VARDIS – 100M.P.H.@100CLUB – Live Album Review

Vardis – 100M.P.H.@100CLUB
Herkunft:
Wakefield / UK
Release:
26.11.2021
Label:
Steamhammer
Dauer:
01:24:35
Genre:
Hard Rock / Heavy Metal


Mit Vardis kehren ganz alte Helden des harten Rock auf unsere Plattenteller zurück. Offiziell aus der Taufe gehoben wurde die Band 1977 in Wakefield, welches im Norden Englands liegt. Hier befindet sich einer dieser industriellen Schmelztiegel, der gepaart mit kulturellen Einflüssen, jugendliche Trends hervorbrachte und diese verstärkte.

Jugendkultur geht auch immer Hand in Hand mit musikalischer Kreativität. Deshalb verwundert es auch nicht, dass Vardis in ihrem Repertoire Einflüsse aus dreckigem Rock, Rock ‘n’ Roll, Hard Rock und eine Spur von Punk inne hatten. Der aufsteigende Stern der New Wave Of British Heavy Metal riss auch die Band mit und brachte ihr innerhalb kürzester Zeit eine gehörige Portion Popularität und jede Menge Gigs ein.

Aufstieg, Fall und Wiederbelebung

Nach einer ersten EP in 1979 entstand 1980 das legendäre Livealbum 100 M.P.H.. Schon damals warb man damit keine Overdubs zu verwenden, sondern die Fans mit Spielfreude und roher Energie zu überschütten.

Die Erfolgsleiter wurde weiter erklommen, weil eine Tour mit den angesagten Hawkwind absolviert wurde. Alles führte zu einem Gig auf dem legendären Heavy Metal Holocaust Festival und einem zweiten Album, aber dem eigentlichen ersten, richtigen Studioalbum namens The World’s Insane. Nach Stress mit der Plattenfirma und zähen Gerichtsprozessen über mehrere Jahre, veröffentlichten Vardis noch das Album Vigilante. Danach schmiss die Band hin und verschwand viele Jahre von der Bildfläche.

Erst 2014 trat Steve Zodiac, von steinharten Fans angestachelt, wieder in Erscheinung. Er remasterte Vigilante und Vardis traten als umjubelter Headliner beim Brofest II in England auf. Sie tourten quer durch Europa und veröffentlichten schlussendlich 2016 ihr fünftes Album Red Eye.

Der Kreis schließt sich zum ersten Album

Nichts kann das, was die Band ausmacht, so gut repräsentieren wie ein Konzert. Corona war noch eine unterschätzte Bedrohung aus Asien als Vardis 2020 am Freitag, den 13. März, für zwei Stunden in London die Bühne enterten und dieses Dokument für uns Daheimgebliebene aufzeichneten. Die Hitdichte ist auf dem Album 100M.P.H.@100CLUB hoch und bildet das Können der Band besser ab als jede Best-of oder Compilation.

Ob dieses Livealbum auch das Schaffen der Band abbildet, muss jeder Hörer für sich entscheiden.
Natürlich sind die Knaller vom Album 100 M.P.H. überdurchschnittlich vertreten. Doch schon vom Zweitalbum The World’s Insane hat es lediglich Steamin’ Along auf die Trackliste geschafft.
Ob es an alten Erinnerungen über den Zoff mit der Plattenfirma liegt oder welche Gründe sonst zum Übersehen vieler Hits führte, bleibt für uns ungeklärt.

Ein Livekonzert ist, wie es die Band auf die Bühne bringt und das gelingt den Jungs im Laufe des Konzertes immer stimmiger und kreativer. Der Beginn ist druckvoll und geschwindigkeitsbetont, wie bei Out Of The Way, welches ihr HIER hören könnt. Doch für mich beginnen die Schmankerl im zweiten Teil des Konzertes. Da wird improvisiert und alte Nummern bekommen einen neuen Glanz. Beim großartigen The Loser, 100mph (I won’t Go To Hell) oder If I Were King bekommt man glänzende Augen und glühende Ohren.

Kompromisse, wo keine sein dürften

Der Sound ist kompromisslos ehrlich, denn es gibt garantiert keine Overdubs. Dem gegenüber steht das aus meiner Sicht unverzeihliche Kürzen der Passagen zwischen den Songs. Jegliche Kommunikation der Band mit dem Publikum fehlt, Songs erscheinen aneinander gereiht und wurden zugunsten der machbaren Spielzeit von zwei Tonträgern gekürzt. Auch das beginnende Schlagzeugsolo am Ende von Jolly Joker wird einfach ausgeblendet. Wie kann man nur so etwas tun?

Als versöhnlichen Rausschmeißer gibt es HIER noch eine straffe Version von Let’s Go Again, das den Charakter des Albums und das Können der Band noch einmal schön unterstreicht und die Info, dass am Ende der Vinylausgabe als Bonus noch zusätzlich der Soundcheck enthalten ist.


Fazit
Vardis spielen auf 100 M.P.H.@100 Club gnadenlos gut und ehrlich. Leider schmälern fehlende Kommunikation und Schnitte das Gesamtbild. Trotzdem sei dieses Liveerlebnis jedem Fan ans Herz gelegt!

Line Up
Steve Zodiac – Gesang, Gitarre
Joe Clancy – Schlagzeug
Roly Bailey – Bass

Tracklist CD1
01. Out Of The Way
02. Steaming Along
03. Paranoia Strikes
04. Situation Negative (Boogie Blitz)
05. Red Eye
06. Dirty Money
07. Mods & Rockers
08. Don’t Mess
09. Shoot Straight
10. Move Along

Tracklist CD2
01. Destiny
02. The Lion’s Share
03. Radio Rockers
04. The Loser
05. Head Of The Nail
06. Jolly Roger
07. Let’s Go Again
08. 100mph (I won’t Go To Hell)
09. If I Were King
10. Living Out Of Touch (Encore)
11. Soundcheck (Vinyl Bonustrack)

Links
Webseite Vardis
Facebook Vardis


Außerdem auf Soundmagnet.eu
Album Review – Magnum – Dance Of The Black Tattoo
Split-EP Review – Wax Mekanix / Troll Teeth – Blunt
Interview – Brainstorm, Nachgefragt bei Todde Ihlenfeld

Cooler Artikel? Diskutiere mit auf Facebook!
[Total: 4 Average: 5]
Teile diesen Inhalt mit anderen
fb-share-icon