Kill The Lights – The Sinner – Album Review

Kill The Lights – The Sinner
Herkunft:
UK / USA / Kanada
Release:
21.08.2020
Label: Fearless Records / Spinefarm Records
Dauer:
48:31
Genre:
Metalcore / Modern Metal


Der britische Fachblätterwald wittert bei der neu gegründeten Supergroup Kill The Lights schon den nächsten Megaseller, denn die vorab von der Band veröffentlichten Singleauskopplungen wurden bisher über eine Million Mal gestreamt. Das kalifornische Label Fearless Records schnappte erfolgreich zu und wirft nun das Debütalbum The Sinner, das von Machine Head und Fear Factory Produzent Colin Richardson mit einem Hochglanzsound versehen wurde, in die Verkaufsregale.

Metalcore gehört jetzt ja nicht unbedingt zu meinen musikalischen Schwerpunkten, aber Bands wie Killswitch Engage, Trivium und Bullet For My Valentine stehen auch in meinem Regal und werden von mir regelmäßig in den Player gelegt. Das Debütalbüm um Schlagzeuger Michael “Moose” Thomas, Mitbegründer von Bullet For My Valentine, ex-Throw The Fight Sänger James Clark, Still Remains Gitarrist Jordan Whelan und Travis Montgomery, der auch bei Threat Signal die Gitarre zum Glühen bringt, lag lange unbeachtet bei uns im Posteingang. Ohne allzu große Erwartung habe ich dann vor Ablauf der Deadline doch noch ein Ohr riskiert.

Das Stigma einer Supergroup

Das eindringlich gesprochene Intro zum Opener Shed My Skin mündet direkt in einen eruptiven Thrash-Ausbruch. Mit dem Einsetzen der wütenden Growls hat der Song schon gewonnen. Zwar wechselt der Gesang auch immer wieder beim arenatauglichen Refrain zu cleanen Vocals, aber insgesamt bestimmen messerscharfe Riffs und rasante Beats den Track, bei dem es thematisch um Depressionen und Angstzustände geht, die viele Menschen täglich begleiten. Ein erstklassiges Video zum Song findest du HIER.

The Faceless wurde von der Band als erste Single schon 2019 ausgekoppelt, bevor sie einen Deal in der Tasche hatte. Die Nummer ist ebenso temporeich wie heavy und punktet mit einem catchy Refrain. Obligatorische Breakdowns im letzten Drittel sorgen für zusätzliche Dynamik. Auch hierzu gibt es ein starkes Video, das du HIER anchecken kannst. Watch You Fall hat eine unglaubliche Intensität und erinnert an Großtaten von Killswitch Engage. Überhaupt hat Sänger James Clark mehr vom ruppigen Charme eines Jessie Leech als dem weinerlichen Gesang einiger anderer Bands aus dem Genre.

Emotionale Botschaft im Breitwandsound

Die brandneue Single Through The Night setzt auf intensive Breitwandsounds, die sich mit eindringlichem Klargesang wieder dem Thema Depressionen widmet. Erst gegen Ende nimmt der Song wieder ordentlich Fahrt auf und wütende Screams bahnen sich ihren Weg durch die zuvor angestauten Gefühle. Natürlich wurde das in entsprechenden bewegten Bildern umgesetzt, die ihr HIER in einem Video sehen könnt. Ein Knaller von Riff eröffnet Open Your Eyes, derbe Growl wechseln sich mit cleanen Gesangslinien ab und Michael Thomas  treibt den Song an der Schießbude mit fettem Groove erbarmungslos voran. Der Song ist wie gemacht, um einen Circle Pit zu starten.

Plagues setzt stark auf Laut-und-Leise-Dynamik, zwischen muskelbepacktem Powerdrumming und agressiven Shouts schleicht sich ein unwiderstehlicher Ohrwurmrefrain in die Gehirnwindungen, nur um danach wieder mit aggro Screams und Stakkato Riffing herausgeprügelt zu werden. Das ist gut in dem ansehnlichen Video HIER zu erkennen. Tear Me Apart ist dann die ergreifende Taschentuchballade auf dem Album. Das wird perfekt mit ganz viel Emotionen in Szene gesetzt.

Perfekt ausbalancierte Härte

Das vollgeheulte Stofftuch kann man dann bei den folgenden The Enemy und Sober getrost wieder in die Tasche stecken. Hier gibt es wieder das volle Brett auf die Ohren. Die Songs sind vorbildlich zwischen Melodie und Härte ausbalanciert und die Gitarrenfraktion frickelt sich ein paar flinke Läufe aus dem Ärmel. Den Bullet For My Valentine Moment auf dem Album schafft Rest mit poppigem, fluffigerem Arrangement. Das wirkt dadurch etwas brav und auch vorhersehbar.

Dafür entschädigt das nach vorne galoppierende Unmoved mit allem, was einen modernen Metal Song ausmacht: Treibende Rythmen mit feinen Gitarrensoli, einem hymnischen Mittelpart und intensivem Gesang. Auch Chasing Shadows bündelt die Stärken von Kill The Lights in einer packenden Nummer. Metalcoretypische Shouts und Breakdowns prallen auf einen fließenden Refrain, der im nächsten Moment von wütenden Growls weggespült wird. Voices ist eine weitere moderne Metalhymne, die vorwiegend mit cleanem Gesang und im Midtempo daran appelliert, deine Stimme zu erheben und dich nicht unterkriegen zu lassen.


Fazit
Unabhängig von allen Genreschubladen ist Kill The Lights mit The Sinner ein starkes, modernes Metal Album gelungen. Hier wird zwar das Rad auch nicht neu erfunden, aber fette Thrash Metal Riffs mit großen Breitwandsounds und emotionalen Refrains gekonnt verbunden. Den aufgeschlossenen Old-School-Headbangern und ihrem Nachwuchs, die sich gerne bei einer Diskussionsrunde mit einem Bier zusammensetzen, kann ich das Album, das in der Schnittmenge von alten Bullet For My Valentine und aktuellen Killswitch Engage liegt, mit 8,5/10 jedenfalls nur wärmstens als Soundtrack dazu empfehlen.

Line Up
James Clark – Gesang
Jordan Whelan – Gitarre
Michael “Moose” Thomas – Schlagzeug
Travis Montgomery – Gitarre

Tracklist
01. Shed My Skin
02. The Faceless
03. Watch You Fall
04. Through The Night
05. Open Your Eyes
06. Plagues
07. Tear Me Apart
08. The Enemy
09. Sober
10. Rest
11. Unmoved
12. Chasing Shadows
13. Voices

Links
Facebook Kill The Lights
Webseite Kill The Lights


Außerdem auf Soundmagnet.eu
Album Review – Kalahari – Theia
Empfehlung der Redaktion – Parabol Metalcore / Djent aus Estland
Interview – Tomas V. Jäger – Nachgefragt bei Thomas

Cooler Artikel? Diskutiere mit auf Facebook!
[Total: 7 Average: 5]
Teile diesen Inhalt mit anderen
fb-share-icon