Ordeal & Plight – Her Bones in Whispers – Album Review

Ordeal & Plight – Her Bones in Whispers
Herkunft:
Deutschland / Niederlande
Release:
21.05.2021
Label: Eisenwald
Dauer:
45:07
Genre:
Post-Rock / Ambient / Soundscape


Foto Credit: Friederike Hersemann

Ordeal & Plight gingen 2012 aus einer Black Metal Band hervor und entwickelten sich zu einem Kollektiv, das Szene- und Genrekorsetts verlassen will und mit wechselnder Besetzung aus verschiedenen europäischen Ländern stets einzigartige Alben zu veröffentlichen, die künstlerische Grenzen überschreiten und sich nicht wiederholen.

Diesen Monat erwartet uns nun das neue Album Her Bones in Whispers, auf dem neben Stefan Hackländer und Reiner H. Wiese bekannte Musiker wie Raven van Dorst, Dool, Alessandro Tartarus, Secrets of the Moon, Tulcandra, Haradwaith, Daniel Schweigler, Sweet Ermengarde und Cornelia Schmitt, Mandrah), zu hören sind.

Dark Synth Vibes

I’m Seriously Not Over It beginnt mit melancholisch gesprochenen Gedanken, halb geflüstert, die in Synthvibes und Beats übergehen. Danach bleibt das Stück aber instrumental, baut jedoch eine schöne Atmosphäre und Spannung auf und kann daher wie ein ausgedehnteres Intro zum Album gesehen werden.

Ein Piano erklingt schön kontrastreich und klar in Extra Pain Medication, mit sphärischen Synthie-Windgeräuschen unterlegt. Dann hämmern rhythmische Tom-Schläge hinein, bevor der Hauptbeat einsetzt, und sich ein eingängiges Synthieriff in die Hirnwindungen fräst. Ein cooles, kurzweiliges Stück.

Etwas düsterer klingt In The Desert I Prefer You Over Water, was auch an den tiefen mit viel Hall versehenen Vocals liegt, ein langsam brodelnder Song.

Atmosphäre, Gefühl und doomige Dramatik

Die erste Single A Hole In The Ocean lässt dann zum ersten Mal Gitarren erklingen, und auch die sanften weiblichen Vocals sind einfach nur grandios, gefühlvoll, klar und eindringlich. Ein Lied mit Hit-Potential. HIER geht’s zum Video.

Empty Stages greift die Atmosphäre des Vorgängers auf und reichert sie mit interessanten Synth-Klängen an, die wie verträumte Irrlichter durch den Song schwirren, bleibt aber instrumental.

Mit flächigen Keyboardsounds beginnt eines der Highlights dieses abwechslungsreichen Albums, das ebenfalls vorab als Single veröffentlichte … And I Miss Her mit Raven van Dorst von Dool an den Vocals.
Von der doomigen und schleppenden Rhythmik des Songs gibt es schon eine gewisse Parallele zu Dool, jedoch hat der Song durch die Instrumentierung auch genug Eigenständigkeit. Die Gesangsparts sind wirklich ergreifend dargeboten, zerbrechlich und episch zugleich, sanft und kraftvoll, ein gelebtes und sich selbst aufhebendes Paradoxon. Das Video zu diesem Anspieltipp findet ihr HIER.

Maybe Tomorrow überzeugt mit Cornelia Schmitt an den Vocals, die eine interessante Gesangsleistung abliefert, der Song erinnert mich ein wenig an Portishead, mit einem mysteriös-rätselhaften Grundvibe.

Hypnotische, beklemmende Melancholie

Pictures At An Inhibition ist recht spartanisch gehalten und hat durch seine Piano-Akkorde und die relativ gleichbleibenden Drum-Pattern etwas Hypnotisches, die Keyboard-Parts erinnern mich an 1980er Jahre C64-Spiele-Soundtracks, was für mich definitiv ein Pluspunkt ist.

Auf Morro Bay kommen neben den Synth-Beats und Flächen auch Gitarrenklänge und kurz auch wieder Vocals zum Zuge, ein kurzweiliges Stück.

50.73743°, 0.24768° ist sehr düster und schleppend gehalten, die Vocals beschwörend. Die Koordinaten des Songtitels stehen für den Ort Beachy Head, einer Landspitze an der englischen Südküste, deren steiler Felsen oft für Suizide genutzt wurde, daher trägt dieses Hintergrundwissen zusätzlich zur Atmosphäre dieses beklemmenden Stücks düsterer Musik bei.

Beautiful Fever mit seinen tiefen Vocals, die an Sisters of Mercy oder Fields of the Nephilim erinnern, ist wirklich packend inszeniert, melancholisch, getragen und klagend. Ein tieftrauriges Lied, das unter die Haut geht.

Mit einem kurzen deutschsprachigen Dialog, der wie ein makaber-ironisches Abschluss-Statement klingt, beginnt das letzte Stück des Albums, Exit: Let’s Be Careful Out There, ein eher kurzes Outro, dass dann mit filigranen Tönen sanft aus dem Album herausleitet.


Fazit
Ordeal & Plight ist ein wirklich abwechslungsreiches und intensives Ambient/Post-Rock-Album gelungen, das mit vielen verschiedenen Emotionen und Klangvariationen brilliert, aber trotzdem eine gewisse Grunddüsternis und Melancholie über die Gesamtspielzeit aufrecht hält.
Ein Album, das man in Ruhe genießen sollte und dem man sich hingeben muss. Ein Werk, das wie geschaffen ist, um einfach mal sein Innerstes treiben zu lassen, eine musikalische Meditation in mattem Schwarz.
Von mir gibt es für diese hervorragende Platte 9/10.

Line Up
Stefan Hackländer
Reiner H. Wiese
Gastmusiker
Raven van Dorst

Alessandro Tartarus
Daniel Schweigler
Cornelia Schmitt

Tracklist
01. I’m Seriously Not Over It
02. Extra Pain Medication
03. In The Desert I Prefer You Over Water
04. A Hole In The Ocean
05. Empty Stages
06. …And I Miss Her
07. Maybe Tomorrow
08. Pictures At An Inhibition
09. Morro Bay
10. 50.73743°, 0.24768°
11. Beautiful Fever
12. Exit: Let’s Be Careful Out There

Links
Facebook Ordeal & Plight
Bandcamp Ordeal & Plight


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