Tir Nan Og – Nachgefragt bei Robert Meyer – Interview

Tir Nan Og stehen für Irish Folk Rock made in Bayern. Auf ihrem sechsten Album Sing, Ye Bastards! sprengt die Band erneut alle gängigen Genre-Klischees und besingt eine Vielzahl an Themen, wobei auch ernste Töne angeschlagen werden. Sänger und Gitarrist Robert Meyer hat uns einige Fragen dazu beantwortet und erklärt uns das irische Lebensgefühl.


Robert-Tir Nan OgMarkus (Soundmagnet): Hallo und danke für das Interview. Euer neues Album Sing, Ye Bastards! wurde meines Wissens nach durch Crowdfunding finanziert. Wie kam diese Aktion an und wieso habt ihr euch für diesen Weg entschieden?
Robert: Es war ja bereits das zweite Mal, dass wir ein Crowdfunding gemacht haben. Bereits das erste Mal waren wir sehr begeistert vom Feedback und der Unterstützung unserer Fans und dieses mal war es sogar noch mehr. Für uns ist das zum einen eine Möglichkeit, die Fans an unserer CD teilhaben zu lassen, und zum anderen ist es natürlich auch ein Marketingtool. In diesem Jahr hat es uns glücklicherweise auch geholfen die Gagen zu kompensieren, die aufgrund von ausgefallenen Konzerten weggefallen sind. Das kam uns mehr als gelegen, sonst wäre unsere Finanzierung der CD wirklich knapp geworden.

Der irische Blick aufs Leben

Markus: Euer Schlagzeuger Volker meint zum Album, dass es in schwierigen Zeiten entstanden ist und ihr dadurch die „irische Lebenseinstellung“ besonders gut nachvollziehen konntet. Nun, was war denn besonders schwierig und was ist eurer Meinung nach der irische Blick aufs Leben?
Robert: Ich glaube ich erzähle nichts Neues, wenn ich sage, dass die Zeiten für Künstler momentan wirklich problematisch sind. Konzerte finden nicht statt und so haben wir weder die Einnahmen durch Gagen, noch die Möglichkeit, unsere CDs, Merchandize und so weiter unter das Volk zu bringen. Dazu kommt die Tatsache, dass wir vor der CD-Aufnahme kaum proben konnten, wegen Lockdown et cetera, und die Studioaufnahmen sich dann auch entsprechend schwierig gestaltet haben.
Für uns ist der „irische Blick“ aufs Leben, dass man trotz solcher Widrigkeiten, trotz schlimmer Zeiten, immer noch irgendwo eine positive Einstellung hat. Irland hat in seiner Geschichte schon wirklich schlimme Zeiten durchgemacht, zum Beispiel die große Hungersnot, und trotzdem gibt es wenige Völker, die so herzlich und menschlich sind wie die Iren.

Markus: Kaum eine deutsche Band hört sich so irisch an wie ihr. Wie kamt ihr überhaupt auf die Idee, als Irish Folk Band, made in Bayern, durchzustarten?
Robert: Erst mal danke für das Kompliment. Die Idee geht zurück auf die Zeit, als Bassist Joggl und Sänger Robert noch in einer anderen Band spielten, aber gleichzeitig im Irish Pub in Eichstätt, dem Fiddler‘s Green, gearbeitet haben. Die andere Band hatte kaum Auftritte, deshalb wollten wir noch ein weiteres Projekt starten. Und es war klar, dass wir mit einer Irish Folk Band auf jeden Fall schon in dem Irish Pub auftreten konnten. Und genauso ist es dann auch gekommen.

Themen gibt’s genug

Markus: Jemand kennt euch nicht und hat eure Musik noch nie gehört. Mit welchem Song vom neuen Album würdet ihr versuchen, diese Person von euch zu überzeugen?
Robert: Das ist eine sehr schwierige Frage, weil es darauf ankommt, welche Musik diese Person favorisiert. Die neue CD bildet eine weite Bandbreite an Stimmungen und Stileinflüssen ab. Wenn es was ruhiges sein soll, würde ich Sea of Sorrow empfehlen. Jemandem der eher Classic Rock hört würde ich The Song Remains empfehlen und für Leute, die einfach nur Spaß haben wollen an der Musik, The Wanderings of Oisin.

