Candlemass – Green Valley Live – Album / DVD Review

Candlemass – Green Valley Live
Herkunft:
Schweden
Release:
07.05.2021
Label: Peaceville Records / Edel
Dauer:
69:38
Genre:
Epic Doom Metal


Candlemass und ihr Schaffen braucht man niemandem vorstellen, denn Sie sind seit 1984, von einigen temporären Auszeiten abgesehen, eine feste Größe oder DIE feste Größe im epischen Doom Metal. Deshalb klemme ich mir hier weitere, überflüssige Worte über die alten Haudegen und konzentriere mich voll auf den Inhalt.

Auch alte Hasen werden ab und zu gezwungen Neuland zu betreten. In diesem Fall war es das erste coronabedingte Live-Streaming-Event, was am 03.07.2020 online ging.

Sicher ist es nicht nur für die Musiker ungewohnt, im Proberaum von Kameramännern beobachtet, einen Set runterzuspielen. Nein, auch die Fans am Bildschirm sind Liveatmosphäre gewöhnt – das Gedränge, der Jubel, das Schreien, Mitsingen und Schwitzen. All das ist kaum durch ein Streamingauftritt zu vermitteln und so müssen sich die Künstler schon etwas einfallen lassen, um das Fanvakuum auszugleichen.

Die Atmosphäre

Da das Streaming-Event nun nach knapp einem Jahr nicht nur als akustisches Hörerlebnis, sondern auch als optisches Ereignis auf DVD nachvollzogen werden kann, geht es hier nicht nur um die Packung für die Ohren, sondern auch um den Augenschmaus.

Elf der zwölf Tracks wurden auf engstem Raum in einer schon fast intimen Runde aufgenommen.
Der Raum, gefüllt mit Verstärkern, Instrumenten und einer dezenten Leinwand im Hintergrund, wurde zusätzlich mit warmen, gedimmtem Licht, Nebel und jeder Menge vielarmiger Kerzenständer angereichert. Das Schlagzeug von Jan Lindh wurde, gleich einer Andachtsstätte, mit Blumensträußen verkleidet.

Auch die Kameraführung trägt ihren Teil zum gelungenen Feeling bei. Größtenteils wurde aus der Sichtweise eines dritten Mannes gefilmt. Mal blicken die Musiker in die Kamera, mal in die musizierende Runde, was dem heimischen Zuschauer das Gefühl eines gleichwertigen Teilnehmers gibt.

Ich habe Candlemass das letzte Mal live auf dem RockHard Festival 2017 gesehen und spüre sofort die Unterschiede des Streaming-Konzertes zu einem Live-Event. So nah und dicht dabei ist man vor einer Bühne einfach nicht dran. Durch den direkten Blick auf die agierenden Musiker, die nicht zu hektischen Schwenks in die Runde und auch den ungeschönten Blick in die Gesichter der gereiften Herren, ist man seinen Favoriten so nah wie sonst kaum. Hier ein kurzes Zwischenfazit zur Optik: klasse Umsetzung in passender Atmosphäre.

Auf allen Release Varianten ist auch der Soundcheck zum Event, das fast zehn minütige Demon’s Gate, enthalten. Als optische Trennung wurde es in schwarz-weiß und reiner Studioumgebung gefilmt.

Die Setlist unter der Lupe

Ein bisschen Statistik muss, wenn es um die Songauswahl geht, sein. Candlemass haben den Hauptanteil des Konzertes mit fünf Tracks dem 1986er Erstlingswerk Epicus Doomicus Metallicus gewidmet. Die darauf folgenden Alben Nightfall, Ancient Dreams und Tales of Creation wurden zusammen lediglich mit vier Songs bedacht.

Als einzige Überraschung befindet sich auch das relativ neue Astorolus – The Great Octopus, vom 2019er Album The Door To Doom, mit auf der Setliste und fügt sich nahtlos in die Reihe der Klassiker ein. Aufmerksame Leser der unten aufgeführten Trackliste werden den instrumentalen Doom Jam bemerkt haben. Im Livestream war er noch spärlich mit Nytt Riff = neues Riff bezeichnet worden. Das keyboardunterlegte Instrumental wirkt ruhig, ein wenig psychedelisch in seiner ausufernden Riffwiederholung und gibt uns vielleicht einen kleinen Ausblick auf die musikalischen Entwicklungen, die auf uns zu kommen.

Der Gesamteindruck…

… schwankt zwischen intimem Einblick mit viel Nähe zur Band und trotzdem fremden Momenten. Endet die Musik tritt gespenstische Stille ein. Kein Beifall, keine Audience, keine Ansagen. Dazwischen präsentiert sich Candlemass authentisch und professionell aufgelegt, mit einer Setlist die die Gründe ihres historischen Aufstiegs nachhaltig demonstriert.

Es ist müssig darüber zu debattieren, was man alles noch hätte spielen können oder müssen. Die Auswahl wird, subjektiv betrachtet, immer unvollständig bleiben. Das akustische Ergebnis dagegen gleicht einem schon immer gutem Whiskey, der nun, nach über 30 Jahren gereift, aus dem Fass geholt und neu verkostet wird.

Die beste Release-Variante

Jede Variante hat so seine Reize. Die beste audio-visuelle Kombination scheint die CD plus DVD Version zu sein. Das sehen Vinylfreaks natürlich anders und greifen zur Doppel-LP. Die kommt im Klappcover mit der Standardfarbe schwarz daher und ist nur exklusiv im Edel-Shop, farblich passend zum Cover, auch in der Variante grün erhältlich. Für alle, die praktisch veranlagt sind oder keinen Platz mehr im Schrank finden, gibt es das Release auch federleicht und unsichtbar in digitaler Form.


Fazit
Green Valley Live ist ein Rückblick auf die Klassiker und Wurzeln von Candlemass. Das Album hat den Charakter einer Neueinspielung – live, gereift und fesselnd. Ich muss nicht lang überlegen und vergebe eine uneingeschränkte Kaufempfehlung.

Line Up
Johan Längqvist – Gesang
Mats Björkman – Gitarre
Lars Johansson – Gitarre
Leif Edling – Bass
Jan Lindh – Schlagzeug

Tracklist
01. Well Of Souls
02. Dark Reflections
03. Mirror Mirror
04. Ancient Dreams
05. Astorolus – The Great Octopus
06. Bewitched
07. Dark Are The Veils Of Death
08. Under The Oak
09. Doom Jam
10. A Sorcerer`s Pledge
11. Solitude
12. Demon`s Gate (Soundcheck – Bonustrack)

Links
Webseite Candlemass
Facebook Candlemass
Instagram Candlemass


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