We Sell the Dead/John Diva and the Rockets of Love – 27.12.2019, Knust Hamburg – Live Review

John Diva and the Rockets of Love – Mama said Rock is Dead-Tour / Support: We Sell The Dead
Veranstaltung: 27.12.2019, Kunst Hamburg
Herkunft: Kalifornien/USA, Schweden
Ticket: 23,70 ,-
Genre: Glam-Rock, Hard Rock / Heavy Metal


Die Weihnachtsfeiertage sind kaum verstrichen, die Weihnachtsgans nur halb verdaut, da zieht es mich schon nach Hamburg, der Perle des Nordens. Heute spielen im Knust We Sell the Dead, mit deren Lead-Gitarristen Niclas Engelin (In Flames, Engel) ich bereits am Nachmittag ein Interview führen durfte, als Vorband zu John Diva and the Rockets of Love.

Zuvor galt es für mich jedoch zwischen Interview und Veranstaltung Zeit zu überbrücken und ich möchte an dieser Stelle einfach mal die Gelegenheit nutzen, die hervorragende Musikkultur Hamburgs zu loben. Rund um das Knust im berühmtem St. Pauli sind große und gut sortierte Plattenläden zu finden, die die Augen eines jeden Musikliebhabers zum Leuchten bringen sollten – darunter auch für spezielle Richtungen oder gar nur lokalen Labels gewidmet.

Aber genug geschwärmt. Der Einlass naht. Die Schlange vor dem Knust wächst zu einer beachtlichen Länge heran. Kein Wunder – die Show ist heute ausverkauft. Das ließ mir Gelegenheit, die bunte Vielfalt an Besuchern zu bestaunen. Von jung bis alt war alles dabei, vor allem aber: neben den typischen Metallern in schwarz standen auch viele in knalligen Farben, Tiermusterstoffen und… Kunstperücken? Ich tat es damit ab, dass ich in Hamburg war und ging rein ins Knust.

Eine verwinkelte, relativ kleine Location mit einem Floor vor der schmalen Bühne und einer Galerie im oberen Stockwerk, in welcher weitere Zuschauer Platz finden können. Insgesamt ca. 500 Leute passen in diese ehemalige Rinderschlachthalle. Dass die Veranstaltung ausverkauft war, konnte ich gleich zu Beginn spüren. Ein Nachteil an Konzertbesuchen im Winter ist nämlich die entsprechende Kleidung, die man erst einmal los werden will. Wie die 499 anderen Besucher auch. Die Garderobe ist über den verwinkelten Treppenaufgang im Obergeschoss zu finden – und ich stand ganz hinten, im Erdgeschoss.

Gerade als ich meine Marke von der netten Dame erhielt, die mir die Jacke abnahm, begann also bereits We Sell the Dead ihren Auftritt. Und sie legten ordentlich los. Man merkte sofort: sie wollten heute alles geben und starteten mit ihrer neusten Single Black Sleep aus dem kommenden, gleichnamigen Album. Es ist das dritte Konzert, dass diese Band in ihrer Geschichte live aufführt, wie Lead-Singer Apollo Papathanasio später verkündet. Es folgte Across the Water, die erste Singleauskopplung aus Black Sleep, und darauf zwei Titel des Debüt-Albums Heaven doesn’t want you and Hell is full. Zum Abschluss präsentierte die Band schließlich mit Hour of the Wolf und Carved in Stone zwei weitere unveröffentlichte Titel, die den Appetit auf die neue Platte schüren sollen. Nach etwa einer halben Stunde war der Spaß aber leider bereits vorbei. Schade. Von mir aus hätten sie gerne noch ein paar weitere Titel spielen können. Das Publikum schien zumindest auch in Stimmung und rief nach Zugabe. (Tracklist: Black Sleep, Across the Water, Turn it Over, Echoes of an Ugly Past, Hour of the Wolf, Carved in Stone)

