ASP – Endlich! – Album Review

ASP – Endlich!
Herkunft:
Deutschland
Release:
26.11.2021
Label: Trisol Music Group
Dauer:
02:00:16
Genre:
Gothic Novel Rock


Die deutsche Gothic Novel Rockband ASP wurde 1999 in einer hessischen Kneipe gegründet und begeistert seither die Fans mit ihrer besonderen Art Geschichten musikalisch zu erzählen. In den über 20 Jahren Bandgeschichte entstanden so zwei Albenzyklen und zahlreiche Konzeptwerke, wovon Zaubererbruder und Verfallen die wohl größten darstellen. Nach nun zehn Jahren und vier intensiven Alben, leiten ASP mit ihrem neusten Werk Endlich! Das große Finale des Fremder-Zyklus ein. Wie man es von der Band gewohnt ist, setzen sie hier einen epischen Schlusspunkt und sorgen hin und wieder für einige Überraschungen.

Eindrucksvolles Intro

Mit den Songs Bedenke gut und Was du dir wünschst leitet die Band das Ende dieser Ära ein. Ersterer bildet hier eine rein instrumentale Einführung, welche tief unter die Haut geht und den Hörer auf Kommendes vorbereitet. Ruhig und treibend baut sich das Intro auf und wird durch die Streicher besonders intensiv begleitet und der zweite Track das musikalische Thema eindrucksvoll aufnimmt.

Weiter geht es mit Echo und hier präsentiert Alexander Spreng zu Beginn des Songs einmal mehr einen sehr tief gehenden Erzählpart, bevor das Stück richtig Fahrt aufnimmt und sich vor allem im Refrain voll entfaltet. Hier kann man sehr gut die Augen schließen und die Geschichte auf sich wirken lassen.

Auf ewig fremd, doch ein Ziel in Sicht?

Mit The Eternal Stranger bieten uns ASP den ersten englischen Song des Albums an und der hat es in sich. Mit eindringlichen Gitarrensounds und dem gewohnt tiefen Gesang baut sich eine faszinierende Klangwelt auf. Auch die etwas düstere und beklemmende Atmosphäre, welche der Song ausstrahlt, trägt perfekt zu seiner Wirkung bei. Im Song selber steuert ASP textlich geradewegs auf die Vergangenheit zu.

Das Ziel ist also nicht mehr weit entfernt. Und genau das vermittelt dieser Song auch sehr eindrucksvoll. Auch hier gibt es textlich Hinweise auf eine Reise zurück, denn das Ziel selber liegt wohl an einem Ort, den die Hörer nur zu gut kennen. Insgesamt ist der Song ein typisch tanzbarer treibender ASP-Song, weshalb dieser sich perfekt als eine Vorabsingle HIER eignete.

Wer den Fremder-Zyklus vom Anfang bis jetzt verfolgt hat, erkennt schnell, dass einem das Intro von Seerosenblüten von einst doch sehr bekannt vorkommt. Denn tatsächlich weist das Intro auf den Song A Prayer for Sanctuary vom Album fremd hin. Der Song selbst weist sehr viele verschiedene Facetten auf. Von düsteren Parts bis hin zu einem eingängigen Refrain, bietet er viel Abwechslung. Außerdem ist er eine Anlehnung an die Alben zutiefst und Kosmonautlilus.

Der nächste Song überrascht wohl jeden ASP-Fan, denn Fremde Träume kommen einem doch verdächtig bekannt vor. Vor genau 14 Jahren erschienen Fremde Träume 1+2 auf dem Finale zum Schmetterlings-Zyklus mit dem Titel Reqiuembryo. Damit ist Ausgewachsener Albdruck (Fremde Träume III) wohl eine der größten Überraschungen auf dem Album.

Emotionen und Tiefe

Mit dem sehr tiefgründigen Hauptsong des Albums mit dem Titel Endlich setzt die Reise in dieser Geschichte fort. Das Thema des Songs ist die Vergänglichkeit aller Dinge. Ich finde es sehr bemerkenswert, dass dieser Song auf mindestens zwei Weisen interpretiert werden kann. Einerseits fügt er sich nahtlos in die Geschichte ein, andererseits könnte er aber auch ein Gemeinschaftsgefühl zwischen Band uns Fans vermitteln. Daher denke ich er könnte auch bei Touren zu einem festen Bestandteil werden.

