Wizzerd / Merlin – Turned to Stone Chapter III: Wizzerd vs Merlin – Album Review

Wizzerd Merlin – Turned to Stone Chapter III: Wizzerd vs Merlin
Herkunft:
Kalispell / Kansas City
Release:
16.07.2021

Label: Ripple Music
Dauer:
40:46
Genre:
Stoner Rock / Psychedelic Rock / Progressive Rock


Wizzerd vs Merlin ist eine gelungene Idee, um eine Split-LP nicht als zwei Bands nebeneinander, sondern als Wettstreit zu vermarkten. Ich muss sagen, der Trick gelingt und baut Spannung beim Hörer auf und weckt die Neugier. Bevor wir uns in die beiden Songmonster verbeißen, bietet sich der Blick auf den bisherigen Weg beider US-Bands an.

Die Mitglieder von Wizzerd sind lange miteinander befreundet bevor sie 2014 offiziell die Band gründeten. Daheim wurde tagelang gejammt, um dem gemeinsamen Hobby zu frönen und den eigenen Stil zu finden. So findet man gut zehn Releases auf der Bandcampseite von Wizzerd, die neben Studiomaterial auch das jahrelange, ausgedehnte Touren durch die USA und auch einen Abstecher nach Europa dokumentieren. Ihre Musik selber bezeichnen die Jungs aus Montana als Doom, was es nicht trifft. Aus meiner Sicht ist die Nähe zu Stoner, Psychodelic und Fusion Rock da mehr gegeben.

Aus dem allseits bekannten Kansas City kommen die psychodelischen Zauberer von Merlin. Seit ihrem selbst betitelten Debüt im Jahre 2013 sprudelt es nur so aus der Band. Auch hier scheint der Ideenreichtum ungebrochen, denn die Band hat sich geschworen niemals einem Stil treu zu bleiben und sich zugunsten der Kreativität niemals zu wiederholen. So kann man alles, ohne Berührungsängste, von der Band erwarten. Diese Offenheit demonstrierten sie auch schon durch eine frühere Aufnahme eines Saxophonisten ins Bandgefüge. Ich verrate jetzt schon etwas über ihren Beitrag auf diesen Release, denn es wird im direkten Vergleich Wizzerd vs Merlin auch hier mächtig an der Facettenbreite experimentiert.

Das Duell der Magier beginnt

Wizzerd ziehen als erste den Zauberstab mit dem neunzehn minütigen Stück We Are. Es ist kein Hammerriff oder Todesstrahl den die Band zur Eröffnung wählt, sondern es sind feine naturalistische und akustische Töne. Langsam und fast unmerklich schleichen sich Soundsamples wie aus einem Science-Fiction ein. Sprachgesang gibt allem eine entspannte Note. Der Umstieg erfolgt nach drei Minuten. Riffs dudeln, psychodelische Gesänge verbreiten nebelige Gedanken. Zahlreiche Break geben den Instrumenten die Möglichkeiten sich zu entfalten und verbinden zwanglos die musikalischen Ideen. Dabei geht es weniger um eine Message, sondern mehr um das Gefühl grenzenloser Kreativität, die Wizzerd hier ausleben.

So viel wie möglich und ohne Grenzen zu akzeptieren

Mit Merlin betritt der zweite Magier die Bühne. Doch der Auftritt beginnt weniger entspannt. Dunkel steigert sich das Keyboard in der Ouvertüre, bevor die Band mit militantem Bass und dunklem Riff einsteigt. Der Gesang ist klagend, bedrohlich und baut über mehrere Minuten ein Monster, einen schwarzen Schatten, den sie Stoner Doom nennen. Doch die Band mogelt und hat ihren musikalischen Gesamtbeitrag namens Merlin’s Bizzare Adventure in Abschnitte geteilt.

Unvermittelt explodiert der Sound und es folgt ein Break, welches den Namen wirklich verdient. Was zu hören ist, ist purer jazziger Funk, mit psychodelischen Riffs im Hintergrund. Als eine Querflöte einsteigt, glaubt man, dass das Experiment jetzt völlig abdreht. Doch es geht noch heftiger. Im mit Disco Plexus betitelten Teil treffen 70er Jahre Hammond Orgel auf Disco-Rhythmen. Alles löst sich auf in einem Abschnitt namens Atom Heart Merlin Suite. Ein Feeling von Pink Ployd trifft hier auf orchestrale, pompöse Ideen. Die Gitarre spielt in der Ferne melancholische, entrückte Melodien und schließlich entgleitet alles in einem leichten Keyboardsoundgewand in die Nacht.

Die alles entscheidende Frage

Ja, wer hat den nun gewonnen? Diese Frage ist nicht einfach zu beurteilen, denn trotzdem man glaubt, die Bands bedienen ein und das selbe Genre, könnten die Unterschiede kaum größer sein.
Wizzerd haben ihre Sache gute und kreativ gelöst. Doch gegen die abgefahrenen Ideen von Merlin kommen sie kaum an. Allerdings haben es diese nicht geschafft alles homogen klingen zu lassen und schocken den Hörer mit krassen Stilbrüchen.

Es liegt allein in den Ohren des Hörers zu entscheiden, welche Seite des Duells die Bessere ist. Manchem Konsumenten wird das Dargebotene zu abgedreht sein, andere werden die nur so sprudelnden Ideen als den heiligen Gral der musikalischen Freiheit feiern. Ihr wollt ein eigenes Urteil? Das könnt ihr euch HIER bilden.


Fazit
Ich kann den Sieger des Ringens um die größte Kreativität nicht nennen. Klingen Wizzard geschlossener und trotz vieler Ideen homogener, so bezaubern Merlin durch eine Flut schier grenzenloser Ideen. Ich entscheide mich im Wettbewerb, ganz feige, für zwei Daumen hoch und vergebe für das Gesamtpaket eine 7 / 10

Line Up Wizzerd
Layne Matkovich – Gesang, Bass
Jamie Yeats – Gitarre, Keyboard
Jhalen Salazar – Gesang, Gitarre
Wayne Randall – Gitarre
Sam Moore – Schlagzeug

Line Up Merlin
Carter Lewis – Gitarre, Orgel
Caleb Wyels – Schlagzeug, Programmierung
Joey Hamm – Bass
Jordan Knorr – Gesang

Tracklist
01. We Are
02. Merlin’s Bizzare Adventure

Links
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Instagram Wizzerd

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