Karner – Nachgefragt bei Mireigl – Interview

Die Black Metaler von Karner treiben schon länger ihr Unwesen weit über die heimatlichen Grenzen Kärntens hinaus. Mireigl nahm sich Zeit für ein Interview anlässlich des Live Auftrittes in Wiener Neustadt beim Metal Inferno vom 10.09.2022.


Foto Credit: Meryem – Atelophobia Arts

Adriana (Soundmagnet.eu): Für diejenigen Leser, die euch noch nicht kennen – stell euch doch mal kurz vor und erzähle, was ihr so macht.
Mireigl (Karner): Servus! Kurz und bündig: Wir sind Karner aus Kärnten. Wir haben uns 2015 zu einer Band formiert und machen Black Metal in Mundart. Karner ist ein ebensolcher Begriff, kommt aus dem Südalpenraum und bedeutet „Beinhaus“ bzw. „Knochenhaus“.

Etwas weiter gegriffen fängt unsere Geschichte jedoch etwas früher an, da wir uns mehr oder weniger schon seit einer halben Ewigkeit kennen. Wir sind seit Jahren, eigentlich schon Jahrzehnten, in der Kärntner Brauchtumsszene umtriebig, in welcher wir mit diversen Krampus- und Perchtengruppen aktiv sind. Das gemeinsame Interesse an (extremer) Metal Musik hat uns letztendlich dazu bewogen, Karner zu gründen.

Der Tod ist für uns Quelle unendlicher künstlerischer Inspiration

Unsere Einflüsse sind weitreichend, im Mittelpunkt von allem steht jedoch der Tod, der nicht immer im klassischen Sinne das Lebensende markiert, sondern auch als Symbol für Transformation, Weiterentwicklung und Neubeginn steht. Ob Erschaffer, Zerstörer oder transzendentales Konstrukt: Der Tod ist für uns Quelle unendlicher künstlerischer Inspiration. Bis dato haben wir ein Demo sowie unser Debütalbum veröffentlicht, auf welchen man sich scheuklappenfreien, tellerrandlosen und zeitgleich auch traditionsbewussten Black Metal mit Texten im Kärntner Dialekt zu Gemüte führen kann.

Adriana: An dieser Stelle Gratulation zu eurem ersten Album Untam Liacht tota Stern. Gelinde gesagt ist es ja eher unüblich in dem Genre mit Texten in Mundart aufzufahren. Wie seid ihr da darauf gekommen?
Mireigl: Danke. Die Frage wurde uns schon mehrmals gestellt was uns zeigt, dass es der Musik ein gewisses Alleinstellungsmerkmal verleiht (wobei es natürlich schon mehrere Bands gibt, die diesen Ansatz verfolgen) und zum Teil auch unsere Brauchtumswurzeln durchscheinen lässt. Bei der Antwort muss ich etwas ausholen: Einerseits ist es sicher die erdige und harsche Klangfarbe unseres Dialektes, welche einfach gut zum klassischen Charakter von Black Metal Musik passt. Mundart ist unser natürlichstes Ausdrucksmittel (zumindest in unserer Region) und steht für Authentizität, welche ja auch immer wieder in der Kunst und vor allem im Black Metal gefordert wird. Andererseits hat der Dialekt etwas Auflehnendes und rebellisches, ja vielleicht sogar etwas trotziges, was wiederum auch Rock`n Roll bzw. Metal Musik verkörpert.

Außerdem ergibt sich eine gewisse Vertrautheit beim Hören der Texte, ein natürlicher Fluss, welcher oft bei englischen Texten, sofern diese holprig bzw. nicht muttersprachlich vorgetragen werden, meiner Ansicht nach fehlt. Daraus resultiert wahrscheinlich auch der größte Nachteil: Die Reichweite der Verständlichkeit ist dementsprechend begrenzt. Wobei diese sprachliche Barriere keinen österreichischen oder deutschen Black Metal Fan davon abhalten würde, eine Band aus Norwegen zu hören – da spielt ja auch noch die Qualität und der atmosphärische Aspekt der Musik eine tragende Rolle.

Vom Perchtenschnitzen und Black Metal

Adriana: Das Album habt ihr über Dominance Darkness Records veröffentlicht. Könnt ihr uns etwas über das Label erzählen und wie ihr zu der Ehre gekommen seid?
Mireigl: Der Kontakt hat sich eher zufällig ergeben, da unserer Gitarrist S.P. hauptberuflich als Krampus- und Perchtenmaskenschnitzer tätig ist und sich daraus Bekanntschaften zur bayrischen Brauchtumsszene entwickelt haben, welche uns dann über Umwegen auch zu Dominance of Darkness geführt haben. DoD hat uns geholfen, unser Debütalbum in unseren Wunschformaten (Vinyl, CD und Kassette) herzustellen und zu veröffentlichen. Weiters konnten wir über das Label wertvolle Kontakte, beispielsweise auch zu Black Metal Promotion, herstellen.