Die FremdkörPerson begleitet die Fand nun schon seit fast zehn Jahren und bekommt nun eine weitere, sehr perfekt durchdachte Erweiterung. Ruine (FremdkörPerson, viertens) ist gleichermaßen emotionsgeladen und tiefgängig. Außerdem bietet es verschieden Passagen, welche auf ihre eigne perfekt miteinander harmonieren. Vor allem der letzte Refrain geht dann nochmal richtig unter die Haut.

Die nächste Singleauskopplung Spät, HIER gehts zum Track, ist eines der absoluten Highlights des Gesamtwerks. Der Song lädt zu Mitsingen aber auch zum Genießen ein. Herausstechend ist eine weitere Anspielung auf den schwarzen Schmetterling, der auch innerhalb dieses Zyklus allmählich eine sehr wichtige Rolle spielt. Ansonsten ist es ein sehr schöner perfekt instrumentierter Titel mit Ohrwurmcharakter.

Das Ende der Reise rückt näher

Ein wahres Meisterwerk ist der fast 10-minütige Song Widmung, der so einiges für den Hörer bereithält. Am Anfang gibt es einen sehr schönen Instrumentalpart, der einen tief in das Geschehen zieht. Dem folgt die erste Strophe und ein sehr imposanter Zwischenpart, der zu verzücken weiß. Der Refrain hat es dann sowohl musikalisch als auch textlich in sich. Die Geschichte steuert unaufhörlich auf das Ende zu und die Umsetzung ist hier vollkommen gelungen.

Die Albumversion der ersten Singleauskopplung Raise Some Hell Now! bietet wieder einen sehr interessanten Hinweis. ASP versteht sich nicht nur perfekt darin Hinweise auf ihre Alben zu geben, sondern nehmen hier sogar im Intro Bezug auf den Song Nehmt Abschied/Auld Lang Syne, welcher ausschließlich auf der Single zutiefst zu finden ist. 

Das unfassbare Finale

Das Finale des Hauptalbums wird von dem Instrumentalzusatz Begleitung eingeleitet, welcher noch einmal das musikalische Thema des Intros aufgreift. Wirklich bombastisch und unfassbar gut wird es mit dem epischen Finale Tor, was so viel zu bieten hat. Elf Minuten pure Schönheit, die man einfach genießen muss. 

Bonustracks und Zusatzversionen

Dem Album selbst ist noch eine sehr empfehlenswerte Bonus CD beigelegt. Neben drei weiteren neuen Songs befinden sich auch drei Zusatzversionen des Albums darauf. Das sehr intensive Age Of The Hurricanes, welches in Zusammenarbeit mit der Band Two Minds Collide entstand macht hier den Anfang. Ich kann diesen englischen Song sehr empfehlen.

Auch Seemannsgarnknäuel mit seinem Folksound ist ein sehr schönes abwechslungsreiches Stück, welches an Herumor Songs erinnert. Die Band DELVA unterstützt hier sehr eindrucksvoll. Also definitiv auch ein Muss für jeden Fan. Rooftop. Legs Yet Dangling, welches ASP mit der Band Cassidi zusammen produziert hat, ist ein Stück welches man aufgrund seiner träumerischen Machart im ruhigen Hören und genießen muss, um voll einzutauchen.

Neben den Singleversionen von Endlich und Raise Some Hell Now! muss man noch die wunderschöne Pianoversion des Songs Echo hervorheben, welche von der Band Lord of the Lost umgesetzt wurde.


Fazit
Das Album Endlich! ist das fulminante Ende einer Ära und hat vollends begeistert. Die gesamte Umsetzung dieses Werkes sind einfach großartig. Für diese Leistung gebe ich dem Album mit Freuden 10 / 10

9,5

Line Up
Alexander Spreng – Gesang
Lutz Demmler – Gitarre, Keyboard, Bass, Mandoline
Sören Jordan – Gitarre
Andreas Groß – Bass
Stefan Günther – Schlagzeug

Tracklist
01. Intro: Bedenke gut
02. Was du dir wünschst
03. Echo
04. The Eternal Stranger
05. Ziel
06. Seerosenblüten von einst
07. Ausgewachsener Albdruck (Fremde Träume III)
08. Endlich
09. Ruine (FremdkörPerson, viertens)
10. Spät
11. Widmung
12. Raise Some Hell Now!
13. Begleitung (Bedenke gut Instrumentalreprise)
14. Tor
15. Age Of The Hurricans (feat. Two Minds Collide)
16. Seemannsgarnknäuel (feat. DELVA)
17. Rooftop. Legs Yet Dangling. (feat. Cassadi)
18. Echo (Lord of the Lost Version)
19. Endlich (Single Edit)
20. Raise Some Hell Now! (Single Edit)

Links
Webseite ASP
Facebook ASP


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