Attick Demons – Daytime Stories, Nightmare Tales – Album Review

Attick Demons – Daytime Stories, Nightmare Tales
Herkunft:
Lissabon/Portugal
Release:
25.09.2020
Label: ROAR! Rock of Angels Records
Dauer:
49:47
Genre:
Heavy Metal/NWOBHM


Der September 2020 bietet eine unglaubliche Fülle an neuen Veröffentlichungen aus dem Rock- und Metalsektor. Das erfordert viel Zeit, die interessantesten Neuerscheinungen herauszufiltern. Eine kurze Hörprobe von Daytime Stories, Nightmare Tales weckte jedoch gleich mein Interesse an Attick Demons. Der Sound ließ mich zunächst eine Herkunft aus dem Vereinigten Königreich vermuten, so urtypisch britisch klang das Gehörte. Ein Blick ins Infosheet gab zu meiner Verwunderung als Herkunftsland jedoch Portugal preis.

Zum bisherigen Schaffen der 1996 gegründeten Band gehören bisher zwei Demos, eine EP und das 2001 veröffentlichte Debütalbum Atlantis. Darauf gab es prominente Schützenhilfe durch Beiträge von Ex-Maiden Sänger Paul Di’Anno und Ex-Manowar Gitarrist Ross the Boss. 2016 folgte der zweite Longplayer Let’s Raise Hell, bei dem Savatage, Trans-Siberian Orchestra Guitarrero Chris Caffery mit in die Saiten griff. Tourneen mit vielen hochklassigen Bands und Auftritte bei diversen Festivals in ganz Europa brachten Attick Demons ein großes Stück voran.

Mit ihrem dritten Album Daytime Stories, Nightmare Tales wollen sie den nächsten Schritt machen und uns ein Heavy Metal Album präsentieren, das sowohl klassisch als auch zeitgemäß und frisch klingt.

Britischer Stahl von der iberischen Halbinsel

Der Opener The Contract gibt  auch gleich die Marschrichtung auf Daytime Stories, Nightmare Tales vor. Temporeich, mit rauen und energischen Metal Vocals gehen die Portugiesen zu Werke. Stimmakrobat Artur Almeida klingt wie eine Mischung aus Chris Boltendahl und Bruce Dickinson. Der Song geht schnell ins Ohr, wovon ihr euch HIER im Video einen Eindruck verschaffen könnt. Auch MakeYour Choice punktet mit druckvollem Metal britischer DNA, der diese spezielle Eingängigkeit im Refrain und der Melodieführung besitzt. Trotzdem hat der Song viele kleine Drehungen und Wendungen, die ihn auch nach dem zehnten Durchlauf noch spannend machen. Für den Track wurde ebenfalls ein Video produziert, dass du HIER findest.

Renegade beginnt atmosphärisch, entwickelt sich aber schnell zu einer waschechten Hymne, bei der das Gitarrenduo Nuno Martins und Dario Antunes mit schönen Harmonien und Soli glänzen, während die Rhytmusgruppe um Tieftöner João Clemente und Schlagzeuger Ricardo Oliveira für den nötigen Druck sorgen. Dem Track hört man hier und da zwar die Vorliebe der Portugiesen für Iron Maiden an, er klingt aber trotzdem eigenständig genug. Mit einer fetten Riffsalve startet The Revenge of the Sailor King, verliert aber ein wenig an Fahrt, weil das Tempo heruntergefahren wird. Trotzdem rettet sich der Song mit rasanten Soli  und dem leidenschaftlichen Gesang von Artur Almeida aus dem Mittelmaß. Auch beim epischen Hills of Sadness wildern Attick Demons im Fundus der Eisernen Jungfrauen. Songs wie Ghost Of The Navigator vom Brave New World Album dürften da wohl Pate gestanden haben. Zum Glück schaffen sie es, genügend eigene zündende Ideen einzuflechten, so dass der Song auf jeden Fall als gelungen betrachtet werden kann.

Von Headbangern und anderen Helden

Devil’s Crossroads und Headbanger atmen durch den Gesang von Artur Almeida zunächst wieder viel Maiden-Spirit, was sich zum Glück im weiteren Verlauf der Songs etwas verliert. Gerade Letztgenannter entwickelt sich zu einem kraftvollen Headbanger, was ja bei dem Titel nicht weiter überraschen sollte. O Condestavel widmet sich dem portugiesischen Nationalhelden Nuno Álvares Pereira, der Ende des 14. Jahrhunderts  für die Erhaltung der Unabhängigkeit Portugals kämpfte. Dafür greifen Attick Demons auf ihre Landessprache zurück, was dem facettenreichen Track eine besondere Note verleiht. Für den knackigen Banger Running werden zum Schluss noch einmal ein paar Kohlen in den Kessel geschaufelt.  Nur im Mittelteil wird das Tempo etwas gedrosselt, um der erstklassigen Gitarrenarbeit mehr Raum zu geben.


Fazit
Attick Demons’ Mission, ein traditionelles, aber frisches Heavy Metal Album mit dem Spirit der NWOBHM zu produzieren, kann man als absolut gelungen bewerten. Dafür sorgt nicht nur die druckvolle und transparente Produktion von Hugo Andrade, der das Album in den Ultra Sound Studios, Moita Portugal, aufgenommen, gemixt und gemastert hat, sondern auch eine leidenschaftlich aufspielende Band, die mit Daytime Stories, Nightmare Tales ein richtig starkes Album abliefert, das einfach eine Menge Spaß macht. Allerdings würde der Band ein wenig mehr Eigenständigkeit gut tun, da die Iron Maiden Einflüsse bei nahezu jedem Song deutlich vorhanden sind. Das ansprechende Artwork rundet das insgesamt sehr empfehlenswerte Album ab, was in der Gesamtwertung eine verdiente 8/10 ergibt.

Line Up
Artur Almeida – Gesang
Nuno Martins – Gitarre
Dario Antunes – Gitarre
João Clemente – Bass
Ricardo Oliveira – Schlagzeug

Tracklist
01. The Contract
02. Make Your Choice
03. Renegade
04. The Revenge of the Sailor King
05. Hills of Sadness
06. Headbanger
07. Devil’s Crossroad
08. O Condestavel
09. Running

Links
Facebook Attick Demons
Webseite – Attick Demons


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