Thomas V Jäger – Nachgefragt bei Thomas – Interview

Thomas V Jäger von Monolord hat sein erstes, sehr persönliches Soloalbum veröffentlicht. Im Interview gewährt er uns Einblicke in seine Denkweise und erklärt uns, wieso die Welt “im Arsch” ist.

The original interview in english can be found HERE


Thomas V Jaeger Promobild
Foto Credit: Esben Willems

Markus (Soundmagnet): Hallo Thomas. “A Solitary Plan” ist dein erstes Soloalbum, und es ist zutiefst persönlich. Es ist ungewöhnlich für einen Metal-Musiker, ein Akustik-Album zu veröffentlichen, auf dem seine verletzliche Seite präsentiert wird. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen und wie hast du das Schreiben und Aufnehmen der Songs erlebt?
Thomas: Das Schreiben war ziemlich einfach und das Aufnehmen macht Spaß. Ich habe mir eine Akustikgitarre gekauft, die fantastisch klingt, und einige Songs haben sich fast von selbst geschrieben. Ich habe alles selbst gemacht, außer dem Mischen (Kalle Lilja, Welfare Sounds) und dem Mellotron (Emil Rolof). Es war anfangs nicht mein Plan, es zu veröffentlichen, aber hier sind wir nun und es klingt großartig.

Markus: Du hast gesagt, dass dieses Album all die emotionale Energie, die du mit dir herumgetragen hast, zum Ausdruck bringt. Woher kommt all diese Energie und warum hast du beschlossen, sie in einem Soloalbum zu kanalisieren, anstatt sie bei deiner Hauptband Monolord unterzubringen?
Thomas: Ich muss sehr viel verschiedene Musik schreiben, sonst würde ich vor Langeweile sterben. Wenn es nicht wie ein Monolord-Song klingt, ist es auch kein Monolord-Song. Und das ist etwas, das ich alleine machen musste. Also war es nicht so, dass ich einen Haufen Lieder hatte, mit denen ich nicht wusste, was ich tun sollte.

Markus: Du hast Musik als therapeutisch bezeichnet. Was ist so therapeutisch am Musizieren und Musikhören? Wie kann Musik Menschen bei ihren persönlichen Kämpfen helfen?
Thomas: Jeder hat seine eigene Art, das, was um ihn herum geschieht, zu verarbeiten. Musik funktioniert für mich. Sowohl beim Schreiben als auch beim Hören. Für mich ist es vor allem der kreative Prozess, der therapeutisch wirkt. Ich schreibe gerne traurige Musik. Es macht mich zu einem besseren Menschen.

Markus: Du hast auch gesagt, dass du zunächst nicht in der Lage warst, mit deiner Familie und deinen Freunden über die sehr persönlichen Themen zu sprechen, die wir auf dem Album hören können. Klingt, als hätte sich das inzwischen geändert. Was hat deine Meinung geändert und wie hast du diesen Veränderungsprozess erlebt?
Thomas: Ich habe die Lieder für mich selbst aufgenommen. Zu meinem eigenen Vergnügen und nichts weiter. Einige der Lieder waren ein paar Jahre lang auf Soundcloud zu hören, und daraus ist ein Album geworden.

Markus: Eines der Themen des Albums ist der Wunsch, eine Familie zu haben, aber dazu nicht in der Lage zu sein. Was empfiehlst du Menschen, die dieser Situation ausgesetzt sind?
Thomas: Jeder Schwachkopf auf der Welt kann seinen Penis in die Vagina eines anderen Schwachkopfs stecken, und heraus kommt ein Kind. Hoffentlich wird das Kind richtig erzogen, aber wir wissen, dass es so nicht funktioniert. Lange Zeit wollte ich keine Kinder haben. Das hat sich geändert, als wir (ich und meine Partnerin) erkannten, dass wir ein Kind aufziehen können, das zu einer Person mit starken moralischen Werten und Integrität heranwächst und mit dem Willen, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wenn sich herausstellt, dass man das nicht tun kann, rüttelt das irgendwie an dem Fundament, auf dem man steht. Und es nervt. Man muss seinen Fokus irgendwo hinlegen, um sich nicht zu verlieren. Mein Fokus war/ist das Schaffen von Musik.

Markus: Normalerweise wählen wir Songs vom Album aus und fragen, worum es darin geht. Dieses Mal wollen wir es anders machen: Bitte erzähle uns mehr über zwei Lieder des Albums, die für dich am wichtigsten sind. Wie sind diese Lieder entstanden und wovon handeln sie genau?
Thomas: Ich glaube nicht, dass ich auf diese Weise zwei Lieder auswählen kann. Die Texte und Themen ziehen sich durch das ganze Album. Wenn ich ein Lied schreibe, habe ich einige Ideen, Akkorde oder Textzeilen, aber meistens nur ein paar Akkorde. Ich nehme auf und dann kommt der Rest meist von selbst. Mir gefallen aber die Akkorde und das Mellotron im Titeltrack sehr gut.

Markus: Können wir damit rechnen, einige der Lieder in Zukunft live zu hören, entweder in Solo-Shows oder mit deiner Band?
Thomas: Erwarte nichts, dann wirst du auch nicht enttäuscht.

Markus: Covid-19 betrifft uns alle, aber besonders Künstler verlieren ihre Existenzgrundlage, und der Impfstoff wird frühestens ab 2021 zur Verfügung stehen. Wie gehst du mit der aktuellen Situation um und wie wirkt sie sich auf dich aus?
Thomas: Es ist eine ermüdende Diskussion. Niemand weiß, wie es sein wird, also bringt es nichts, zu spekulieren. Es ist so oder so im Arsch, und es wird nicht aufhören, im Arsch zu sein, bis wir (Menschen) aufhören, alles Schöne um uns herum zu zerstören. Ich werde weiterhin Musik machen. Wann es jemals wieder etwas ähnliches wie Normalität gibt, werden wir sehen. Jede Grippe auf der Welt ist entstanden, weil die Menschen schmutzig sind und nicht richtig mit Tieren umgehen können, also wird es nach diesem Virus einen weiteren geben. Solange wir weiterhin Fleisch essen und Tiere wie Scheiße behandeln, wird sich das nicht ändern.

Markus: Können wir in Zukunft mehr Soloalben von dir erwarten? Gibt es auch etwas Neues bei Monolord?
Thomas: Ja, ich habe acht neue Lieder fertiggestellt, also wird es wohl ein weiteres Soloalbum geben. Monolord arbeitet auch an einigen neuen Melodien.

Markus: Wir sind immer neugierig auf musikalische Geheimtipps. Welche Bands aus deinem Heimatland kannst du uns empfehlen, die international nicht so bekannt sind?
Thomas: Ich habe keine Ahnung, was international bekannt ist oder nicht. Ich dachte, das Internet hätte diese Grenzen ausgelöscht? Im Moment höre ich gerade Abby Road von den Beatles.

Markus: Die letzten Worte gehören dir. Gibt es etwas, das du unseren Lesern und den Thomas V Jäger-Fans sagen möchtest?
Thomas: Seid freundlich und seid keine Rassisten.


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