Markus: Neben den “typischen” Inhalten, beispielsweise die Liebe und den Alkohol, besingt ihr auch ernstere Themen. In Fear Gorta beispielsweise geht es um eine Legende aus der Zeit der irischen Hungersnot zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Unbewusste Entwicklung oder beabsichtiger Versuch, aus der Klischee-Ecke der „Sauf- und Spaßbands“ auszubrechen?
Robert: Wir haben eigentlich nie ein Problem damit gehabt, Sauf- und Spaßlieder zu spielen. Das machen wir auf der neuen CD ja auch. Und wenn jemand das hören will, dann hat er aus meiner Sicht auch jede Gelegenheit dazu.
Gleichzeitig muss ich aber auch Songs zu Themen spielen, die mich beschäftigen. Bei den Recherchen zur neuen CD bin ich über diese Legende gestolpert und das hat mich dann zu dem Song inspiriert. Wir haben ja auch auf der letzten CD schon ernstere Songs mit dabei gehabt, zum Beispiel Monster. Uns als reine „Sauf- und Spaßband“ zu sehen würde daher glaube ich zu kurz greifen. Wir haben noch nie wirklich Rücksicht auf irgendwelche Schubladen genommen und das beeinflusst uns beim Songwriting auch nicht wirklich.

Soziales Engagement

Markus: Ihr engagiert euch auch sozial, die Einnahmen aus eurem Song Sea of Sorrow gehen an Sea-Watch. Ein politisch heiß diskutiertes Thema, dass ideologisch sehr stark aufgeladen ist und schon lange debattiert wird. Wieso ist es euch ein so großes Bedürfnis, Sea-Watch zu unterstützen?
Robert: Wir sind zwar keine explizit politische Band, trotzdem sind wir eigentlich alle politisch interessiert und machen uns da auch Gedanken. Als der Song entstanden ist, hat das Thema mich gerade sehr umgetrieben, und wie schon gesagt, schreibe ich die Songs eben auch zu Themen die mich beschäftigen.
Die Zusammenarbeit mit Sea-Watch kam dann im Nachhinein, als wir uns überlegt haben, wie ein Video zu diesem Song aussehen könnte und da kam eben die Idee auf, dass wir auch Szenen aus der Seenotrettung mit in das Video integrieren sollten. Wir haben dann Sea-Watch angeschrieben und die haben sofort geantwortet. Das Problem das wir beschreiben ist ja nicht weg, nur weil wir uns gerade mit etwas anderem beschäftigen und deshalb haben wir gesagt, das ist es wert, unterstützt zu werden.
Ganz einfach gesagt: Man lässt einfach niemanden ertrinken, wenn man es verhindern kann! Und wenn das unser Teil ist, den wir dazu beitragen können, dann umso besser. Unterstützen kann man das Ganze, wenn man den Song über unseren Bandcamp Account HIER kauft.

Hoffen auf den Sommer

Markus: Eure Art von Musik ist ja prädestiniert für Live-Konzerte. Wie geht ihr mit der derzeitigen Situation um, nicht vor Publikum spielen zu können?
Robert: Das ist tatsächlich schwierig. Wir versuchen gerade unsere Social Media Präsenz auszubauen. Seit neuestem gibt es jetzt einen Twitch-Livestream HIER von uns.
Damit versuchen wir mit den Fans in Kontakt zu bleiben. Das ist zwar nicht mit einem Live-Konzert zu vergleichen, aber was will man machen. Die Situation ist momentan für alle Künstler schlimm. Leider können wir die neue CD da nicht so präsentieren, wie wir gerne möchten. Wir haben uns viele Gedanken gemacht, auch über ein Streaming-Konzert, aber momentan ist das für uns nicht sinnvoll umzusetzen. Die Hoffnung bleibt, dass wir im Sommer 2021 wieder auf die Bühne dürfen und dann die neuen Songs spielen.

Markus: Wir sind immer auf der Suche nach neuen Bands. Welche Combos aus eurer Heimatstadt könnt ihr uns empfehlen, die wir unbedingt einmal checken sollten?
Robert: Das ist gar nicht so einfach. Leider sind sowohl Proberäume als auch Konzert-Locations bei uns in der Region sehr spärlich gesät, deshalb gibt‘s da einen gewissen Nachwuchsmangel. Was ich aber empfehlen kann ist beispielsweise die Donkeyhonk Company, auch wenn sie keine Nachwuchsband sind. Persönlich mag ich noch Erik Stenzel, ein junger Liedermacher, der früher mal mit einer anderen Band schon mit uns die Bühne geteilt hat und Josef Schön and Friends. Der dürfte bei Tir Nan Og Fans auch kein Unbekannter sein, weil er schon einige Male mit uns gespielt hat, zum Beispiel auf dem Kiltrunners Festival.

Markus: Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören euch.
Robert: Auch von uns vielen Dank. Schön, dass ihr uns die Möglichkeit gebt unsere Musik zu verbreiten. Ich hoffe wir sehen uns bald mal auf einem Konzert wieder.

Foto Credit Beitragsbild: Santana Raus / Andreas Finga


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