Under Cover – Sonntagsgedanken – Kolumne

Neben Auszeichnungen und Gold/Platin-Status für verkaufte Platten ist wohl die größte Ehre eines Musikers/Band, wenn namenhafte Kollegen den eigenen Song covern. Doof wird’s dann nur, wenn die Coverversion plötzlich besser und erfolgreicher ist, als die Eigene. Wenn mit dem eigenen Song nur noch eine andere Band in Verbindung gebracht wird und man unfreiwillig die „Credits“ abgibt – zumindest in den Köpfen der Hörer.


„Was? Der Song ist garnicht von XY? Den hat YZ geschrieben?“ Diese Erleuchtung dürfte bestimmt jedem mindestens einmal unterlaufen sein. Ein leben Lang bringt man DIE eine Band oder DEN einen Musiker mit bestimmten Songs in Verbindung. Doch die Wahrheit sieht, beziehungsweise hört, sich oft anders an – Songs Under Cover, wenn man so will.

Es gibt viele Beispiele, wo das Cover bekannter ist als das Original. Ein sehr gutes Exempel dafür sind wohl Guns ‘N’ Roses. Ihre Interpretation von Knocking On Heaven’s Door ist geradezu großartig und darf in keinem Repertoire einer 40s Coverband fehlen. Alleine die beiden Gitarrensoli – einfach nur Zucker. Ein wirklich wunderbares Cover. Zu finden auf der blauen Ausgabe ihrer zeitgleich erschienenen Studioalben Use Your Illusion I und Use Your Illusion II. Tatsächlich ist das Original aber von der Folk-Rock-Legende Bob Dylan, der  amerikanischen Version von Herbert Grönemeyer. Gut, das sind jetzt keine Breaking News, aber dennoch verbinden wohl die meisten den Song mit Slash & Co.

Status Quo oder doch John Fogerty?

Genauso verhält es sich mit Rockin’ All Over The World. Da hat man doch direkt die zwei sich synchron hin und her wedelnden Telecaster von Status Quo im Kopf. Und dennoch hat den Song einer der wohl besten Songwriter unserer Zeit geschrieben – John Fogerty. Seiner Zeit Sänger, Komponist, Arrangeur und Produzent bei Creedence Clearwater Revival. Aus seiner Feder stammen unter anderem Hits wie Proud Mary, Bad Moon Rising oder Fortunate Son. Seine Version ist zwar der von Status Quo sehr ähnlich, aber dennoch haben es die Briten geschafft, eine Schippe Coolness drauf zu legen. Und das sage ich als absoluter CCR-Fan.

Apropos Proud Mary. Das dürfte der wohl am meisten gecoverte Song aller Zeiten sein. Wenn nicht sogar noch viel länger ;-). Alleine im Erscheinungsjahr 1969 wurde er an die 30 mal gecovert und laut Bob Dylan war die „stolze Mary“ der beste Song des Jahres. Das alleine sagt schon einiges aus. Die bekannteste Coverversion dürfte die von Ike und Tina Turner sein, die erst langsam angroovt und dann ordentlich das Tempo anzieht. In meinen Ohren eine sehr gelungene Version.

Das Cover – Hommage an den Komponisten?

Wenn ein Song so oft kopiert wurde, dann ist das schon eine große Ansage. Da ließ es sich sogar Leonard Nimoy (besser bekannt als Mr. Spock) nicht nehmen, auch eine Version beizutragen. Und ich muss sagen, richtig richtig gut. Besonders die Orgel brilliert hier mit einem fantastischen Solo, welches an Booker T. Jones erinnert. Aber auch CCR verstanden es sich bei anderen Musikern zu bedienen und hervorrage Coverversionen alter RnB Klassiker zu kreieren. So befindet sich beispielsweise auf dem 1970er Longplayer Cosmo’s Factory eine episch elfminütige Version von I Heard It Trough The Grapevine, das fast zur Hälfte aus dem psychedelisch trippigen Gitarrensolo Fogertys besteht.

Wenn man von gelungenen Coverversionen schreibt, die besser als das Original sind,  darf eine nicht fehlen: With A Little Help From My Friends. Joe Cocker ist mit seiner Version des Beatles-Klassikers ein echter Geniestreich gelungen. Er hat aus dem für Rockmusik typisch nach vorne marschierenden 4/4-Takt einen 3/4-Takt gemacht, der sich eher dramatisch hin und her wiegt. Somit wurde das Feeling des Songs nicht nur grundlegend verändert, sondern auch verbessert. Diese Tatsache faszinierte selbst Paul McCartney, welcher zusammen mit John Lennon für den Song verantwortlich ist. Also, wenn das mal kein verbales Schulterklopfen ist, dann weiß ich es auch nicht.

Manchmal bleibt jedoch das Original die bessere Version

Zwar nicht besser als das Original, aber dafür sehr originell im eigenen Stil und somit eine ganz neue Version ist Black Stone Cherry’s Interpretation von Can’t You See. Ich liebe das Original von der Marshall Tucker Band, feiere aber genauso die Variante der Südstaaten Rocker. Gerade das Stoner-eske Intro-Lick in Dropped D Tuning (die tiefe E- Saite wird einen ganzen Ton tiefer gestimmt) sorgt bei mir jedesmal für einen Gänsehaut-Moment. Obwohl BSC eine eigene Version gelungen ist, bleibt der Spirit und einhergehende Wiedererkennungswert des Originals im Kern erhalten – nur eben viel härter. Lautes Anhören ist hier Pflicht.

Ich könnte jetzt ewig so weiter schreiben und hervorragende Coverversionen aufzählen, aber das würde einfach den Rahmen sprengen. Es ist für mich einfach immer wieder spannend, gute Interpretationen von Songs zu entdecken. Naja – es sei denn, es ist Disturbeds Version von The Sound of Silence. Das hätte man meiner Meinung besser lassen sollen – ganz getreu dem Motto: „Silence is golden!“


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