Es wäre auch im Sinne der Veranstaltung gewesen, den Auftritt noch etwas zu verlängern, denn nachdem die Band um Niclas Engelin ihr Equipment abbaute folgte eine lange Weile nichts. John Diva and the Rockets of Love waren für 22 Uhr angesetzt. Somit mindestens eine halbe Stunde nur Musik aus der Dose. Mit zehnminütiger Verspätung und nach ersten Pfiffen aus dem Publikum, es möge weitergehen, erschien ein Ansager auf der Bühne und kündigte mit großer Gestik die Band direct from San Diego an. Wieviel davon wahr ist, lasse ich jetzt dahingestellt und wahre den Schein, denn sofort ist zu merken: für John Diva and the Rockets of Love geht es vor allem um die Show. Eine fette 80’er Glam-Rock-Revival-Party, die sie mit Get it on aus ihrem Debütalbum Mama said Rock is Dead – welches sie mit dieser Tour promoten – einleiteten.

Ich muss an dieser Stelle gestehen: John Diva war mir zuvor völlig unbekannt und hätte ich am Bandnamen zwar das Genre grob erahnen können, hatte ich keine Ahnung, worauf ich mich einlasse. Aber ich merkte an dieser Stelle den Grund für die eingangs erwähnte bunte Mischung im Publikum. An diesem Abend trafen ganz einfach Welten zusammen. Auf der einen Seite die Metaller mit schwarzen Band-Shirts von Amon Amarth, Metallica oder Motörhead, die zur neuen Band des In Flames-Gitarristen headbangen wollten. Auf der anderen Seite die fast schon ins Trashige kostümierten Fans des Glam-Rock der 70’er und 80’er rund um Bon Jovi, Aerosmith oder Kiss. Darunter auch viele Fans der ersten Stunde, die noch in Clubs dabei waren, in denen 20 Mann vor der Bühne standen.

Und von Party versteht John Diva mit seinen Liebesraketen etwas, denn mit ganzen 18 Titeln fütterten sie die Menge neben Eigenkompositionen des neuen Albums auch mit Cover-Versionen von Klassikern, mit denen die Band diese Menge an Fans erst zusammenbrachte. Darunter I was Made for Lovin‘ You von Kiss, I Love Rock ‘n’ Roll von The Arrow sowie Paradise City der Guns N’ Roses oder Bon Jovis Livin on a Prayer. Die Liste liest sich wie der Awesome Mix von Barney Stinson aus How I met your mother. Abschließend bedankte sich die Band beim Publikum mit zwei weiteren Titeln als Zugabe und beendeten mit Don’t Stop Believin‘ den Abend.

Tracklist John Diva and the Rockets of Love:
Get it on
Whiplash
Lolita
Blinded
Wild Wild Life
Here I Go Again (Cover: Whitesnake)
I Was Made for Lovin’ You (Cover: Kiss)
I Love Rock ‘N’ Roll (Cover: The Arrows)
Fire Eyes
Hush (Cover: Joe South)
Drum Solo
Rock N‘ Roll Heaven
Toxic
Livin‘ on a Prayer (Cover: Bon Jovi)
Paradise City (Cover: Guns N’ Roses)
Long Legs in Leggins
We’re Not Gonna Take it (Cover: Twisted Sister)
Rocket of Love
Zugabe
Dance Dirty
Don’t Stop Believin‘ (Cover: Journey)


Ein sehr vielseitiger Abend, um es zusammenzufassen. Sicherlich wurden die Fans beider Seiten gut bedient, wenngleich die Zeit mit We Sell the Dead doch sehr kurz war. Insgesamt ist vielleicht auch die Mischung der beiden Bands nicht so glücklich, denn nachdem man mit Heavy Metal/Hard Rock in Reinform angefüttert wurde, erwartet man irgendwie alles andere als Glam-Rock. Wie dem auch sei: nach einem langen Abend, einem neuen Band-Shirt (natürlich We Sell the Dead) und einem Foto mit der Band konnte ich glücklich und geschafft heimkehren.

Links: 
Webseite John Diva
Facebook John Diva
Webseite We Sell The Dead
Facebook We Sell The Dead
Knust Hamburg

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