Orgöne – Mos/Fet – Album Review

Orgöne – Mos/Fet
Herkunft:
Rennes, Frankreich
Release:
19.06.2020
Label:
Heavy Psych Sounds Records
Dauer:
78:28
Genre:
Avantgarde Doom Rock / Acid / Psych Rock


Das französische Quintett Orgöne veröffentlichte kürzlich ihr Debüt-Album Mos/Fet. Anstatt dabei aber zunächst einen Appetithappen zu servieren, starten sie gleich einmal mit einem fast 80 minütigen Doppelalbum. Und davon nicht genug. Umklammert werden die insgesamt acht Titel von zwei 20 Minuten andauernden Riesen, die stilistisch so ziemlich alles hineinpacken, was scheinbar möglich ist.

2016 entstand die Band zunächst aus der Idee von Bassist Nick Le Cave, Gitarrist Marlen Stahl und zunächst Mat La Rossa am Schlagzeug, eine Back-to-Basics Rock-Band zu gründen. Mit der französisch Polin Olga Rostropovich war daraufhin Orgöne geboren. Zusammen erforschten sie verschiedene Richtungen und vermischten diverse Stile. Mit dem Ausstieg von Mat La Rossa und Neuzugang von Allan Barbarian am Schlagzeug und Tom Angelo  (beide auch in der Stoner Band Djin) am Keybord war die Band schließlich komplett und fand ihren ganz eigenen Klang, den man nun auf Mos/Fet hören kann.

Ein Kompositum das inhaltlich – wie sie es selbst beschreiben – Science-Fiction Mythologie, 1970’er Pop Kultur, Stile des alten Ägyptens, Pan-Afrikanische Klänge, den Weltraum und paranormale Forschung in sich vereint. Kann das funktionieren? Wir werden sehen.

Kalter Krieg trifft auf das alte Ägypten

Passenderweise nennt sich der erste Titel der Scheibe Erstes Ritual und ist ein über 19 minütiger Gigant, der sich zwischen Prog-Rock und Doom-Metal hin und her bewegt. Ein experimentaler Trip, angeleitet von Olga Rostropovichs eindringlichem Gesang, der sowohl klar im Vordergrund brilliert, als auch mit vereinzelten Shouts, Glucksern und Schreien im Hintergrund auftritt.

Ihre polnische Herkunft klingt dabei sehr bewusst immer im Akzent mit, behandelt das Album doch mit folgenden Titeln wie Requiem for a Dead Cosmonaut, Soviet Hot Dog oder East Song wiederholt Themen aus dem Kalten Krieg und der UdSSR. Ersteres ist eine ruhige, wenngleich nicht weniger experimentelle Hommage an Juri Gagarin, aus welchem einen besonders Rostropovichs verzweifelte Rufe nach Juri in Erinnerung bleiben. Soviet Hot Dog ist hingegen deutlich härter. Neben den doomigen Riffen tauchen jedoch auch ruhige Bassparts auf, in denen der Gesang einer Erzählung weicht und immer wieder russisch und englisch vermengt wird.

Eine Reise durch den kalten Krieg

Mit dem East Song folgt ein verträumter Titel über die Zeit des kalten Krieges und der gespaltenen Welt. Zu Beginn noch mit deutlich sphärischer Atmosphäre, entwickelt sich der Titel erst zum Ende hin zu einem schnelleren und härteren Rocktitel mit Gitarren-Riff inklusive Wha-Effekt und einem gelungenen Solo zum Schluss.

Thematisch in eine ganz andere Richtung geht es in der zweiten Hälfte mit Ägyptology. Orgöne schaffen es sehr gut, diese neuen Elemente in ihren ganz eigenen Stil mit einzubauen. Der nun gewohnte Klang wird bereichert durch ägyptisch anmutende Nuancen und untermalen so den Inhalt sehr stimmig. Gleiches ist von der folgenden, reinen Doom-Metal-Nummer Mothership Egypt zu sagen.
Hier tritt der Gesang mehr in den Hintergrund und gibt so den einzelnen Instrumenten die Chance, sich zu beweisen. Insbesondere Tom Angelo zeigt hier, wie genial sich ein Keyboard auch im Doom-Metal einbauen lässt und schafft es somit kurzweilig Erinnerungen an ältere Pink Floyd Songs aufblitzen zu lassen.

Das Thema Ägypten beendet schließlich Rhyme of the Ancient Astronaut mit einem wieder deutlich experimentellerem Sound zwischen rockigen Einlagen und ruhigen Synth-Parts. Womit letztlich der Closer Astral Fancy folgt. In erneut knapp 20 Minuten wird das Album mit zähen und schwermütigem Prog-Rock beendet. Damit wird der Titel zwar nicht weniger interessant, aber bisweilen auch etwas langatmig.


Fazit
Mos/Fet bietet einen durchaus interessanten Trip durch Raum und Zeit und bietet mit seinem experimentellen Klang einen abwechslungsreichen Hörgenuss. Mit dem Mix aus Doom-Metal und Prog-Rock bleibt es lebhaft, wird durch die experimentellen Stücke jedoch auch sehr speziell und nicht zwingend für jeden etwas. Es empfiehlt sich zudem, das Album einige Male durchlaufen zu lassen, um es in seiner Gänze erfassen und genießen zu können. Wer es abgefahren mag und auch Lili Refrain in seiner Sammlung aufgenommen hat, für den ist Orgöne auf jeden Fall ein Blick wert. 8/10!

Line Up
Allan Barbarian – Schlagzeug, Percussion, Hintergrundgesang
Nick Le Cave – Bass, Hintergrundgesang
Tom Angelo – Keyboard, Synth, Mandoline, Klarinette
Marlen Stahl – Gitarre, Cello, Violine, Hintergrundgesang
Olga Rostropovitch – Gesang

Tracklist
01.Erstes Ritual 
02.Requiem for a Dead Cosmonaut 
03.Soviet Hot Dog (Le Tombeau de Laїka) 
04.East Song 
05.Ägyptology 
06.Mothership Egypt 
07.Rhyme of the Ancient Astronaut 
08.Astral Fancy 

Links
Facebook Orgöne


Außerdem auf Soundmagnet.eu
EP Review – Lili Refrain – ULU
Album Review – Acid Mammoth – Under Acid Hoof
Album Review –
Bofo Kwo – Space/Time Carnivorium

Cooler Artikel? Diskutiere mit auf Facebook!
[Total: 3 Average: 5]
Teile diesen Inhalt mit anderen
fb-share-icon