Lord Of Confusion – Evil Mystery – Album Review

Lord Of Confusion – Evil Mystery
Herkunft:
Leiria / Portugal
Release:
30.09.2022
Label: Gruesome Records
Dauer:
45:21
Genre:
Doom Metal


Lord Of Confusion aus Leiria in Portugal haben sich 2018 gegründet. Ein Jahr später folgte bereits ihre erste EP Burnin’ Valley. Wobei sich der Begriff EP in diesem Fall auf die vier Stücke und nicht die Laufzeit von vierzig Minuten bezieht. Doch dieser Fakt zeigt uns schon deutlich auf, wohin die Doom Reise hingeht. Megafette und tieftönende Riffs werden kombiniert mit psychedelischen Keyboardteppichen und getoppt mit weiblicher Singstimme.

Auch die 2020 live in einem Theater in Lissabon eingespielte Single Witchmantia zeugt mit einem zwanzigminütigen Track davon, dass es die Band nicht überstürzt mag. Wer sich also an das Debüt Evil Mystery heranwagt, der sollte sich von Heavy und Power Metal verabschieden und in eine dunkle Welt voller Härte und psychedelischer Facetten versinken.

Psychedelischer Doom als Soundtrack des Horrors

Eine Schublade aus langsam gespielten Doom ist definitiv zu klein, wenn es um die musikalische Einordnung des Debüts geht. Die fünf Songs und das Spannung erzeugende kurze instrumentale Interlúdio basieren auf megafetten Riffs, wie sie einst vor rund dreißig Jahren von Cathedral in ihrer frühen Doom / Death Phase gespielt wurden. Doch die Rückbesinnung geht hörbar teilweise noch weiter zurück. Die von Sängerin Carlota Sousa gespielten Keyboards erinnern oft an elektronische Orgelklänge der 1970er Jahre. Sie erzeugen mal ein sakrales, dann wieder unterschwelliges unheimliches Gefühl. Beispielgebend für das Material auf Evil Mystery könnt ihr HIER den Opener Land Of Mystery anhören.

Die Inhalte reflektieren Themen aus klassischen Horrorfilmen und drehen sich textlich um Übernatürliches und Okkultes. Da soll uns die Orgel ganz recht sein. Die Vocals werden größtenteils von Carlota Sousa übernommen und werden die Hörerbasis spalten. Der langgezogene Gesang wird nicht jedermanns Sache sein. Aber er vermittelt gut Spannungen, Leid, Trauer und steht im krassen Kontrast zu den Growls die Bassist João Fonseca beisteuert.

Der Opener ist schon schwere Kost und die Band zieht ihr Konzept durch. Howling Void baut sich langsam auf, bevor der tödliche Gesang von João Fonseca einsetzt. Die weibliche Singstimme übernimmt temporär und wird wieder und wieder durch harschen Gesang unterbrochen. Die sakralen Teppiche der Orgel bedecken alles mit Traurigkeit und bekommen am Ende eine Soloeinlage. Es ist schon fast Funeral Doom, was tonnenschwer auf unsere Ohren trifft.

Nicht die Hölle, sondern der Untergang

Evil Blood mit seinem seichten verspielten Mittelteil geht in einen kurzen und heftigen Part über. Beim abschließenden Teil ringen die Tastenklänge mit den Riffs und vermitteln uns das Gefühl von Improvisation. Witchfinder ist nicht nur als Filmfigur ein klassisches Motiv. Trotzdem hat der Song ab der Mitte mehr als Doom zu bieten. Rhythmuswechsel mit fast schon schunkelnden Keyboardmelodien reißen uns aus trauriger Melancholie.

Die Portugiesen lassen es sich nicht nehmen auch auf ihr Debüt einen langen Doom Brocken zu packen. Der Titel Hell trifft das Hörgefühl nicht perfekt, denn es ist nicht die Hölle was hier erklingt, sondern der Soundtrack zum Untergang. Die Umsetzung ist tieftraurig und die schleppenden Gitarren geben das ihrige dazu. Zwar steigt ein Gitarrensolo aus der dunklen Ebene, aber alles fällt in Traurigkeit zurück. Hintergründige Growls kratzen an psychedelischen Tastentönen. Nichts kann dieses pechschwarze Stück aufhellen. Eine Komposition, dafür geschaffen das Genre bis zum Bodensatz auszuloten.

Nichts würde mehr passen als dieses Album auf schwarzes Vinyl zu pressen. Doch noch traut sich wohl keiner, denn Evil Mystery ist alles andere als Mainstream. So bleibt Europa nur das Streamen oder die CD als Variante. Die Amerikaner können sich ganz old-style auch noch eine Tapeversion via Miserable Records zulegen.


Fazit
Lord Of Confusion
lassen ein Monster mit psychedelischen Anklängen und tieftraurigen Funeral Doom Ambitionen auf uns los. Der Wechsel zwischen klagendem weiblichen Gesang und tödlichen Growls ist gelungen und verdichtet blutroten Horror mit schwarzen Emotionen. Sicher ist Evil Mystery nicht jedermanns Sache, aber konsequent und gelungen. 8 / 10

Line Up
Carlota Sousa – Gesang, Keyboards
Danilo Sousa – Gitarre
João Fonseca – Gesang, Bass
Nelson Figueiredo – Schlagzeug

Tracklist
01. Land Of Mystery
02. Howling Void
03. Interlúdio
04. Evil Blood
05. Witchfinder
06. Hell

Links
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Instagram Lord of Confusion 
Bandcamp Lord of Confusion 


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