnheiten schon recht untypisch aus. Die zwei Musiker aus dem fernen Kolumbien spielen seit Jahren in der Band Gaias Pendulum zusammen und bieten dort eine Mischung aus mystischem Gothic und progressivem Metal.

Ganz die Richtung behalten die beiden auf Ihrem im letzten Jahr eingespielten Album nicht bei. Ab den ersten Takten bin ich in eine Welt des mysteriösen symphonischen Death Metal mit Black Metal Anleihen versetzt.

Orchestraler Bombast mit Verweisen auf große Vorbilder

Die Spannung wird beim Opener Eon mit sphärischen, schamanischen Elementen aufgebaut und durch Chöre in ihrer Wirkung verstärkt. Doch unvermittelt und für mich zu früh wird das Intro übergangslos ausgeblendet und macht abrupt Platz für My Faith. Die treibenden Melodien sind beladen mit orchestralen Keyboardmelodien.

Der kehlig raue Gesang von Fernando Luna wird mit einer zweiten hintergründigen Black Metal Stimme gedoppelt. Es klingt, als würde sich Dani von Cradle of Filth heimlich als Gastmusiker einschleichen. In Verbindung mit der Rhythmik entsteht ein Ohrwurm und ganz schlimmer Tanzflächenfeger auf jedem Death Metal-Dancefloor.

Weniger tanzbar, aber dafür ein Monster von einem melodischem Ohrwurm ist Zenith, das ihr HIER anhören könnt. Durch das Fehlen eines klassischen Schlagzeugs bekomme ich sofort die Assoziation, dass die Band wohl ausgiebig dem Album Passage von Samael gelauscht hat.

Die Gitarre von Lucas Fernandez hat kaum Soloauftritte, sondern ist mit seinen hintergründigen Riffs das Salz im orchestralen Gebräu. Werden der Komposition noch die gigantischen Chorpassagen der letzten Dimmu Borgir Werke zugefügt, so ergibt sich Nations of Fire.

Von orientalischen und rauen Passagen

Doch auch eigene Farben sind im gigantischen Musikspiel enthalten. So hat Destiny einen wunderbar orientalischen Hauch und das schleppende von tiefen, räudigen Vocals durchzogene Dead Tree setzten dunkle Farbnuancen, die mich in Teilen an die melodiösen Geschosse von Hypochrisy erinnern. Dagegen erscheinen mir Vímana und Exiled zwar durchaus gelungen, aber im Kontext zu harmlos.

Noch einmal wird bei The Hidden Key alles aus der Kombination von Melodie und Härte herausgeholt. HIER darf die Black Metal Zweitstimme wieder mit keifen und verhindert, dass die Keyboardteppiche alles zu süßlich klingen lassen. Der Rhythmus ist stampfend und fordernd. Die Melodie ist packend, einprägend und beschließt würdig das Album.

Die Dunkelheit hinter einer verschlossenen Tür

Inhaltlich ist Divine Archetype ein Konzeptalbum, in dem es um die Idee von Gott, der Schöpfung, dem Ursprung und Macht geht. So erzählen die Songs in ihrer Abfolge Visionen von der Entstehung der Welt, der Schöpfung, der Menschheitsentwicklung und dem Götterglauben. Aber die Songs erzählen auch mystische, surreale Geschichten von Träumen durch andere Dimensionen in die Vergangenheit zu reisen. Alles gipfelt im abschließenden The Hidden Key, in dem die Tür zur Dunkelheit und der Befreiung ihrer Dämonen aufgestoßen wird. Dieses düsteren Aussichten sind der Aufhänger für ein zukünftigen Album der Band Psychomancy.


Fazit
Psychomancy
beweisen ab dem ersten Ton, dass sie keine Neulinge sind. Es ist beeindruckend, wie nur zwei Musiker solch ein bombastisches Soundmonster kreieren können. Für das nächste Album wünsche ich mir mehr von den orientalischen Klängen und der schwarz-metallischen Würze im opulenten Soundgebräu. Ich genieße das gelungene Divine Archetype und gebe 8 / 10

Line Up
Fernando Luna – Gesang, Keyboards
Lucas Fernandez – Gitarre

Tracklist
01.Eon
02.My Faith
03.Zenith
04.Nation on Fire
05.Destiny
06.Vímana
07.Dead Tree
08.Exiled
09.The Hidden Key

Links
Webseite Psychomancy
Bandcamp Psychomancy
Facebook Psychomancy


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