Korn – Requiem – Album Review

Korn – Requiem
Herkunft:
USA
Release:
04.02.2022
Label:
Loma Vista Recordings / Virgin Music
Genre:
Nu Metal / Modern Metal


Korn-Band
Foto Credit: Tim Saccenti

Korn waren in den 1990er Jahren der Schrecken jedes Gatekeepers in der Metal-Szene. Die US-Amerikaner sind ja schließlich als die Pioniere der damaligen Nu Metal Bewegung bekannt geworden. Seitdem ist zwar viel Zeit vergangen, aber die Band ist auch 2022 immer noch eine fixe Größe in der internationalen Szene.

Für ihr 14. Studioalbum Requiem hat die Combo wieder mehr experimentiert und zudem bei den Aufnahmen auf analoge Tonbänder gesetzt. Warum? Weil die Band wegen der Covid-Pandemie viel mehr Zeit hatte als sie es gewohnt ist – obwohl die Krankheit auch Teile der Combo erwischt hatte. Das Resultat ist ein Werk, das vorab von der Presse bereits als das “Happy Album” von Korn bezeichnet wurde. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen, denn von vertonter Fröhlichkeit ist die Band weiterhin sehr weit entfernt.

Drückend und melodisch zugleich

Auf dem Vorängeralbum The Nothing sind Korn zu ihren Wurzeln zurückgekehrt, auf Requiem hingegen bewegen sich die US-Amerikaner wieder in eine melodiösere Richtung. Die doomige Phase der 2000er Jahre ist zwar ebenfalls musikalisch präsent, allerdings klingen die neuen Songs wesentlich verspielter als zur damaligen Zeit. Dabei ist der Sound aber natürlich weiterhin sehr wuchtig, inklusive dem prägnanten Bass-Sound von Reginald „Fieldy“ Arvizu.

Sänger Jonathan Davis präsentiert währenddessen die dunklen Gedanken, für welche die Band seit ihren Anfängen bekannt ist, mit einer enorm umfangreichen, stimmlichen Variabilität. Die Gesangslinien geben jedem einzelnen Song wieder diese spezielle Korn Attitüde zwischen Schwermut, Aggression und einem kleinen Schimmer Hoffnung.

Immer noch F***ing Freaks

Zu Beginn des Albums beweist die Band erst einmal erneut, wie spielend leicht der Wechsel zwischen Rock, Metal und Alternative für sie ist. Die ersten Songs bilden einen guten Einstieg, aber auch nicht mehr. Da hatte die Band schon wesentlich bessere Opener.

Das ändert sich aber mit Start The Healing grundlegend. Diese Nummer schafft es erstmals, den wummernd-groovigen und den melodischen Aspekt der Band zu einem starken Gesamtwerk zu vereinen, das Assoziationen an der 1998er Über-Album Follow The Leader weckt. Das Video zum Song findest du HIER.

Disconnect hingegen vereint musikalischen Minimalismus mit einer extra Portion Härte. Dieses Wechselspiel zwischen ruhigen Passagen und Wutausbrüchen beherrschen Korn ohnehin besser als die meisten anderen Bands dieses Planeten, aber hier haben sich die US-Amerikaner selbst übertroffen. Diese Nummer dürfte in Zukunft auch Einzug in das Live-Repertoire der Band finden, denn Hit-Potenzial hat das Lied allemal.

Das Schlimmste Beste kommt zum Schluss

Über Penace to Sorrow ließe sich fast dasselbe sagen. Die Nummer handelt vom Kampf gegen Depressionen, denen man aber letztendlich einfach nicht entkommen kann. Dennoch ist der Refrain wieder sehr melödios und mitsingbar ausgefallen – vor allem wenn man weiß, welches Thema hier verarbeitet wird. Zudem erinnern die gitarrenlastigen Parts entfernt an Falling away from me.

My Confession hingegen tendiert wieder stärker zu den neueren Schaffensphasen der Band, inklusive stärkerem Augenmerk auf melodisches Songwriting. Das abschließende Worst Is On Its Way setzt danach dem gesamten Album noch einmal die Krone auf. Hier packt Jonathan Davis nämlich seinen merkwürdigen Twist-Gesangsstil aus, insgesamt erinnert das Lied durch seine Struktur ein wenig an Freak on a Leash.

Nach mehreren Hördurchläufen ist jedenfalls klar: Auf Requiem haben Korn endgültig zu ihren alten Stärken zurückgefunden. Dabei geht die Band allerdings sehr vielschichtig zu Werke und frönt simultan ihrem Hang zu melodischen Refrains, der sich vor allem in den neueren Schaffensphasen der Combo herauskristallisiert hat.


Fazit
Mit Requiem schaffen es die Nu Metal Legenden von Korn erneut, ihren einzigartigen Sound um neue Facetten zu erweitern und sich dabei zwar selbst zu zitieren, aber nicht plump zu wiederholen. Härte, dröhnender Bass, Melodien und Jonathan Davis in Bestform – Auf diesem Album ist einfach alles vertreten, was sich Fans nur wünschen können. 8,5 / 10.

Aktuelles Line Up
Jonathan Davis – Gesang
James “Munky” Schaffer – Gitarre, Hintergrundgesang
Brian „Head“ Welch – Gitarre
Reginald „Fieldy“ Arvizu – Bass
Ray Luzier – Schlagzeug

Tracklist
01. Forgotten
02. Let the Dark Do the Rest
03. Start The Healing
04. Lost in the Grandeur
05. Disconnect
06. Hopeless and Beaten
07. Penance to Sorrow
08. My Confession
09. Worst Is On Its Way

Links
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