Cløudy Skies – Changes – Album Review

Cløudy Skies – Changes
Herkunft:
Paris / Frankreich
Release:
20.01.2023
Label: Argonauta Records 
Dauer:
45:38
Genre:
Dreamgaze / Atmospheric Post-Metal


Wolkige Himmel sind etwas wunderbares für Träumer und Menschen mit Fantasie. Die beiden französischen Musiker Lionel Forest und Nicolas Simon gingen in der Vergangenheit der weniger verträumten und eher rohen musikalischen Seite in sich nach.

Zwanzig Jahre lang spielten beide als Mitglieder von Ambyo und später bei Eyes Front North zusammen. Die dort bedienten Genres waren vor allem Melodic Death, Thrash, Post-Hardcore und Metalcore. Nach solch einer langen Zeit unter schwerem Geschütz entdeckten beide Musiker den Drang sich auch in anderen Bereichen auszudrücken. Natürlich fließen die alten Erfahrung aus den Jahrzehnten Bandgeschichte mit in das neue Projekt Cløudy Skies ein. So entstand ein hochinteressanter und kaum in Kategorien einzuordnender Mix aus Musik und Emotionen.

Die sieben Kompositionen wurden gemeinsam erarbeitet und beide teilten sich die instrumentale Arbeit. Den Gesang übernahm Lionel, während Nicolas seine philosophischen Gedanken und dunklen Emotionen in den Texten verarbeitet. Für den Part des Schlagzeugs haben die beiden Conny Pettersson als Gastmusiker gewinnen können. Dieser hat seine Erfahrungen als Mitglied in Bands wie One Step Beyond, Anata, Eternal Lies und Revengia gesammelt.

Ein Blick zum verhangenem Himmel

Die vielfältige musikalische Herkunft und Kompetenz der Musiker ist geklärt, da bleibt uns nur noch das Ergebnis anzuhören. Das Debütalbum startet mit dem wohl am eingängigsten Track Another Dreams. Dichte Gitarren verhängen den Himmel, während Keyboards für eine fließende Basis sorgen. Die Instrumente und Stimmen sind in der sehr guten Produktion homogen und perfekt gemischt. Kein Instrument wird bevorzugt und auch der Gesang fügt sich in die jeweilige musikalische Stimmung ein.

Die Stimme von Lionel erinnert in seinen klaren und tiefen Lagen an Johan Edlund von Tiamat ab den 2000er Jahren. Doch es wird in den sechs Minuten des Openers Another Dreams nicht nur klar gesungen. Alle Spektren des Gesangs fließen auf dem gesamten Album Changes mit ein. Harsche Schreie, wohl der Hardcorevergangenheit entsprungen, sind genauso anzutreffen wie klarer Gesang oder temporäres Gekeife. Beim ersten Hören erkennt man nicht alle Facetten der musikalische Melange. Eine schwer greifbare Mischung entsteht, die ich euch HIER zum Anhören geben möchte.

Ein Konvolut an Ideen

Die folgenden Songs kann man alle in die Sparten Dreamgaze, Post-Metal und Ambient-Rock einstellen. Cløudy Skies machen es dem Hörer nicht leicht, denn die beiden Musiker scheinen vollgesogen mit Ideen, die Sie auf die sieben Songs aufgeteilt haben.

Nebulous Reflections macht anfangs seinem Namen alle Ehre. Eigentlich ist die Basis des Songs eine recht ruhige. Doch die Gitarre wird bewusst als Kontrapunkt eingebracht und verschärft das Gehörte mit mal zerrigen, dann doomigen und auch brachialen Klängen. Im letzten Drittel bahnt sich dann kontrollierte Energie ihren Weg und auch Lionel wechselt zu harschen Vocals. Melancholisch weinend lässt die Gitarre den Song ausklingen.

Aber die Band versucht uns akustisch nicht überzubelasten. Der dritte Song Currents wechselt zum Midtempo und nur die Gitarre unterlegt alles mit einem gedehnten schwerem Riff ein. Auch im folgenden Echoes Of The Ocean sind unheimlich vielen Wechsel und Ideen enthalten. Mit dieser Songstruktur hatte ich anfangs die größten Probleme. Zu stark schwankt der Song zwischen fast zarten Passagen und rauem Klima. Größe wird der Komposition durch die epischen Keyboards gegeben, auf dem sich alle Instrumente inklusive Gesang austoben.

Melancholie gepaart mit schmerzhafter Energie

Es folgt mit Gleams And Ghosts ein weiteres Highlight. Menschen, welche Melancholie mit Depressionen gleichsetzen, sollte sich nicht zu tief in diese Komposition fallen lassen. Gleams And Ghosts strahlt Ruhe, Schönheit und temporäre auch großen Schmerz aus. Hier ist Cløudy Skies ein Meisterwerk der Melancholie gelungen.

Es gibt keinen schlechten oder mittelmäßigen Song auf Changes. Trotzdem hat jede der langen Kompositionen seine Reize. Stars Still Shine verhüllt den nächtlichen Himmel anfangs noch mit Wolken. Doch spätestens im Mittelteil gibt uns die Band den Blick auf die Milchstraße frei. Die Vocals sind befreit und bringen ein Gefühl von Weite und Epic mit sich.

Den Abschluss bildet Haze On The Way. Sehr ruhig und sentimental startet der Song. Die Gitarrenklänge sind in den klar gesungenen Passagen keine kompakte Wand, sondern ein filigranes Instrument. Doch Cløudy Skies wissen zu überraschen und mutieren im Mittelteil zu einer großartigen Post-Black-Metal Explosion. Ein gelungener Wechsel zwischen Schönheit und brachialer Härte, den man sonst nur bei einer Band wie Deafheaven findet. Schlussendlich verklingt Changes in Melancholie und Ruhe und gibt uns Zeit das Gehörte zu reflektieren.


Fazit
Cløudy Skies machen es dem Hörer bewusst nicht einfach. Viele musikalische Stile und ein angestautes Konvolut an Ideen werden auf Changes verarbeitet. Beim ersten Hören fühlt sich das wie ein Eintauchen in einen unendlichen, kühlen Ozean an. Lässt man sich treiben, dann erkennt man die wahre Größe und Schönheit des Albums. 8 / 10

Line Up
Lionel Forest – alle Instrumente, Gesang
Nicolas Simon – alle Instrumente
Gastmusiker
Conny Pettersson – Schlagzeug

Tracklist
01. Another Dream
02. Nebulous Reflections
03. Currents
04. Echoes Of The Ocean
05. Gleams And Ghosts
06. Stars Still Shine
07. Haze On The Way

Links
Facebook Cløudy Skies 
Instagram Cløudy Skies 
Bandcamp Cløudy Skies 

 


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