Pale Divine – Consequence Of Time – 25 Jahre Traditionen pflegen – Album Review

Pale Divine – Consequence Of Time
Herkunft:
Pennsylvania/USA
Release:
26.06.20
Label:
Cruz Del Sur Music
Dauer:
42:42
Genre:
Heavy Metal/Doom Metal


Seit 25 Jahren bestehen Pale Divine aus Pennsylvania nun schon und kultivieren dabei ihren Sound, der seine Inspiration aus den Jahren zieht, als Heavy Metal, so wie wir ihn heute kennen, noch in den Kinderschuhen steckte. Gruppen wie Black Sabbath, Pentagramm oder Judas Priest entdeckten Anfang der 1970er Jahre die Wirkung von harten Riffs und experimentierten mit dem neu entdeckten harten Sound. Während all diese Bands später modernere Einflüsse in ihren Sound einfließen ließen, hielten die Amerikaner am doomlastigen Proto Metal dieser Tage fest. Consequence of Time ist inzwischen das sechste Album von Pale Divine, die sich für ihr Debütalbum beim italienischen Cruz Del Sur Music Label mit dem ehemaligen Beelzefuzz Gitarristen Dana Ortt 2018 verstärkt haben. Keine überraschende Neubesetzung, denn Gitarrist/Sänger Greg Diener und Schlagzeuger Darin McCloskey spielten ebenfalls mit Ortt bei Beelzefuzz und kannten somit seine musikalischen und menschlichen Vorzüge. Zudem haben sie durch ihn einen zusätzlichen fähigen Sänger bekommen, der das Klangbild von Pale Divine weiter bereichert. Das großartige Cover-Artwork für Consequence of Time wurde vom Künstler Brian Tutlo geschaffen, der in der Vergangenheit ebenfalls für Beelzefuzz als Coverartist tätig war. Man wollte anscheinend für das Jubiläumsalbum nichts dem Zufall überlassen.

Für mich ist es die erste Begegnung mit Pale Divine und entsprechend unvoreingenommen kann ich den Opener Tyrants & Pawns auf mich wirken lassen. Sofort fühle ich mich in die frühen 1970er Jahre zurückversetzt.
Verspielte Gitarrenharmonien treffen auf dezent eingestreute härtere Riffs, die Rhythmusfraktion hält mit einem stoischen Beat den Song in der Spur und der Gesang von Greg Diener ist nie zu aufdringlich. Eine Hörprobe zum Song findest du HIER. Bei Satan in Starlight rückt der Sound ein wenig näher an die Anfänge von Judas Priest, als sie mit Songs wie Dreamer Deceiver erste Ausflüge in eine Richtung tätigten, aus der mit der NWOBHM eine Bewegung werden sollte, die in die Musikgeschichte einging. Auch Shadow’s Own und Broken Martyr stehen in alter Tradition mit den Veröffentlichungen von Sir Lord Baltimore oder Captain Beyond, die mit den Möglichkeiten der verzerrten Klänge der elektrischen Gitarre experimentierten. Getragener, melodieverliebter Hard Rock bestimmt das Klangbild.

Mit Phantasmagoria  findet für mich ein plötzlicher, unerwarteter Stilwechsel statt. Tiefe Molltöne, gepaart mit stimmungsvollen akustischen Gitarren und schweren Slow-Mo-Klängen verweilen unvermittelt im klassischen Doom Metal, wie ihn  Trouble, St. Vitus oder Pentagramm damals ausgiebig zelebrierten, bevor er in den 80ern den Mainstream erreichte. Das Titelstück Consequence of Time wagt mit einer Länge von über zehn Minuten erneut den Sprung in die Anfänge der NWOBHM. Schwere Riffs und viel Liebe für verspielte Gitarrenmotive lassen den abwechslungsreich und spannend arrangierten Mammutsong zu keiner Sekunde langweilig werden. Mit No Escape steht im Anschluss sogar ein richtig treibender Banger auf dem Programm, der mit deutlich rauerem Gesang aufwartet.
Da es im beiliegenden Infosheet nicht explizit erwähnt wird, kann ich nur vermuten, dass Neugitarrist Dana Ortt hier die Lead Vocals übernommen hat. Den Schlusspunkt setzt Saints of Fire mit epischem Doom Metal, auf dem Greg Diener wieder mit schönen klaren Gesangsmelodien besticht, während das ausgefeilte Riffing und die melodischen Leads nach jedem Hördurchgang neue Feinheiten erkennen lassen.


Fazit:
Ich muss zugeben, dass mich Consequence of Time zunächst nicht wirklich abgeholt hat. Zu angestaubt und old school erschien mir der Proto Metal der amerikanischen Veteranen. Aber mit jedem Durchlauf, gerade unter dem Kopfhörer, entdeckte ich immer mehr Feinheiten in den Songs. Nummern wie der gigantische Titeltrack und das mitreißende, straight rockende No Escape setzten sich in meinem Kopf fest. Inzwischen habe ich mich auch ein wenig durch den Backkatalog von Pale Divine gehört und muss sagen, mit dem neuesten Dreher haben sie zum 25. Bandjubliäum ihr Meisterstück geschmiedet. Wer eine der in meinem Review als Referenz aufgeführten Kult Bands oder neue Vertreter des Proto Metal, wie Smoulder oder Pulver, zu seinen Faves zählt, sollte unbedingt Consequence of Time anchecken und dem Quartett aus Pennsylvania ein Ohr schenken, es lohnt sich. Das ergibt verdiente 8/10 von mir.

Line Up:
Greg Diener – Gitarre, Lead Gesang
Dana Ortt – Gitarre, Gesang
Darin McCloskey – Schlagzeug
Ron McGinnis – Bass

Tracklist:
01.Tyrants & Pawns 
02.Satan in Starlight 
03.Shadow’s Own 
04.Broken Martyr 
05.Phantasmagoria 
06.Consequence of Time 
07.No Escape 
08.Saints of Fire 

Links:
Facebook Pale Divine
Bandcamp Pale Divine

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