Seven Spires – Nachgefragt bei Adrienne Cowen – Interview

Die US-Metaller Seven Spires haben mit Gods Of Debauchery ein Monumentalwerk veröffentlicht, das auf sämtliche Genre-Konventionen pfeift. Sängerin Adrienne Cowan hat uns einige Fragen dazu beantwortet und uns verraten, was sie über Internet-Trolle und Sexismus im Metal denkt.

You can find the original interview in english HERE.


Seven Spires-Adrienne Cowan
Foto Credit: Black Ray Photography

Markus (Soundmagnet.eu): Hallo und danke für das Interview. Euer neuestes Album heißt Gods Of Debauchery, was ziemlich brutal klingt. Was ist das Konzept beziehungsweise die Geschichte hinter diesem Namen?
Adrienne (Seven Spires): Hallo! Fangen wir damit an: “Debauchery” – Hauptwort. Bedeutung: Übermäßiges Schwelgen in sinnlichen Vergnügungen. Es ist nichts Gewalttätiges dabei. Gods of Debauchery ist der dritte Teil unserer Trilogie von Konzeptalben, und der Name ist eine Anspielung auf den Anti-Helden der Geschichte, der auch der Bösewicht unserer ersten Platte Solveig war.

Markus: Eigentlich wolltet ihr 2020 mit dem Album Emerald Seas auf Tour gehen, aber dann kam die Covid-Pandemie dazwischen. Stattdessen habt ihr das neue Album geschrieben, das fast 80 Minuten Musik enthält. Viele andere Bands teilen so viel Musik auf 2 Alben auf und brauchen viel länger zum Schreiben. Wie schafft ihr es, so viele Songs in relativ kurzer Zeit zu komponieren?
Adrienne: Ja, es ist ein langes Album. Wie viele andere Musiker im letzten Jahr hatten wir plötzlich viel Zeit und viele Gefühle, die wir ausdrücken wollten. Wir haben sechs Monate lang jeden Tag geschrieben. Und als wir fertig waren, wussten wir, dass es für alle Beteiligten furchtbar unbefriedigend wäre, es in zwei Teilen zu veröffentlichen.

Eine bunte Mischung

Markus: Eure Musik ist eine Mischung aus verschiedenen Genres, mit melodischem Songwriting und symphonischen Elementen, die wie eine Klammer die Songs zusammenhalten. Welche Musiker haben euch beeinflusst und wie würdet ihr die Musik auf Gods Of Debauchery jemandem erklären, der euch noch nie gehört hat?
Adrienne: Unsere Fans beschreiben uns liebevoll als eine Mischung aus Kamelot, Dimmu Borgir, Nightwish, Fleshgod Apocalypse und anderen. Gods of Debauchery ist eine theatralische und hochemotionale Achterbahnfahrt durch und über das Spektrum des Metal hinaus. Persönlich bin ich stark von Hans Zimmer, Roy Khan, Adam Lambert, Frederic Chopin, Edward Elgar und anderen beeinflusst worden.

Lichtbringer und Selbstzerstörung

Markus: Das Video zum Song Lightbringer enthält einige Tanzeinlagen, was für ein Metal-Video sehr ungewöhnlich ist. Selbsternannte Hüter der Szene fühlen sich davon bereits angegriffen, wie man in den Kommentaren sehen kann. Was ist die Botschaft des Songs und des Videos und habt ihr den allgegenwärtigen Internet-Nörglern etwas zu sagen?
Adrienne: Gatekeeper, “Hüter der Szene” und YouTube-Trolle bezahlen meine Rechnungen nicht, und bisher habe ich noch niemanden gesehen, der eine erfolgreichere Karriere beim Schreiben oder Aufführen von Musik und beim Erstellen von Videos hat als ich. Ich habe ihnen nichts zu sagen.
Lightbringer ist ein Song über das Tanzen mit Dämonen und Saufgelage, um bestimmte Dinge im Leben zu vermeiden. Es ist ein ungesundes und potenziell zerstörerisches Verhalten, mit dem sich viele Menschen identifizieren können, ob sie es nun zugeben wollen oder nicht.

Markus: Ihr habt euch alle während eures Studiums am Berklee College of Music in Boston kennen gelernt. Ist das Leben als Musiker so, wie ihr es euch vorgestellt habt, als ihr studiert habt?
Adrienne: Das ist eine ungewöhnliche Frage. Die Branche entwickelt sich ständig weiter, also in gewisser Weise logistisch gesehen, nein. Mit jeder neuen Erfahrung verfeinere ich die Definition dessen, was ich will, weiter. Aber im Kern ist es der Traum, mit meinen besten Freunden durch das Medium Musik Kunst zu schaffen und davon zu leben. Ja, das ist es, was ich erwartet habe.

Frauen im Metal

Markus: In Europa gibt es immer wieder Debatten darüber, dass es Frauen immer noch sehr schwer haben, eine Karriere aufzubauen. Glaubt ihr auch, dass es Bands mit Frauen schwerer haben, in der Metal-Szene respektiert zu werden als reine Männerbands?
Adrienne: Unsere Fans und Kollegen behandeln mich einfach wie eine Musikerin, und ich wünschte, die Medien würden das auch tun, anstatt ständig zu fragen, ob ich wegen meines Geschlechts respektlos behandelt werde oder nicht. Ich kann nicht für alle Frauen sprechen, aber ich bin sicher, dass ich nicht die einzige bin, die so denkt. Ich würde so viel lieber einfach über unsere Kunst sprechen.
Aber ja, die Leute machen mir Vorwürfe. Meistens, weil ich jung bin und einen gewissen Erfolg in einem schwierigen Bereich erzielt habe, in dem sie wahrscheinlich selbst erfolgreich sein wollten. Manchmal ist es das Geschlecht, das sie kritisieren. Und ich meine, wenn jemand allen zeigen will, dass er Frauen nicht respektiert, nun ja… das sieht nicht gut aus für ihn, aber das ist sicher nicht mein Problem.

Zukunftspläne

Markus: Niemand weiß, was in naher Zukunft mit Covid-19 passieren wird. Aber wenn es möglich ist, können die europäischen Fans dann eine Tournee erwarten?
Adrienne: Seid versichert, dass wir unser Möglichstes tun, um nach Europa zurückzukehren!

Markus: Danke für das Gespräch. Die letzten Worte in diesem Interview gehören dir.
Adrienne: Danke, und vielen Dank an alle in der Seventh Brigade, die uns über die Jahre hinweg von ganzem Herzen unterstützt haben. Wir lieben euch und können es kaum erwarten, euch eines Tages wieder am Merch-Stand zu umarmen!

Foto Credit Beitragsbild: Doga Somer/EmVision Productions


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