Helion Prime – Question Everything – Album Review

Helion Prime – Question Everything
Herkunft:
Kalifornien / USA
Release: 05.10.2020
Label:
Saibot Reigns
Dauer:
56:12
Genre:
Heavy Metal / Melodic Power Metal


Foto Credit: Casey Frederick

Sollten den Sience-Fiction-Nerds beim Bandnamen im Hinterstübchen die Gedächtnis-Alarmglocken Meldung machen…richtig, der Name Helion Prime wurde von den 2014 in Sacramento gegründeten Power Metallern dem Si-Fi-Kultsteifen Riddick – Chroniken eines Kriegers entnommen. Entsprechend spacig waren die Themen der bisher zwei veröffentlichten Scheiben.

Das Debüt Helion Prime erblickte 2016 das Licht der Welt und mit Terror of the Cybernetic Space Monster versuchten sie 2018, die Erde untertan zu machen. Während die Band auf dem Erstwerk mit Heather Michele noch auf Frauenpower am Mikrofon setzte, sorgte beim Nachfolger mit dem aktuellen Harmonize Sänger Sozos Michael ein waschechter Power Metal Shouter für den Gesang.

Für Question Everything hat die Band aus dem Sunshine-State jetzt alle Ressourcen gebündelt. Heather Michele ist für das Konzept der aktuellen Scheibe verantwortlich und steuerte alle Texte und die Melodien bei, während neben dem Gastsänger John Yelland auch Sozos Michael wieder seine Stimme zur Unterstützung der neuen Frontfrau Mary Zimmer zur Verfügung stellt. Entstanden ist dabei ein Konzeptalbum, bei dem jedes Lied einer Person gewidmet ist, die den Mut hatte, entgegen aller ihr entgegentretenden Widerstände Außergewöhnliches zu leisten. Ihre Ideen fanden oft erst nach ihrem Tod Bestätigung und sollten uns ermutigen, über den Tellerrand zu schauen.

Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens

Der Opener The Final Theory gibt sich entsprechend pathetisch beim Auftakt zu dieser musikalischen Reise. Treibender Power Metal europäischer Prägung mit vielen Tempowechseln, pfeilschnellen Gitarrenleads und Keyboards, die dem Ganzen eine zusätzliche Dramatik verleihen, werden mir hier auf den Hörnerv gedrückt. Natürlich muss ich beim Gesang unweigerlich auch an die letzten Werke von Nightwish denken, wenn ich Songs wie Madame Mercury oder Prof  höre, obwohl Helion Prime im Grunde weniger symphonisch agieren als die finnischen Megaseller. Das verdanken sie zum größten Teil der wirklich guten Gitarrenarbeit des Gespanns Ashcraft/Anderson. Das brandneue Lyric Video zu Madame Mercury, das du HIER findest, ist der US Mathematikerin Katherine Johnson gewidmet. Die Ikone der amerikanischen Raumfahrt verstarb Anfang des Jahres mit 101 Jahren.

Der akustische Start von The Gadfly läßt einem erstmal Zeit zum Durchatmen, bevor das Tempo immer weiter angezogen wird und zum epischen Power Track mutiert. Neuzugang Mary Zimmer veredelt das Ganze mit ihrem variablen Gesang, der sowohl gefühlvoll als auch energisch für Spannung sorgt. Das Video zum Song findest du HIER. Photo 51 ist wieder ein Uptempo Song, bei dem die reichlich eingesetzten Synthesizer der Nummer einen dezenten Symphonic Metal Anstrich verpassen. Dafür knüppelt der nächste Song umso vehementer mit treibenden Double Bass Rhythmen und deftigen Growls aus den Boxen, die einem die Titelzeile E Pur Si Muove entgegenschleudern. Words of The Abbot setzt die Direktive nahtlos fort – mit dem Unterschied, dass John Yelland von den Power Metal Kollegen Judicator den männlichen Gegenpart als Gastsänger zu Mary Zimmers Vocals gibt.

Der Mut, das Bestehende zu hinterfragen

The Forbidden Zone erzählt als einziger Song von einer fiktiven Person und wurde vom Film Planet der Affen inspiriert. Musikalisch werden die symphonischen Anteile entsprechend hochgeschraubt, was mich wiederum an Bands wie Within Temptation denken lässt. Beim Titeltrack Question Everything greifen Ex Sängerin Heather Michele und ihr Nachfolger Sozos Michael zur Unterstützung ins Geschehen ein. Für den oppulent arrangierten Uptempo Flitzer wird das Tempo deutlich angezogen und die Gitarristen hauen einige feine Läufe aus ihren Klampfen. Mit etwas leiseren Tönen startet Reawakening, das zur Abwechslung wirklich gut tut. Zwar nimmt der Song im weiteren Verlauf wieder an Fahrt auf, aber auch hier zeigt Mary Zimmer wieder eine klasse Leistung mit ihrem variablen Gesang. Das Misfits Cover Kong at the Gates zeigt eine weitere, punkigere Facette der Sängerin, die dem Klassiker neues Leben einhaucht.


Fazit
Helion Prime haben sich auf ihrem dritten Album vom geradlinigen Power Metal mit Science-Fiction-Lyrics der Vorgängeralben ein ganzes Stück in Richtung Symphonic Metal entwickelt. Textlich gibt sich die Band auf Question Everything erwachsener. Handwerklich kann man der Band nichts vorwerfen, der Neuzugang Mary Zimmer singt sich ohne Tadel durch das Repertoire der Kalifornier, die Produktion ist ebenfalls ordentlich. Trotzdem rauschen die elf Songs zum größten Teil an mir vorbei, ohne sich im Gedächtnis festsetzen zu können. Da fehlt mir einfach das gewisse Etwas, um sich von der Masse ähnlich gelagerter Bands abzuheben, was für mich dann eine Wertung von 7 / 10 ergibt.


Line Up
Mary Zimmer – Gesang
Jason Ashcraft – Rhythmus Gitarre
Chad Anderson – Lead Gitarre
Jeremy Steinhouse – Bass
Alex Bosson – Schlagzeug

Tracklist
01. The Final Theory
02. Madame Mercury
03. Prof
04. The Gadfly
05. Photo 51
06. E Pur Si Muove
07. Words of The Abbot – ft. Gastgesang John Yelland (Judicator, Dire Peril)
08. The Forbidden Zone
09. Question Everything – ft. Heather Michele (ex-Graveshadow, ex-Helion Prime) and Sozos Michael (ex-Helion Prime, Planeswalker, Harmonize)
10. Reawakening
11. Kong at the Gates (Misfits Cover)

Links
Facebook Helion Prime
Webseite Helion Prime


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