Heretic – Nachgefragt bei Guilherme Aguiar – Interview

Mit ihrem Album Feast haben das multinationale Projekt Heretic eine musikalische Weltreise unternommen. Ich hatte die Gelegenheit, dem Multiinstrumentalisten und Haupt Songwriter des Projektes, Guilherme Aguiar, ein paar Fragen zu stellen.

You can find the original interview in english HERE


Ingo (Soundmagnet.eu): Hallo Guilherme, und vielen Dank für deine wertvolle Zeit, mir ein paar Fragen zu beantworten. Verrate mir und unseren Lesern doch bitte, wie ihr zusammengekommen seid. 
Guilherme (Heretic): Nun, Heretic hat 2010 als instrumentales Trio angefangen. Wir haben in dieser Besetzung drei Alben aufgenommen und als wir das vierte schrieben, erreichte uns auf Youtube die Nachricht eines Typen namens Erich Martins. Er fragte uns, ob er für einen Song zu uns stoßen dürfte. Er wollte seinen Gesang an unserer Musik ausprobieren.

Ingo: Was war der Ausgangspunkt eurer gemeinsamen Arbeit?
Guilherme: Wir schrieben den Song Trial of Sins, und er nahm den Gesang dafür auf. Das Ergebnis hat uns wirklich verblüfft, deswegen schrieben wir noch mehr Songs mit seinem Gesang. So kam 2017 das Album To The False zustande. Übrigens ist Erich ebenfalls Brasilianer, und stammt aus der gleichen Stadt wie wir! Aber wir sind uns vorher nie begegnet!

Arbeit unter Hochdruck

Ingo: Feast ist wirklich beeindruckend! Magst du uns mehr über die Hintergrundgeschichte und die Produktion verraten? 
Guilherme: Danke schön! Erich lebt seit einigen Jahren in Portugal, und der Rest von uns in Brasilien. Daher entschied er 2019 uns zu besuchen, mit der Absicht ein Live Album aufzunehmen und Gesangstracks zu einigen Demos, die wir damals hatten. Innerhalb von zwei Monaten haben wir wirklich viel geschafft! Wir haben nahezu 24 Stunden pro Tag mit Heretic gearbeitet, und hatten am Ende das Live Album Code Alive sowie Gesangparts zu 18 Demosongs aufgenommen. Aus 10 Songs ist Feast entstanden, die anderen halten wir für das nächste Album in 2022 zurück!

Ingo: Gab es eine Vision beim Schaffungsprozess?
Guilherme: Natürlich wurden die Songs nach seiner Rückkehr nach Portugal noch verfeinert und technische Änderungen wurden gemacht, aber die Saat wurde hier gepflanzt. Die Vision bestand darin uns von den anderen Alben zu unterscheiden. Daher ist jedes Album anders als das andere. So war es immer. Die Leute sagen, Feast sei unser reifestes Album. So sei es!

“Dabei zuzusehen, wie Menschen überall sterben brachte uns das Gefühl des Verlustes, der Dunkelheit und der Traurigkeit”

Ingo: Gab es ein textliches Konzept zu Feast? Vielleicht sogar eines, welches den multikulturellen Hintergrund der Musik widerspiegelt?
Guilherme: Ich denke, es handelt von Traurigkeit. Wir haben gerade so vor der Pandemie den Gesang aufgenommen, und dabei zuzusehen, wie Menschen überall sterben brachte uns das Gefühl des Verlustes, der Dunkelheit und der Traurigkeit. Der gesamte Prozess des Verfeinern und des Abmischens geschah während des Wahnsinns der Pandemie, so brachte sie direkt musikalisch und lyrisch ihres Einflüsse auf das Album.

Ingo: Welche Bands haben euch am meisten auf Feast beeinflusst?
Guilherme: Ich erinnere mich, während des Schreibens viel YOB und andere Stoner / Doom Band gehört zu haben. Und natürlich haben Ravi Shankar, DIO und Melechesh immer großen Einfluss auf uns.

