Kid Kapichi – Here’s What You Could Have Won – Album Review

Kid Kapichi – Here’s What You Could Have Won
Herkunft:
Hastings / UK
Release:
23.09.2022
Label: Spinefarm Records
Dauer:
35:03
Genre:
Alternative Rock


Foto Credit: Chris Georghiou

Kid Kapichi sind eigentlich nicht meine Mucke. Doch Here’s What You Could Have Won ist so geil ausgefallen, dass ich nicht anders kann als hier und jetzt ein paar Worte über das zweite Album der Band zu verlieren.

Angefangen hat alles vor nicht mal zehn Jahren als die beiden Sänger und Gitarristen Jack Wilson und Ben Beetham anfingen Musik zu machen. Da war es nur eine Frage der Zeit den Bass und das Schlagzeug mit ihren Schulfreunden Eddie Lewis und George MacDonald zu besetzen. Kid Kapichi waren vom Anfang an fleißig, steckten privates zurück. Es folgten drei EPs und ein stetig wachsender Bekanntheitsgrad.

Das Debüt This Time Next Year wurde letztes Jahr in Eigenregie produziert und veröffentlicht. Schlussendlich wurde die Band bei den Heavy Music Awards 2022 als Best UK Breakthrough Artist nominiert und eröffnete dieses Jahre für Liam Gallagher in der Londoner Royal Albert Hall. Nach diesem Ritterschlag gab es als Kirsche auf das Sahnetörtchen noch einen Vertrag mit Spinefarm Records oben drauf.

Frisches von der Insel

Nach all dem Vorschusslorbeeren wird es Zeit sich um die Musik und Inhalte zu kümmern. Kid Kapichi spielen groovenden Alternative Rock. Doch dieser klingt nicht so abgelutscht wie bei vielen anderen Bands, sondern frisch, ehrlich und direkt auf die Fünf gespielt. Der Vierer lässt geschickt Einflüsse von Dark Wave und New Metal in den Sound einfließen. Eine weitere britische Facette bringt der Gesang ins Spiel. Melodiöser Sprechgesang trifft auf angepisste Vocals, die auch im Punk ihren Ursprung haben könnten. Für die moderne Produktion ist Dominic Craik von der Band Nothing but Thieves verantwortlich.

Doch nicht nur die Musik und der frische Sound machen die Band interessant. Die Themen in ihren Songs sind schon fast tagesaktuell und behandeln den Brexit, kleinbürgerliches Denken und Hass auf andere. Gitarrist und Sänger Ben Beetham erklärt, dass Here’s What You Could Have Won kein Konzeptalbum über Probleme ist, aber die Band versucht die aktuellen Ereignisse so zeitnah wie möglich abzubilden.

Es lohnt sich schon beim Auftakt genau hinzuhören, denn viele Themen und besungenen Denkweisen kommen einem auch als Festlandeuropäer sehr vertraut vor. Der Opener New England ist schon mehr als eine Meinungsäußerung zur Haltung der Briten. Es ist ein politisches Statement und dieses wird in Kooperation mit Bob Vylan HIER zum Besten gegeben.

Mit Geldsorgen durch den Supermarkt

Die elf Songs sind alle durch ihre Kürze und Eingängigkeit radiotauglich. Oft wird bei Reviews der Vorzug angepriesen, dass ein Album wie aus einem Guss klingt. Doch Kid Kapichi setzen nicht auf Gleichförmigkeit. Mal kommen sie beschwingt und trotzdem angepisst, wie HIER beim besungenen Supermarktraub in Rob the Supermarket daher. Bei Party at No. 10 hört man ein gewisses Oasis Feeling heraus. Gleich darauf grooved es bei Cops & Robbers gewaltig, weil es nur aus Rhythmus, Riff und Gesangslinie zu bestehen scheint.

Nach einem symphytischen Tar Pit erklingt der für mich beste Song des Albums. Mit Never Really Had You lassen die Jungs mal die Faust in der Tasche stecken und ziehen eine gefühlvolle Ballade aus dem Ärmel. Alles an diesem Song stimmt und schreit nach einer Singleauskopplung. Doch bisher hat man sich eher für das raue Zeug entschieden. Deshalb geht die Achterbahnfahrt weiter. Läuft Smash the Gaff anfangs in Richtung Muse, so entwickelt sich ein richtig harter und treibender Song.

Doch das Album endet nicht mit einem Knall, sondern eher melancholisch mit Special. Die herrschende Einöde, Tristes und auch Motivationslosigkeit während der Corona Zeit wird bildhaft und nachvollziehbar beschrieben. Der Song steigert sich von nachdenklich und bedrückend in ein wahrhaft emotionales Finale.


Fazit
Kid Kapichi
geben uns auf ihrem zweiten Album ein musikalisches und inhaltliches brennendes Update von der Insel. Here’s What You Could Have Won gibt einem das Gefühl nach langer Zeit in meinem miefigen Zimmer das Fenster aufzumachen und frischen, kühlen Wind im Gesicht zu spüren. Rockige 9 / 10

Line Up
Eddie Lewis – Bass
Jack Wilson – Geang, Gitarre
Ben Beetham – Gitarre, Gesang
George Macdonald – Schlagzeug

Tracklist
01. New England ft. Bob Vylan
02. Rob the Supermarket
03. 5 Days On (2 Days Off)
04. I.N.V.U.
05. Super Soaker
06. Party at No.10
07. Cops & Robbers
08. Tar Pit
09. Never Really Had You
10. Smash the Gaff
11. Special

Links
Facebook Kid Kapichi
Instagram Kid Kapichi
Webseite Kid Kapichi 


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