Sun House – Ticket To Fly – Album Review

Sun House – Ticket To Fly
Herkunft:
London / UK
Release:
04.12.20
Label:
Eigenveröffentlichung
Dauer:
36:24
Genre:
Classic Rock / Blues


Ja verdammt, die Enkel von Led Zeppelin müssen aufgewacht sein! So schoss es mir durch den Kopf, als Ticket To Fly aus den Boxen dröhnte.  Sun House haben sich 2017 während ihrer Universitätszeit in London als Kellerband gegründet und begannen schon bald umfängliche Liveauftritte zu absolvieren.

In 2019 gab es, mit ihrer damaligen Sängerin, als erstes Studioprodukt eine 4-Track EP. Ein reichliches Jahr später präsentieren sie uns nun ihr komplettes Debütalbum. Doch zur großen Verwunderung gibt es darauf keine weibliche Singstimme mehr, da Emilia zwischenzeitlich die Band verließ.

Von der Frontfrau verlassen

Etwas gefrustet beschlossen Jamie und Cam ab sofort nur noch mit Gastmusikern am Mikro zu arbeiten. Die Wahl fiel, man muss sagen zum Glück, auf Tomas Baptista. Er veredelt mit seiner beeindruckenden und charismatischen Stimme das gesamte Ticket To Fly. Musikalisch geht es in Richtung Classic Rock, darin reichlich Spritzer von Blues und viel Inspiration von Led Zeppelin. Das klingt geschrieben eindimensional, aber wird es nicht, denn die Mischung ist gut gelungen.

Gleich der Opener HIER legt eine schnelle Rock ’n’ Roll Nummer aufs Parkett. Tomas kann schon mal glänzen und die Gitarre tut ihr Übriges um heiß zu laufen. Ob es nun weiter rockt wie bei dem folgenden Take My Money, sich Tomas stimmlich windet bei Loose Woman oder die Rhythmusfraktion stampft bei Lock N’ Load, man hat das gute Gefühl, der Schweiß tropft von den Wänden.

Eine Empfehlung von Herzen

Nach einer kurzen instrumentalen Einführung kommt mit Heed The Call (Of The Western War) ein Oberkracher schlechthin, den ich euch HIER ans Herz und ins Ohr legen möchte. Die wirklich beeindruckende, leicht orientalisch anmutende Gesangsleistung ist eingebunden in eine packende Gitarren- und Rhythmusarbeit, die sich zu Ende dominanter wir und sich immer dichter mit dem Gesang verwebt.

Dieses Highlight ist kaum mit einer normalen Rocknummer zu toppen und so folgt mit Do I Say eine ruhige Akustik-Ballade. Auch das folgende Convit überrascht durch einen getriebenen, sich stets steigernden Rhythmus. Ruhig und vom Blues beseelt geht es mit dem Instrumental Icarus weiter, bei dem Jamie sich an der Gitarre austobt.

Zu guter Letzt endet es wie früher

Womit kann man solch ein Album beenden? Sun House setzen auf gute Laune, Altbewährtes und schieben uns mit My Baby Left Me einen Happen old-styl Rock ’n’ Roll in den Mund. Das hat schon vor 50 Jahren in den Clubs funktioniert und klappt heute noch. Die Beine fangen an zu zucken, vor dem geistigen Auge schwenken die Hälse der Gitarren von links nach rechts und der Hörer möchte aufspringen und sich mit der Musik bewegen.


Fazit
Ein gelungenes und abwechslungsreiches Debütalbum, das gekrönt wird durch eine überdurchschnittliche Gesangsleistung. Vielleicht lassen Jamie und Cam den Gedanken an wechselnde Gastsänger einfach fallen und nehmen auch beim nächsten Mal das, was so gut passt: Tomas Baptista. Ticket To Fly ist hiermit jedem Rockmusikliebhaber ans Herz gelegt und verdient unbedingte Beachtung. Deshalb gibt es 8,5 / 10 und meinen Wunsch nach mehr davon.

Line Up
Jamie Ellis – Gitarre
Cam Meek – Schlagzeug
Gastmusiker
Tomas Baptista – Gesang 

Tracklist
01. Ticket To Fly
02. Take My Money
03. Lock N’ Load
04. Loose Woman
05. Interlude
06. Heed The Call (Of The Western War)
07. Do I Say
08. Convict
09. Icarus
10. My Baby Left Me

Links
Webseite Sun House
Facebook Sun House


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