Adriana: Nicht nur in Wiener Neustadt, sondern auch sonst spielt ihr größtenteils relativ weit entfernt von eurer Heimat. Ist das beabsichtigt, dass ihr öfter in Deutschland unterwegs seid als im Süden von Österreich?
Mireigl: Wie oben schon erwähnt, haben wir durch unseren Gitarristen einen guten Draht zur bayrischen Brauchtums- und Black Metal Szene. Daraus hat sich eine relativ enge Freundschaft zur Band Drudensang ergeben, welche in ihrer Musik die alpine Perchten- und Krampustradition mit Black Metal verbindet. Sofern es sich ausgeht, übernehmen wir die Krampusshows während den Konzerten von Drudensang, wobei sich dann meistens auch eine Auftrittsmöglichkeit für Karner ergibt. Diese Konzerte finden hauptsächlich in Deutschland statt.

(…) ziehe meinen Hut vor jedem, der Arbeit, Herzblut und Geld in das Organisieren von Metalkonzerten steckt um die Szene weiter am Leben zu erhalten.

Adriana: Wie würdet ihr die Metal Szene in Kärnten allgemein beschreiben? Gibt es sowas wie eine aktive Szene, die auf Veranstaltungen warten würde?
Mireigl: Derzeit finden leider nur sehr wenige Veranstaltungen im Metalbereich in Kärnten statt. Die aus meiner Sicht relativ kleine Szene weicht auf Konzerte unserer inländischen Nachbarn sowie nach Slowenien aus. Die Unsicherheit und die lange Pause während der Coronapandemie hat die Situation nicht gerade verbessert. Natürlich wären mehr regionale Konzerte mit einheimischen und vielleicht auch kleineren internationalen Bands zu begrüßen, ich verstehe aber auch die Veranstalter, die mit immer höheren Kosten, Unsicherheiten und vielleicht auch mit einer gewissen Konzertfaulheit zu kämpfen haben. Ich möchte hier jedoch niemanden an den Pranger stellen und ziehe meinen Hut vor jedem, der Arbeit, Herzblut und Geld in das Organisieren von Metalkonzerten steckt um die Szene weiter am Leben zu erhalten.

Adriana: Das Album ist ja jetzt schon eine Weile draußen. Davon abgesehen, dass ich es wirklich gut gelungen finde – was für Rückmeldungen bekommt ihr so im Allgemeinen?
Mireigl: Danke dir. Die Rückmeldungen waren bis jetzt alle durchwegs positiv, sei es von einzelnen Personen oder von diversen Magazinen – da können wir uns nicht beklagen. In erster Linie ist es unser kollektives Verständnis von guter Musik, welche bestimmte Stimmungen transportiert sowie Emotionen in uns auslöst. Es ist immer schön zu sehen, wenn sich auch abseits vom Erschaffer, Personen mit dem Werk identifizieren können bzw. den ein oder anderen Gänsehautmoment darauf finden.

Adriana: Habt ihr schon einen ungefähren Zeitplan, wann wir mit einem Nachfolger rechnen können?
Mireigl: Neues Material entsteht eigentlich am laufenden Band. Wir treffen uns auch einmal pro Woche im Proberaum, wo wir neue Ideen ausarbeiten und diskutieren, Konzepte für Musik bzw. Videos erarbeiten und Live-Auftritte planen. Derzeit gibt es noch keinen fixen Zeitplan für künftige Veröffentlichungen. Wir haben jedoch, bevor das nächste Full-Length Album erscheinen soll, eine EP bzw. eine eventuelle Split-CD eingeplant. Nähere Infos dazu finden sich zeitnah auf unserer FB Seite.

Das Konzept für unsere Live-Auftritte hat sich im Laufe der Zeit immer mehr geformt

Adriana: Nochmal zu eurem Konzert am Metal Inferno – ihr arbeitet auf mit diversen Lichtquellen, um eine düstere Stimmung zu erzeugen. Mit euren Bühnenoutfits sieht das ganze sehr stimmig aus, als ob ein von vorne bis hinten durchdachtes Konzept dahintersteckt. Wie viel Arbeit und Hirnschmalz ist da letztlich hineingeflossen um das so hinzubekommen?
Mireigl: Das Konzept für unsere Live-Auftritte hat sich im Laufe der Zeit immer mehr geformt und war nicht von Anfang an in Stein gemeißelt. Es ist auch weiterhin ein laufender Prozess, da wir immer wieder neue Ideen, das Ganze noch stimmungsvoller und „musikgetreuer“ zu gestalten, haben. Leider lässt sich manches nicht in jeder Location umsetzen, da uns hier und da die Brandschutzvorschriften einen Strich durch die Rechnung machen.

Adriana: Noch eine abschließende Frage – ihr seid auf einer Insel und du darfst nur ein Album mitnehmen. Welches wäre das?
Mireigl: Dargaard – Eternity Rites

Adriana: Vielen Dank für deine Zeit. Die abschließenden Worte überlasse ich dir.
Mireigl: Danke für die Zeit und dein ehrliches Interesse an Karner. Was soll ich sagen… unterstützt die österreichische Szene, geht zu Konzerten und kauft euer Merch direkt bei den Bands. Wir sind auch immer für Live-Auftritte offen, dazu könnt ihr uns gerne jederzeit kontaktieren.


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