Wer bei Heretic das Songschreiben übernimmt

Ingo: Habt ihr die Songs zusammen geschrieben oder gab es einen Hauptsongwriter?
Guilherme: Die textlichen Sachen wurden von Erich und seinem Bruder David Martins geschrieben. Die musikalische und instrumentalen Teile stammen von mir. Ich komme immer mit einem Demo und zeige den Jungs den Geist des Songs. Erich erfasst ihn und bringt ein paar Tage später die Melodien dazu. Nach all den Alben ist eine schöne Chemie untereinander entstanden.

Ingo: Wie groß war der Einfluss der Pandemie auf den Erschaffungsprozess von Feast? Wurde er in irgendeiner Hinsicht durch die Situation eingeschränkt?
Guilherme: Er wurde in keinerlei Hinsicht eingeschränkt! Wir haben schon so bei den vorherigen Alben gearbeitet. Musikalisch und lyrisch wurden wir sicherlich beeinflusst, in technischer Hinsicht haben die Skype Meetings immer geholfen die Musik zu schreiben. Ich vermute mal, die gesamte Musikindustrie kann in diesen dunklen Zeiten dem Internet dankbar sein. Nahezu alles kann online gemacht werden.

Über Artwork und Livepläne

Ingo: Verrate mir doch bitte etwas über das Cover Artwork. Wer hatte die Idee dazu?
Guilherme: Ich kam mit der Idee ein unschuldiges Kind auf das Cover zu bringen. Gleichzeitig sollte das Kind aber auch dämonisch und teuflisch sein. Diese Idee wurde direkt von dem Meisterwerk Blase – Stay With Me beeinflusst.

Ingo: Wer hat es erstellt?
Guilherme: Romulo Dias arbeitet mit uns seit 2018 und entwickelte die Idee und dieses dunkle, sadistische und teuflische Artwork. Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Er ist wirklich ein toller Typ und arbeitet sehr professionell!

Ingo: Werdet ihr in Zukunft wieder zusammen live spielen? Habt ihr Pläne für eine Tour?
Guilherme: Wir waren für eine Tour in Europa im Juli 2020 gebucht, allerdings müssen wir wegen der Pandemie noch ein bisschen waren. Ich hoffe, dass 2022 wieder alles zur Normalität zurückkehrt, so dass wir nach Europa kommen und zeigen können, was wir so haben.

Ingo: Reist ihr gerne? 
Guilherme: Definitiv ja! Wir lieben es andere Kulturen zu erleben und unterschiedliche Menschen aus der ganzen Welt zu treffen! Am Anfang war Heretic ein instrumentales Trio ähnlich wie Death. 

Kontakt zur internationalen Kultur

Ingo: Welches Land und seine Kultur hat euch am meisten hinsichtlich des Songwriting beeinflusst?
Guilherme: Was uns den originalen Charakter gab war der Umstand, dass ich ein paar Jahre in Griechenland lebte. Ich hatte Kontakt zur lokalen Kultur, zu den Instrumenten und habe viele Musiker aus Israel getroffen, die mir ihre Musik gezeigt haben. Das brachte mir den Optimismus und die Entscheidung diese Einflüsse in Heretic einfließen zu lassen. Die Verbindung von Heavy Metal, orientalischer Musik und in Brasilien zu leben ist eine schwierige Aufgabe der ich mich gestellt habe, zum Besten denke ich!

Ingo: Die Schlussworte an unsere deutschsprachige Leserschaft gehören dir!
Guilherme: Hey Leute aus Österreich und Deutschland! Ich spreche ein bisschen Deutsch, aber es ist kaputt und gebraucht! Ich habe niemanden hier, der mit mir Deutsch spricht! Haha! Entschuldigung! Wir lieben Miasma und wir lieben euch alle! Bis bald!


Außerdem auf Soundmagnet.eu
Album Review – Heretic – Feast
Interview – Existent, Nachgefragt bei Marcel Dummer
Empfehlung der Redaktion – Dunbarrow – Proto Doom aus Norwegen

Cooler Artikel? Diskutiere mit auf Facebook!
[Total: 1 Average: 5]
Teile diesen Inhalt mit anderen