Untamed Land – Like Creatures Seeking Their Own Forms – Album Review

Untamed Land – Like Creatures Seeking Their Own Forms
Herkunft:
Ohio / USA
Release:
08.10.21
Label: Napalm Records
Dauer:
01:00:49
Genre:
Atmospheric Black Metal


UNTAMED LAND - Band
Foto Credit: Nicholas Romito

Vorsicht, Binsenweisheit: Es gibt nichts, das es nicht gibt. Das gilt vor allem in der Musik und dort insbesondere für den Metal. Im Underground, aber auch im Mainstream tauchen nämlich immer wieder Exoten auf, die harte Klänge mit anderen Stilrichtungen kombinieren und dadurch etwas Neues erschaffen.

Untamed Land, das Projekt des Multiinstrumentalisten Patrick Kern, gehört zweifelsohne zu diesen Exoten. Der Musiker kombiniert atmosphärischen Black Metal mit Western-Soundtracks, was 2018 auf dem Debütalbum bereits für Achtungserfolge gesorgt hat. Die zweite Platte Like Creatures Seeking Their Own Forms geht diesen Weg weiter und überträgt skandinavisch-epische Grimmigkeit in den wilden Westen, was überraschend gut zusammenpasst.

Spaghetti a la Permafrost

Die Musik von Untamed Land lebt vor allem von unvorhersehbaren Spannungsbögen und der gekonnten Abwechslung zwischen Soundtrack-Atmosphäre und epischem Schwarzmetall. Der Opener Once Upon a Time in the Kenoma könnte beispielsweise noch aus einem Spaghetti-Western der 1960er Jahre stammen, während A Nameless Shape klingt wie das uneheliche Kind von Summoning, Falkenbach und Ennio Morricone. Den Beweis findest du HIER.

Abgesehen vom Intro und vom Outro haben alle Songs eine sehr lange Laufzeit zwischen zehn und 15 Minuten. Man muss also schon eine gewisse Konzentrationsfähigkeit mit sich bringen, um die Nummern erfassen und darin eintauchen zu können.

In den Sonnenuntergang

So wie es bei Soundtracks meist der Fall ist, bleiben auch auf Like Creatures Seeking Their Own Forms nicht die gesamten Songs, sondern Fragmente davon im Ohr hängen. Das funktioniert unter anderem durch den Einsatz von verschiedenen Instrumenten. Beispielsweise sind in Clothed in Smoke Klavier, Geige und Trommeln zu hören, was das Folk-lastige Lied wohl zur cineastischsten Nummer auf dem Album macht.

Im längsten Song The Heavenly Coil hingegen kombiniert Patrick Kern Orgel, Cembalo und spanische Gitarren mit ruppigen Black Metal-Riffs. Die Nummer ist dadurch nicht nur das atmosphärischste, sondern auch das spannendste Lied am Album. Das abschließende Achamōth funktioniert wiederum ähnlich wie das Intro und lässt den Hörer vor dem geistigen Auge in den Sonnenuntergang reiten. Stilecht mit Cowboyhut, Revolver, Nietengürtel und Corpsepaint.


Fazit
Untamed Land hat mit Like Creatures Seeking Their Own Forms eine weitere Spielart des atmosphärischen Black Metal geschaffen. Neben dem Exotenbonus punktet die Platte auch mit gekonntem Songwriting und Klanglandschaften, die irgendwo zwischen Tundra und Prärie angesiedelt sind. Dafür gibt es 7,5 / 10

Line Up
Patrick Kern – Alle Instrumente, Gesang

Tracklist
01. Once Upon a Time in the Kenoma
02. A Nameless Shape
03. Clothed in Smoke
04. The Heavenly Coil
05. Achamōth

Links
Bandcamp Untamed Land
Facebook Untamed Land


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