Erdling – Yggdrasil – Album Review

Erdling – Yggdrasil
Herkunft:
Deutschland
Release:
10.01.2020
Label:
Out Of Line
Dauer:
38:50
Genre:
Dark Rock, NDH


Die Band Erdling hat sich 2015 aus der Band Stahlmann gegründet und konnte mit der Debütsingle Blitz und Donner direkt auf sich aufmerksam machen. In den drei darauffolgenden Jahren erschien je ein Album. Mit den Scheiben konnte die Band sich eine steigende Fanbase erspielen und auch die erste Headlinertour starten. Im Herbst 2019 erschien mit Wir Sind Midgard eine Single, die sicher nicht nur mich überrascht hat: Man erkannte zwar musikalisch, dass es sich um die Band Erdling gehandelt, aber textlich ging man in Richtung der germanischen Mythologie. Nahezu zeitgleich folgte die Ankündigung für ein neues Album. Darauf war ich nach dem etwas schwächeren Album Dämon und den für mich überzeugen vorveröffentlichten Singles sehr gespannt.

Das Album beginnt mit einem kurzen Intro, welches den Namen Hel hat. Neben etwas aufbauenden Klängen, wird mit Erzählparts eröffnet. Leider ähnelt die Stimme einigen aus der Werbung und ich erwarte ein Satz wie „Willkommen bei 02“. Der Gedanke ist nicht schlecht, aber das erste Albumintro in der Bandgeschichte kann mich nicht wirklich begeistern. Recht metallisch und mit harten E-Gitarrenklängen kommt dann der Blizzard als Opener daher und auch der Refrain ist für Bandverhälltnisse hart. Es folgt das oben erwähnte Wir Sind Midgard. Das Lied beginnt elektronisch und wie erwähnt steht der Text schon etwas im Kontrast zur Musik. So haben wir auch Erdling typische Elemente, wie den Kontrast zwischen harten Gitarren und sehr melodischen Gesang oder ein im NDH oder elektronischen Gothic Bereich oft verwendeten Stampfbeat. Dennoch haben Erdling hier einen brutalen Ohrwurmrefrain rausgehauen und seit Singlerelease schallt das Stück öfter durch die Wohnung.

Bei Hundert Welten kommt im Refrain auch deutlich die erste folkige Melodie. Die elektronische Untermalung gibt dem Lied einen interessanten Touch. Wenn ich mich festlegen müsste, ist es wohl mein Lieblingslied auf dem Album. Am Heiligen Hain bietet musikalisch wieder melancholischen Dark Rock, ohne aber im Refrain an Eingängigkeit einzubüßen. Das nächste Lied bringt den ersten Gastsänger mit sich: So steuert bei Im Namen der Krähe Robert Martin Dahn (Equilibrium, Minas Morgul) einige Growlparts bei. Besonders in letzter Zeit ist der gute Robse bei so vielen Sachen dabei: So finden wir ihn alleine im vergangenen Jahr neben der Single mit Erdling auf den Alben von Bucovina, Munarheim und Saxorior. Es macht schon Sinn einen Sänger einer sehr bekannten ehemaligen Pagan Metal Band sich bei einem Album, welches sich inhaltlich mit der germanischen Mythologie beschäftigt, ins Drachenboot zu holen. Er bringt auch nochmal eine andere Aggression und auch Düsternis mit sich. Es gibt auch einen harten Gitarrenlead. Der Refrain ist verhältnismäßig ruhig und geht gut ins Ohr.

Mit Sturmfänger folgt das bisher längste Erdlinglied der Bandgeschichte. Es ist eine Ballade, in der ich leider viel zu oft das Gefühl habe, dass man zwanghaft einen Reim bringen möchte. Der Song hat zwar einen guten, kräftigen Refrain, aber sonst ist es für mich der schwächste Titel auf dem Album. Blut und Erde beginnt im Vergleich dazu sehr hart und der Songtitel wird am Anfang sehr häufig (acht Mal) wiederholt. Der Song spielt mit dem Kontrast aus harter Strophe und eingängigen Refrain und wir hören noch einige Male Blut und Erde.
Im musikalischen Teil setzt man auf ein von mir leider nicht zu erkennendes Instrument, welches aber vom Computer kommt. Nach Bestienschreien legt Grendel mit fettem und kräftigem Modern Metal los. In der Strophe geht man beinahe in einen Growl.
Der Refrain ist dafür wieder sehr eingängig. Wölfe der Nacht würde im Anschluss textlich auch sehr gut zu Varg passen und handelt vom Gemeinschaftsgefühl. Ist das eine Kandidatur fürs nächste Wolfsfest? Ich hätte nichts dagegen. Der Song ist der zweite mit Gastsänger und so ist Blutengels Chris Pohl ebenfalls ein Wolf der Nacht. Der Song bringt natürlich deutliche Gothic Elemente und könnte auf den Gothic Partys des Landes zum Klassiker mutieren. Mit einem poppigen “Ohoho” beginnt der Titeltrack Yggdrasil. Mit einem fetten, leicht folkigen Party Refrain bleibt der Song sicher nicht bei jedem positiv im Gedächtnis. Auch ist es teilweise textlich, nennen wir es mal eher ungewollt unterhaltsam. Dafür sagt mir das Outro zu.


Albumfazit: Wie in der Einleitung erwähnt, hatte ich nach den 4 pre-Releases wahnsinnig Lust und mit Grendel und Hundert Welten hat man das Niveau mindestens halten können. Erdling hat es geschafft aus einer sehr breiten, grauen Masse hervorzustechen. Yggdrasil hat einige Hooklines zu bieten und das Album macht wahnsinnig Spaß zu hören. Des weiteren ist es definitiv das härteste Album der Band. Leider können mit Sturmfänger und dem Titeltrack Yggdrasil zwei Songs nicht so wirklich mithalten. Auch werde ich mit dem Intro noch nicht so ganz warm. Dennoch sind meiner Meinung nach 8/10 definitiv verdient.

Line Up 
Neill Freiwald – Gesang, Gitarre, Programmierung
Neno Knuckle – Gitarre
Robin Sem Verdföllnis – Bass
Christian Eichlinger – Schlagzeug

Tracklist

  1. Hel (Intro)
  2. Blizzard
  3. Wir Sind Midgard
  4. Hundert Welten
  5. Am Heiligen Hain
  6. Im Namen der Krähe
  7. Sturmfänger
  8. Blut Und Erde
  9. Grendel
  10. Wölfe Der Nacht
  11. Yggdrasil

Links:
Facebook Erdling
Webseite Erdling

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