Kaiser Franz Josef – Nachgefragt bei Sham – Interview

Die österreichischen Hard Rocker Kaiser Franz Josef schlagen mit III das nächste Kapitel ihrer Bandkarriere auf. Zur Veröffentlichung des neuen Albums hat uns Sänger und Gitarrist Sham einige Fragen beantwortet.


Foto Credit: Pascal Buenning

Markus (Soundmagnet): Hallo und danke für das Interview. Zuerst einmal die unausweichliche Frage: Wie geht’s euch mit der aktuellen Corona-Situation?
Sham: Nicht unbedingt blendend, wir können keine Konzerte spielen und das belastet uns emotional und finanziell doch sehr.

Markus: Für euer neues Album III habt ihr erstmals mit dem Produzenten Tom Dalgety zusammengearbeitet, der beispielsweise auch schon für Rammstein und Ghost gearbeitet hat. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und wie ging es auch damit?
Sham: Wir haben einfach eine Liste mit namhaften Produzenten bekommen und haben uns für ihn entschieden. Wir hätten nicht gedacht, dass das klappen würde und haben es erst geglaubt, als er dann bei uns im Proberaum stand und wir mit der Pre-Production begonnen haben. Er ist ein toller Typ, wir haben uns sofort gut verstanden.

Markus: Inhaltlich präsentiert ihr uns auf dem Album unterschiedliche Themen, unter anderem das gestörte Ökosystem der Erde in Dive und mentale Störungen in All in my Head. Wie entstehen bei euch die Texte und wie entscheidet ihr über die inhaltlichen Themen?
Sham: Wir haben die Texte gemeinsam geschrieben und sie einfach entstehen lassen. Während des Prozesses hatten wir alle eine Phase von Existenzängsten und das hat sich in den Lyrics manifestiert.

Markus: Das Album bietet auch Töne, die man so von euch noch nicht gehört hat. Beispielsweise in Overdue und Rings to the Bone. Natürliche Entwicklung, Experimentierfreude, oder gibt es andere Gründe dafür?
Sham: Natürliche Entwicklung, die Songs kommen, wie sie kommen und wir entscheiden dann nach Qualität, was auf’s Album kommt. Es sind diesmal beispielsweise auch nur neun von zwölf recordeten Songs auf dem Album, weil wir keine halbgaren Songs auf unserem Album wollten.

Markus: Für den Song Cactus habt ihr Seasick Steve gewinnen können, seine selbstgebauten Gitarrenkreationen sind darin zu hören. Das Wort Gitarrenkreationen finden wir spannend. Was können wir uns darunter vorstellen und wie war es, mit Seasick Steve an einem Song zu arbeiten?
Sham: Seasick Steve ist ein totaler Exzentriker im besten Sinne. Er baut Gitarren aus diversen Dingen, beispielsweise Zigarrendosen und Holzbesen. Er hat eine Stunde von den Rockfield Studios entfernt gewohnt und doch war es recht aufwendig (Anmerkung: In den Rockfield Studios wurde das Album aufgenommen). Seasick Steve war selbst in eine Produktion verwickelt und konnte nicht rüberfahren. Er arbeitet nur auf Tape, ich glaube er hat nicht mal ein Computer-Setup. Also mussten wir unseren Song auf Tape überspielen und ihm per Kurier zukommen lassen. Er hat seine Magic draufgepackt und danach mussten wir das Ganze wieder digitalisieren. Aber es hat sich gelohnt, es ist mein Lieblingssong auf dem Album geworden.

Markus: Im Moment arbeiten viele Bands aufgrund der Live-Zwangspause an neuem Material. Arbeitet ihr auch bereits an neuen Songs? Was macht ihr sonst noch in der freigewordenen Zeit?
Sham: Jeder arbeitet für sich an Songs, also nicht unbedingt für Kaiser Franz Josef.

Markus: Viele Bands, Labels und auch Festivals servieren uns jetzt Live-Streams. Könntet ihr euch vorstellen, ausschließlich vor Kameras für eure Fans vorm Bildschirm aufzutreten?
Sham: Absolut nicht. Ein Gig ohne Publikum ist wie ein Auto ohne Motor, das Essenzielle fehlt einfach. Wir hatten die Ehre, als einer der wenigen Bands am diesjährigen Nova Rock zu spielen, dass nur digital stattgefunden hat, aber auf der regulären Festivalbühne vor Ort mitgeschnitten wurde. Kann man machen, aber es fühlt sich nicht nach einem Konzert an, sondern eher nach einer Live-Probe.

Markus: Uns interessiert auch deine Meinung als Musikfan. Welche medial eher wenig beachteten Bands hörst du gerne und kannst du uns empfehlen?
Sham: Broken Hands, unbedingt reinhören.

Markus: Im September startet ihr eine Tour durch Deutschland und die Niederlande, am 23.9. kann man euch in Wien sehen. Welche Songs der neuen Platte haben es in die Setlist geschafft und was darf man von euch allgemein nach der Live-Flaute erwarten?
Sham: Mal sehen ob die Tour wirklich stattfindet, die zweite Welle ist im Anmarsch. Wir hätten eigentlich geplant, sieben oder acht von neun Songs der neuen Platte live zu spielen. Mal sehen.

Markus: Vielen Dank für das Interview. Statt einer finalen Frage überlassen wir die letzten Worte dir, für was auch immer du unseren Lesern und euren Fans noch sagen möchtet.
Sham: Kleinere Bands wie wir brauchen eure Unterstützung. Kauft Merch, kommt zu den Shows, wenn sie stattfinden, steckt andere Leute mit eurer Faszination für eure Lieblingsband an. Kauft und konsumiert Kultur und seht sie nicht als selbstverständlich an.


Links
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Webseite Kaiser Franz Josef
Foto Credit Beitragsbild: Pascal Buenning


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