Paradise Lost – At the Mill – Live Album Review

Paradise Lost – At the Mill
Herkunft:
Halifax / UK
Release:
16.07.2021
Label: Nuclear Blast
Dauer:
73:37
Genre:
Gothic Metal / Melodic Doom / Death Metal


Foto Credit: Anne C. Swallow

Paradise Lost sind seit 1988 eine stetig wachsende Größe im Bereich Gothic, Doom und Death Metal. Die Band steht für über dreißig Jahre Stabilität in Hinsicht auf musikalische Qualität, stetigen Output, aber auch Stabilität in der Bandbesetzung.

Auf diesem Fundament hat sich die Band einen Bekanntheitsgrad und Fananhang erspielt, der von den alten Grauhaarigen bis zu denen reicht, die bei Bandgründung noch nicht auf der Welt waren. Trotz dem Paradise Lost wahrscheinlich glaubten schon alles erlebt zu haben, trafen auch sie Lockdown und Pandemie recht unvorbereitet.

Erwacht aus der Starre

So hat es über ein halbes Jahr des Wartens auf Normalisierung gedauert, bis die Band am 05.11.2020 im Nachtklub The Mill, in der Nähe ihrer Heimatstadt in der englischen Grafschaft Yorkshire, das erste Streamingkonzert gaben.

Ich stehe digitalen Erlebnissen emotional relativ skeptisch gegenüber. Trotzdem bin ich am musikalischen Ergebnis mehr als interessiert, denn dieser Output liegt uns nun in diversen Varianten vor. So muss sich das Release At the Mill sowohl an den Fanerwartungen als auch den Streamingkonzerten diverser anderer Bands messen.

Im Angesicht von sechzehn Studioalben und einer Setlist von sechzehn Tracks liegt die Erwartung nahe, von jedem Album ein Highlight zu erwarten. Doch so einfach machen es sich Paradise Lost nicht. Wurden sie bei den letzten Livealben von einem Orchester unterstützt, so geht es 2021 wieder mehr zurück zur Bühnenbasis. Der Sound ist rau, nicht immer perfekt und man hört die Enge des Raumes, was dem ganzen einen ehrlichen, livehaftigen Charakter verleiht.

Aus der Fülle die besten Pralinen herauspicken

Das war wahrscheinlich die große Kunst im Vorfeld des Gigs, sich weder in den Klassikern zu wiederholen und trotzdem den vielen Erwartungen gerecht zu werden. So wird natürlich das letzte Studioalbum Obsidan mit drei Songs bedacht, aber mit der Eröffnung Widow von Icon und Shadowkings vom Album Draconian Times hätte sicher nicht jeder gerechnet.

Paradise Lost fordern ihre Hörer im Laufe des Gigs, so wie sie es schon immer musikalisch in ihrer Entwicklung getan haben und reihen über dreißig Jahre ohne Scheu aneinander. Jedes ihrer Alben hatte seine eigenen Trademarks und wurde nicht von allen gleich geliebt, aber insgesamt holte es die Hörerschaft stetig ab.

Das Wichtigste ist: Man hört immer, dass es auch Paradise Lost ist. Trotz dem die Stimme von Nick Holmes schon älter und reifer klingt, ist sie in Verbindung mit dem Gitarrenspiel von Greg Mackintosh ein Markenzeichen, dass man nicht überhören kann. So gibt es zu Erwartendes wie die Klassiker Gothic, One Second oder HIER als Beispiel für die Atmosphäre As I Die, aber auch das neuere, auf die Anfangstage zurückbesinnende, Beneath Broken Earth. Darauf folgt, ohne Scheu und Berührungsängste, das poppige So Much Is Lost. Die Band, die Livestimmung und der dem Album eigene Sound formen aus den Jahren und stilistischen Ausbrüchen eine Einheit.

Worauf muss man verzichten und muss man wirklich?

Stilistisch wäre das Spagat wahrscheinlich zu groß gewesen Tracks von ersten Album ins Programm zu nehmen und auch in der Mitte der Discografie bleiben drei Alben der 2000er unbeachtet. Doch es geht mir da wie neulich im Getränkemarkt: das Angebot ist riesig, der Durst scheint unbesiegbar, aber schlussendlich schmeckt doch die getroffene Auswahl ganz trefflich.
Paradise Lost haben alles richtig gemacht und werden uns demnächst sicher live mit einer neuen Setlist überraschen. Wir werden wieder genießen, die ungespielten Hits vermissen und trotzdem danach zufrieden nach Hause ziehen.


Fazit
Nach vergangenen Livealben mit Orchesterverstärkung geht es auf At the Mill wieder ursprünglicher und rauer zu. Auch haben Paradise Lost einige ungeahnte Perlen auf der Setlist, die nahezu alle Facetten der Bandgeschichte abdecken. Da bleibt mir letztendlich nur eine uneingeschränkte Kaufempfehlung auszusprechen.

Line Up
Nick Holmes – Gesang
Greg Mackintosh – Gitarre
Aaron Aedy – Rhythmusgitarre
Steve Edmondson – Bass
Waltteri Väyrynen – Schlagzeug

Tracklist
01. Widow
02. Fall From Grace
03. Blood And Chaos
04. Faith Divides Us – Death Unites Us
05. Gothic
06. Shadowkings
07. One Second
08. Ghosts
09. The Enemy
10. As I Die
11. Requiem
12. No Hope In Sight
13. Embers Fire
14. Beneath Broken Earth
15. So Much Is Lost
16. Darker Thoughts

Webseite Paradise Lost
Facebook Paradise Lost


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