Nachgefragt bei Árstíðir Lífsins – Interview

Ihr aktuelles Machtwerk Saga á tveim tungum II: Eigi fjǫll né firðir hinterließ bei mir tiefe Spuren und veranlasste mich einige Worte mit Árstíðir Lífsins zu wechseln. Während des Interviews war die Band so frei mich über die Geschichte der zweiteiligen Saga aufzuklären.


Frank: Hallo Stefán, Árni, Marsél wie schon Teil eins der Saga, hat mich auch Eigi fjǫll né firðir sehr berührt und mitgerissen. Welchen Teil der Saga spielt Ihr am liebsten bzw. liegt euch ganz besonders am Herzen?
Árstíðir Lífsins: Vielen Dank für das Interview, Frank. Uns gefallen beide Albumteile gleich gut. Sicher sind diese musikalisch recht verschieden geworden, jedoch sind sie für uns dadurch umso interessanter.

Frank: Den Informationen zum Album konnte man entnehmen, dass es in der Geschichte um zwei Geschwister in der Zeit der Herrschaft Königs Olav Haraldsson geht. Was genau erzählt uns diese fiktive Geschichte?
Árstíðir Lífsins: Die erzählte Geschichte ist sehr komplex und ich möchte hier nur kurz darauf eingehen. Nach einem Brudermord im Süden Islands, der unser letztes Album von 2014 beendet (‚Aldafǫðr ok munka dróttinn‘), flieht die Frau einer der beiden Brüder mit ihren beiden Kindern auf einem Schiff nach Norwegen. Dieses gerät in Seenot, die Mutter ertrinkt und die Geschwister werden voneinander getrennt: der Bruder ertrinkt beinahe ebenfalls, wird jedoch von einem der Schiffe der Flotte von König Olav Haraldsson (995–1030) gerettet. Er wächst im Gefolge des Königs auf und entwickelt sich zu einem überzeugten Mitstreiter. Nach einer verlorenen Schlacht in Schweden muss der König in die Rús fliehen. Er kehrt kurze Zeit später nach Norwegen zurück und stirbt schließlich in der bekannten Schlacht von Stiklastaðir im heutigen Trøndelag im Jahr 1030. Dort stirbt auch der Protagonist. Der zweite, nun erschienene Teil, behandelt die Geschichte der Schwester. Auch diese überlebt jenen Schiffsbruch und wächst in einem nicht-christianisierten Umfeld im Gudbrandsdal in Norwegen auf. Die politischen, religiösen und nicht zuletzt gesellschaftlichen Spannungen der Zeit bleiben aber auch dort nicht aus, und die Schwester entscheidet sich, zu fliehen. Vorher hat sie bereits in Träumen von der Existenz ihres Bruders erfahren und entschließt sich, nach diesem zu suchen. Auf ihrer Flucht vor Schergen des Königs begibt sie sich in die Wildnis, jedoch mit dem Ziel, sich Stiklastaðir zu nähern, ihren Bruder zu finden und Verletzte zu versorgen. Auch die Schwester erlebt die Schlacht und findet ihren Bruder schließlich. Er stirbt jedoch in ihren Armen.

Frank: Im ersten Teil der Saga werden die Instrumentalen Stücke von tiefen Chorgesang begleitet. Im zweiten Teil gibt Marcel den Storyteller. Welchen Hintergrund in Bezug auf die Geschichte hat dies?
Árstíðir Lífsins: Das hängt stark mit der oben geschilderten Geschichte zusammen. Der zweite Teil hat ein paar Teile, in denen erzählt wird. Exklusiv sind diese aber nicht: Sie sind auch auf dem ersten Teil zu finden, genauso wie Chorarrangements auf dem zweiten Album.

Frank: Insgesamt finde ich den zweiten Teil einen Tick atmosphärischer, besonders viel Black Metal der zweiten Welle kann ich heraushören. Auch wenn Ihr schon alte Hasen seid. Gibt es immer noch Bands, die euch musikalisch beeinflussen?
Árstíðir Lífsins: Ein großer Einfluss unserer Musik rührt nach wie vor von skandinavischen Bands der sog. zweiten Black Metal Welle, das stimmt natürlich. Ich tue mich ehrlich gesagt etwas schwer, eindeutige Einflüsse von neueren Bands bei uns wahrzunehmen.

Frank: Unser Magazin hat seinen Hauptsitz in Wien. Gibt es eine bestimmte Epoche, aus der österreichischen Historie, die am ehesten in Euer musikalisches Konzept passen würde?
Árstíðir Lífsins: Nein, da muss ich dich leider enttäuschen. Wir spezialisieren uns ausschließlich auf skandinavische Geschichte.

Frank: Auf Eurer Facebook Seite habt Ihr euch klar gegenüber der politisch motivierten Metalszene distanziert, insbesondere dem NSBM. Habt Ihr diesbezüglich, auf Grund von Verwendung nordischer Symbolik, schon schlechte Erfahrung gemacht?
Árstíðir Lífsins: Glücklicherweise nicht. Wir haben uns bereits beim Erscheinen unseres ersten Albums im Jahr 2010 klar von jener Szene abgegrenzt. Jene Abgrenzung hat selbstverständlich bis heute ihre Aktualität behalten.

Frank: Seid Ihr generell mit dem Feedback zur 2 teiligen Saga zufrieden? Die LP Box ist ja mittlerweile schon ausverkauft.
Árstíðir Lífsins: Ja, wir sind sehr zufrieden mit dem Feedback. Sowohl von Seiten der Presse als auch der Fans scheinen beide Teile überwiegend enthusiastisch aufgenommen zu werden.

Frank: Kann es eines Tages sein, dass Ihr tatsächlich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, einmal live die 2-teilige Saga präsentiert?
Árstíðir Lífsins: Das ist leider unrealistisch, da wir keine Möglichkeit sehen, alle Songs in ihrer Vielschichtigkeit und Komplexität adäquat aufführen zu können. Wenn wir uns überhaupt einmal dazu entschließen, live zu spielen, werden wir aber sicher den ein oder anderen Song von Saga á tveim tungum spielen.

Frank: Was plant Ihr für die Zukunft? Stehen neue Projekte mit euren bestehenden Bands Helrunar, Wöljager oder Carpe Noctem an?
Árstíðir Lífsins: Alle Bands haben bereits neues Material geschrieben oder sind zumindest derzeit dabei. Jedoch ist es noch zu früh, konkret darüber zu sprechen. Bzgl. Árstíðir lífsins steht vorerst eine EP und ein neues Album an. Wann wir diese aufnehmen werden, ist jedoch noch unklar.

Frank: Ich bedanke mich vielmals für das Interview und bleibt gesund!
Árstíðir Lífsins: Vielen Dank für das Interview!


Links
Facebook Arstidir Lifsins
Bandcamp Arstidir Lifsins


Außerdem auf Soundmagnet.eu
Album Review – Arstidir Lifsins – Saga á tveim tungum II: Eigi fjǫll né firðir
Album Review – Tristwood – Blackcrowned Majesty
Kolumne – Genreweisende Alben – der etwas andere Klassiker

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