Rob Philipps Siren – Beyond The Rainbow – Album Review

Rob Phillips Siren – Beyond The Rainbow
Herkunft:
Florida / USA
Release:
15.06.2020
Label:
Self-Release / Europavertrieb: GOM Records
Dauer:
52:49
Genre:
Rock / Progressive Rock


Die US-Amerikaner Siren hatten mit der Veröffentlichung ihres bockstarken Comebackalbums Back From The Dead erst im April heftige Glücksmomente bei mir erzeugt. Ganze 30 Jahre nach ihrem letzten Release war ein derartig authentisches und doch zeitgemäßes Album wirklich nicht zu erwarten. Dabei bin ich auch in die bewegte Geschichte der Band durch Ed Aborns e-book, zu dem ihr HIER kommt, eingetaucht.

Darin beschreibt der Schlagzeuger, der die aktuelle Reunion ins Rollen brachte, die frühen Jahre der Band, als Rob Phillips mit Hal Dunn und Mike Martinez 1981 Siren gründete. Der Karriereweg war für die Band steinig und durch viele Besetzungswechsel geprägt, bis Siren nach nur zwei Alben 1991 zu Grabe getragen wurde. Als Rob 2005 an neuem Songmaterial als Sänger und Songwriter arbeitete, verwendete er den Bandnamen mit neuem Logo weiter. Er sicherte sich nach der Veröffentlichung seines zweiten Albums You Never Noticed sogar die offiziellen Rechte an dem Bandnamen, obwohl er musikalisch in eine weit weniger metallische Richtung unterwegs war.

Als Ed Aborn 2018 die Reunion der ursprünglichen Band Siren anstrebte, lehnte Rob eine Beteiligung ab, obwohl er und Ed nach wie vor über die Jahre befreundet geblieben sind. Aber dafür war Ed an der Vorproduktion von Beyond The Rainbow beteiligt und Siren Gitarrist Todd Grubbs spielte die Gitarrenspuren auf dem Album ein. Somit sind die Familienbande auf Rob Phillips Siren doch noch eng miteinander verknüpft.

Entsprechend gespannt war ich, wie Beyond The Rainbow klingen wird, als ich die CD zum ersten Mal in den Player legte. Lawless Life rollt dynamisch und satt durch die Boxen. Altmeister Jim Morris hat auch für Rob Phillips Siren einen tollen Job an den Reglern abgeliefert. Die progressive Hard Rock Nummer mit viel Groove in Verbindung mit der kräftigen Stimme von Rob sind ein guter Einstand. High Wire und Crazy Legs wechseln dann schon in einen entspannteren Singer/Songwriter Modus, der trotzdem den Hard Rock-Background des Bandleaders immer wieder aufblitzen lässt, dafür sorgen die wummernden Bässe von Tieftöner Chris Bonelli, das dynamische Drumming von Mike Cupino und die feinen Gitarrensoli von Todd Grubs.

Ein gefühlvoller, verträumter Song über Leidenschaft und Sehnsucht mit viel Melancholie im Gesang ist Empty Ocean geworden. Der Song wirkt sehr intim und nachdenklich. Eine geradezu fröhliche Aufbruchstimmung transportiert als nächstes der Up-Tempo-Rocker No Vacancy. Mit schönen Flamenco Gitarren wartet Forever Now Never auf, dadurch entsteht eine entspannte Atmosphäre, die einen durch den Song trägt. Den Song würde ich zusammen mit dem Opener auch als Anpieltipp nennen, um das breitegefächerte Spektrum des Albums abzuchecken.

Im Anschluss wird die Classic Rock Maschine bei Red Wings angeworfen, das Ganze wird zusätzlich auch mit einer ordentlichen Portion Prog Rock vermengt. Mit Sundown bleibt Rob Phillips im progressiven Rock. Hier werden jazzige Strukturen, eine dröhnende Hammond Orgel und feine Melodien zu einer wahren Achterbahnfahrt ineinander verwoben.

End User ist für mich der schwächste Song auf dem Album, bei dem die gesanglichen Grenzen von Rob am deutlichsten werden. Die wabernden Hammond Orgel Sounds machen Be Right Now zu einer schmissigen 1970er Rock Nummer, auf der Todd Grubbs auch wieder einige leckere Gitarrenparts verteilt hat. Mit Sympathetic Response verabschiedet sich Rob Phillips mit einer insgesamt ruhigeren Nummer, die den Singer/Songwriter Aspekt in seinem Siren Projekt erneut betont.


Fazit
Man darf auf Beyond The Rainbow natürlich keinen Heavy Metal im Stil von Siren erwarten. Rob Phillips Siren haben damit rein gar nichts am Hut. Vielmehr gibt es hier authentischen, leicht progressiven Rock mit Singer/Songwriter Charakter, auf dem eine Band mit viel Leidenschaft und völlig ohne kommerzielle Ansprüche ihre Musik präsentiert. Trotzdem haben die alten Hasen hier mit der Produzentenlegende Jim Morris ein klanglich perfekt ausbalanciertes Album eingespielt, das zwar gerade im gesanglichen Bereich nicht unbedingt den Anspruch auf höchste Perfektion legt, aber dafür mit viel Hingabe zu Werke geht. Von mir gibt es dafür eine Wertung von 7,5/10 für ein Album, das nach einem anstrengenden Arbeitstag bei einem kühlen Bier für Entspannung sorgt.

Line Up
Rob Phillips – Gesang
Mike Cupino – Schlagzeug
Todd Grubbs – Gitarre
Chip Gardner – Keyboards
Chris Bonelli – Bass

Tracklist
01.Lawless Life
02.High Wire
03.Crazy Legs
04.Empty Ocean
05.No Vacancy
06.Forever Now Never
07.Red Wings
08.Sundown
09.End User
10.Be Right Now
11.Sympathetic Response

Links
Bandcamp Rob Phillips Siren


Außerdem auf Soundmagnet.eu:
Album Review – Siren – Back From The Dead
Interview –  Siren – Nachgefragt bei Ad Aborn
Album Review – Shok Paris – Full Metal Jacket

 

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