CARTHIEFSCHOOL – Nachgefragt bei Tomoya Murosaki – Interview

Mit ihrem selbstbetiteltem Mathrock Debüt Album haben CARTHIEFSCHOOL aus dem fernen Japan einen hervorragenden Einstand abgegeben. Ich hatte die Gelegenheit, dem Sänger und Gitarristen, Tomoya Murosaki, ein paar Fragen zu stellen.

You can find the original interview in english HERE


Ingo (Soundmagnet.eu): Hallo erst einmal, wie geht es euch? Seid ihr bislang gut durch die aktuelle, besonders für Musiker schwierige Situation gekommen? Wie groß waren für euch in Japan die Einschränkungen während der Produktion des Albums?
Tomoya Murosaki (CARTHIEFSCHOOL): Du kannst dir sicher denken, dass die Situation sehr schwierig für uns war. Seit der Fertigstellung des Albums im letzten Frühjahr hatten wir keine Möglichkeit live zu spielen. Da wir momentan auch nichts anderes vor haben, gingen wir ins Studio und haben weitere Songs für die nächste Veröffentlichung aufgenommen.

Wie CARTHIEFSCHOOL entstanden sind

Ingo: Verrate doch bitte mir und unseren Lesern Details über die Geschichte von CARTHIEFSCHOOL. Wie seid ihr zusammengekommen, wo habt ihr euch getroffen, und was war ursprüngliche Vision darin genau diese Art von Musik zu machen?
Tomoya: Ursprünglich haben wir alle in verschiedenen Bands gespielt. Ich als Vokalist habe den Schlagzeuger Udai eingeladen und dann haben wir Genki, den Bassissten gefunden. Der Respekt vor Einzigartigkeit verbindet uns drei miteinander. Wir fordern uns gegenseitig auf diese Art und Weise heraus. Möglicherweise existiert aus diesem Grund keine zu uns ähnliche Musik.

Ingo: Wer sind deiner Meinung nach eure Haupteinflüsse?
Tomoya: Wir alle mögen die Band 54-71. Wir mögen auch andere, ältere Bands aus Sapporo. Weil sie alle einzigartig sind. Bei uns in Sapporo haben viele Bands diesen Anspruch. Für jeden ist es wichtig, seinen eigenen Sound zu haben.

Ingo: Du kannst dir sicher vorstellen, dass wir hier in Europa teilweise unsere Schwierigkeiten haben, eure japanischen Texte zu verstehen. Magst du uns verraten, wovon sie handeln?
Tomoya: Die Texte handeln davon, was ich mein ganzes Leben lang über gefühlt habe. Besonders mag ich konkrete Ausdrücke. Ich nutze bewusst Wörter und Ausdrücke, die viele Musiker in der Form nicht nutzen würden. Zudem gibt es einige Einflüsse aus japanischer Literatur. Viele Songs haben dunkle Melodien, aber die Texte sind nicht derart negativ.

Eine sehr heimatverbundene Band

Ingo: Das Artwork eures Albums ist großartig, ich kann mir vorstellen, dass ihr sehr stolz darauf seid. Kannst du uns etwas über die Hintergrundgeschichte zum Album Artwork verraten?
Tomoya: Wir sind mit einer anderen Band aus Sapporo namens The Hatch befreundet. Der Sänger von The Hatch, Midori Yamada, hat mich dem Künstler vorgestellt. Ich mag Ölgemälde und war geschockt, als ich seine Malereien bei Instagram sah.

Ingo: Ihr seid sehr aktiv in eurer lokalen Musikszene. Habt ihr konkrete Pläne eure Musik live auf internationalen Gigs oder Festivals zu präsentieren?
Tomoya: Ja. Wir haben einige Songs für die nächste Veröffentlichung parat. Zudem arbeiten wir bereits an Songs für eine Veröffentlichung nach dieser. Ich würde gerne ins Ausland gehen, sobald sich diese furchtbare Situation gelegt hat. Neuerdings interessiert mich die Musikszene aus dem Süden Londons, dort gibt es viele tolle Bands. Wir würde sehr gerne dort spielen.

Ingo: Kannst du uns einige Hintergrundinformationen zum Aufnahmeprozess des Album mitteilen?
Tomoya: Die Songs für das erste Album wurden tatsäcchlich vor ein paar Jahren geschrieben. Einige wurden geschrieben gerade als ich die Band gegründet hatte. Daher können sich die Eindrücke für das nächste Album ändern. Die Aufnahme selbst wurde in einer Örtlichkeit in Sapporo namens Sound Crue gemacht, nicht im Studio. Es ist eine tolle Live Location. Da alle Songs schon für lange Zeit gespielt wurden, gelang es reibungslos.

Ingo: Was meinst du, ist an eurem Album so besonders? Gibt es einen Grund, warum ihr es nach eurer Band benannt habt?
Tomoya: Es ist eine lange Zeit vergangen, seit wir angefangen haben, aber ein paar Jahre klang wollte ich gar kein Album aufnehmen. Weil ich einfach nicht das Gefühl hatte, dass wir Songs haben, die es wert waren gehört zu werden. Wie auch immer, alle Songs auf dem Album erfüllen meine Standards, es ist schon verrückt. Wir hatten es immer geplant, unser erstes Album nach uns zu benennen.

Blicke zurück und nach vorne

Ingo: Die Metalszene in Japan ist hier in Europa recht unbekannt. Wie würdest du eure lokale Szene beschreiben?
Tomoya: Vielleicht haben sie ähnliche Ideen wie ich. Sie sind verquer und hassen es, gleichförmig zu sein. Es wird nicht so sehr auf die Technik beim Ausdruck der Musik geachtet. Wir denken ebenso, dass diese Verrücktheit, Coolness und Sauberkeit  sowie das Tanzen wichtig sind.

Ingo: Gibt es sehr positive Momente, die dir von der Produktion des Albums in Erinnerung geblieben sind? Oder auch erwähnenswerte negative Momente?
Tomoya: Es war großartig, als wie das Bild für die Plattenhülle festlegten. Ich habe es immer noch als Hintergrund auf meinem iPhone. Und der Umstand, der mich am meisten freut ist dass wir das Album auf dem gleichen Label wie 54-71 veröffentlichen, die Band die ich am meisten verehre.

Ingo: Möchtest du unseren Leser ein paar Schlussworte widmen?
Tomoya: Ich hoffe, dass sie nach Japan kommen können, sobald sich die Situation ändert. Und wir möchten sehr gerne nach Europa kommen und dort spielen. Wir werden sehr bald neue Musik veröffentlichen, vielleicht schon in diesem Jahr.


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