Marillion – An Hour Before It’s Dark – Album Review

Marillion – An Hour Before It’s Dark
Herkunft:
UK
Release:
04.03.2022
Label: earMUSIC
Dauer:
54:22
Genre:
Progressive Rock / Art Rock


Foto Credit: Anne-Marie Forker

Die britischen, ehemaligen Neo Progger Marillion, die sich schon lange Richtung Progressive Rock mit Art Rock Einschlag orientierten, beweisen auf ihrem neuesten, 20.  Werk An Hour Before It’s Dark erneut ein feinfühliges Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen und den sprichwörtlichen Zeitgeist. Vinylfans kommen mit zahlreichen farbreichen Varianten ebenso auf ihre Kosten wie auch Fans, die das neue Werk gerne in 5.1 erleben möchten.

Schon auf dem Vorgänger F.E.A.R. zeigten sie, dass ihr jahrelanges Tüfteln und ihr Perfektionismus die Chance eröffnet, genauer darauf zu schauen, was in der Welt passiert und dieses in lebensnahe, griffige und hochemotionale Texte zu verpacken, die Steve Hogarth versteht auf die ihm eigene Art und Weise vorzutragen.

Der Titel des Album beschreibt im englischen Sprachraum sinngemäß die letzte Stunde vor dem Eintreten der Dunkelheit, in der Kinder noch draußen spielen dürfen. Hierzulande würde man wohl sagen, es sei fünf vor zwölf und gerade aktuell ist es auch so, als wenn wir politisch, sozial und ökologisch unsere kindliche Unschuld verlieren und uns großer Verantwortung stellen müssen. Diese Themen packen Marillion hier an. Und wie auch schon auf dem Vorgänger sind zwar die Texte düster und melancholisch, bilden allerdings einen Gegensatz zur wie immer sauber produzierten und optimistischen Musik.

Gegenpol und gleichzeitig am Puls

In Murder Machines, das ihr HIER mit Video sehen könnt, wird der zwischenmenschliche Umgang mit der Pandemie thematisiert und begeht das Terrain der sozialen Distanz auf menschliche Art und Weise. Musikalisch ist es ein typischer Vierminüter von Marillion, der auch hervorragend auf Marbles gepasst hätte. Wie schon auf F.E.A.R. ist auch An Hour Before It’s Dark hauptsächlich in Longtracks unterteilt, dessen einzelnen Teile thematisch zusammenhängen und durch mehr oder weniger schlüssige Übergänge miteinander verbunden sind. Als Einzelteile für sich funktionieren die Songs auch sehr gut.

Stellvertretend soll hier der Opener Be Hard On Yourself genannt werden, der HIER in einem Video zu sehen ist und für mich auch einer der besten Songs auf dem Album ist. Dramatik und Optimismus stehen hier dicht beieinander. Wie auch im richtigen Leben Gefahr und Chance zwei Seiten derselben Medaille sind.

In der Ruhe liegt auch hier die Kraft

Wie schon der Vorgänger ist auch An Hour Before It’s Dark in den ländlichen Real World Studios von Peter Gabriel aufgenommen worden, die als Ruhepol schon immer in der dort aufgenommenen Musik als solcher wahrnehmbar war. Mit dem fantastischen neuen Album stellen sich Marillion dem Zeitgeist und gehen mit zugleich klagenden und fordernden Botschaften vorne ran. Man darf sich darauf freuen, wie die neuen Songs live auf der anstehenden Tour erst zu richtigem Leben erwachen.


Fazit
Konträr zum Titel ist An Hour Before It’s Dark ein Lichtblick in düsteren Zeiten und Marillion schaffen es mal wieder ihre eigene musikalische Vergangenheit in den aktuellen Zeitgeist zu verpacken. Seasons End winkt von weitem. 9,5 / 10

9,5

Line Up
Steve Hogarth – Gesang, Keyboards
Mark Kelly – Keyboards
Steve Rothery – Gitarren
Pete Trewawas – Bass
Ian Mosley – Schlagzeug, Perkussion

Tracklist
1. Be Hard On Yourself
2. Reprogram The Gene
3. Only A Kiss
4. Murder Machines
5. The Crow And The Nightingale
6. Sierra Leone
7. Care

Links
Facebook Marillion
Webseite Marillion


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Album Review – Leprous – Aphelion
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