Once Human – Nachgefragt bei Lauren Hart – Interview

Nach fünf langen Jahren dürfen Fans endlich das dritte Album der amerikanischen Melodic Death Metaller Once Human in Händen halten. Wir haben mit Frontfrau Lauren Hart darüber geredet, was da so lange gedauert hat, warum sie in der Band nur singt und dass man Österreichisch nicht im Deutschkurs lernt.

You can find the original interview in English HERE.


Foto Credit: Jeremy Saffer

Patrick (Soundmagnet.eu): Hallo Lauren. Danke für deine Zeit und Gratulation zum großartigen neuen Album. Wie fühlt es sich an nach so einer langen Zeit endlich neues Material zu veröffentlichen?
Lauren (Once Human): Ich bin wirklich glücklich, dass es endlich passiert ist. Es sind jetzt fünf Jahre zwischen unseren beiden Alben aus diversen Gründen. Einer davon ist die Pandemie, aber die anderen beiden waren, dass ich zwei Jahre mit Kamelot auf Tour war und dann ging Logan (Mader, Anm. der Redaktion) auf Tour mit Machine Head für die Burn My Eyes Reunion. Und als wir zurück kamen fing die Pandemie an. Deshalb ist hier so eine große Lücke. Aber wir haben weiter Songs geschrieben und viele der Songs wurden in der Pandemie geschrieben und das Ergebnis ist ziemlich aggressive Musik.

Viel passiert in letzter Zeit

Patrick: Sledgehammer wurde bereits 2019 veröffentlicht und hat es letztlich nicht aufs Album geschafft. Was passierte danach, dass sich das Album um beinahe zwei Jahre verzögert hat?
Lauren: Das wurde vor so langer Zeit veröffentlicht und es war ursprünglich der Anfang vom Release eines neuen Albums, weil wir hatten zu dem Zeitpunkt eigentlich ein ziemlich fertiges Album. Aber dann wurden wir durch die Pandemie zurückgeworfen und alles hat sich verändert. Das ganze Album hat sich verändert. Wir haben Dinge neu geschrieben und die ganze Energie des Albums wurde viel dunkler. Es war nicht mehr so aufbauend wie davor. Sledgehammer wurde geschrieben sowie ich von Kamelot nach Hause kam und es war eine völlig andere Energie und es fühlte sich nicht mehr passend an.
Und Punkt zwei ist, dass Sledgehammer zwei Jahre vor dem Album veröffentlicht wurde und es fühlte sich falsch an den Song aufs Album zu nehmen. Ich wünschte ich hätte ein paar Fans Fragen können weil es wäre kein Problem gewesen wenn die den Song auf dem Album gewollt hätten. Aber ich glaube, da wir ein Video und eine Single hatten und man es überall downloaden kann war das nicht notwendig. Und ich dachte, die Leute wären deswegen nicht sauer – vielleicht lieg ich hier falsch.

Manchmal setze ich mich nur mit der Musik hin und weiß nicht was ich schreiben soll. Und ich singe und versuche nur Melodien zu finden, und Wörter kommen raus, ohne dass ich diese Wörter geplant hätte.

Patrick: Die Lyrics auf Scar Weaver handeln von vielen verschiedenen Themen. Wie war dein Schreibprozess? Was ist das Hauptstatement, das du mit deinen Texten geben willst?
Lauren: Ich versuche jeden Song mit einem frischen Geist anzugehen und sehr oft habe ich keine Ahnung worüber ich schreiben soll. Ich werde von vielen verschiedenen Dingen inspiriert. Oft kommt sie von inneren Konflikten, manchmal aber auch von Dingen die außerhalb in der Welt passieren. Erasure war so einer der entstand nachdem ich erfahren hatte was Blutdiamanten sind und ich zwang mich selbst in das Thema einzutauchen und habe Dinge gelesen und angesehen, die ich wünschte nie gesehen zu haben. Aber um ein Thema voll zu verstehen bevor ich es in einen Song packe mache ich immer wieder solche deep dives.
Also Erasure war über Blutdiamanten und bei Scar Weaver  ging es hauptsächlich um mich und wie ich mit meinen negativen Gedanken umgehe. Und wie wie diese Gedanken Kontrolle über meinen ganzen Körper übernehmen. Ich weiß nicht ob du jemals diese negativen Gedanken hattest, aber sie existieren nur in deinem Kopf und die Leute erzählen dir, dass es nicht real ist sondern nur in deinem Kopf. Aber du steckst so viel Energie da rein, dass es ein Eigenleben bekommt und Entscheidungen für dich trifft. Du gibst ihm Leben, du machst es real, aber das muss es nicht sein.
Und manchmal setze ich mich nur mit der Musik hin und weiß nicht was ich schreiben will. Und ich singe und versuche nur Melodien zu finden, und Wörter kommen raus ohne, dass ich diese Wörter geplant hätte. Das ist ziemlich weird. Der Refrain von Deserted ist so entstanden. Die Musik brachte mich dazu die Wörter zu sagen und dann schrieb ich den Text um den Refrain. Bei dem Song geht es um Leute die dir die Fehler deiner Vergangenheit immer wieder vorhalten, während du dir nur wünscht sie endlich hinter dir zu lassen und die die unendlich leid tun. Das Internet hat die Möglichkeit Dinge immer wieder auszugraben und deine Familie und Freunde erinnern dich immer wieder daran und hindern dich daran eine andere Person zu werden.  Das passiert vielen Leuten.

Ich fand es schwierig cleanen über manche von Max’s Gitarren Melodien zu schreiben weil seine Chords ziemlich dissonant und sein Timing nicht straight forward sind.

Patrick: Deine Stimme hat einen hohen Wiedererkennungswert und du hast bereits einen Trademark Sound der dich abhebt. Welcher Song war für dich gesanglich am schwierigsten?
Lauren: Cold Arrival mit Sicherheit. Da sind so viele verschiedene Stimmen in dem Song. Und er ist außerdem über einen Freund der gestorben ist, er hat mich also auch emotional gefordert. Aber auch gesanglich war es eine richtige challenge. Ich fand es schwierig cleanen über manche von Max’s Gitarren Melodien zu schreiben weil seine Chords ziemlich dissonant und sein Timing nicht straight forward sind. Ich wusste nicht welche Noten passen würden, sodass hier viel Trial and Error war und das war die große Herausforderung bei Cold Arrival.

Über den prominenten Gastmusiker

Patrick: Auf Deadlock wurdest du von Rob Flynn von Machine Head gefeatured. Wie kam es zu dieser Kooperation? Es ist ja nicht üblich, dass Musiker Projekte mit Mitgliedern ihrer Ex-Bands starten.
Lauren: Das ist eines dieser Dinge, bei denen ich gelernt habe, dass sogar in den schlechtesten Zeiten gute Dinge passieren können. Ich denke nicht, dass Rob Flynn Zeit gehabt hätte, wenn nicht gerade Pandemie gewesen wäre und ich bin sehr dankbar dafür.
Wir hatten den Song größtenteils geschrieben. Ich hatte einen Refrain geschrieben und ein bisschen was vom Verse und eine Bridge haben gefehlt. Wir dachten Rob könnte das Intro machen und vielleicht den Verse mit mir durchgehen. Wir haben ihm den Song geschickt und dachten nicht, dass er es macht, weil er zu dem Zeitpunkt noch nie einen Gastsänger gegeben hatte. Ich glaube das hat sich inzwischen geändert aber zu dem Zeitpunkt haben wir nicht erwartet, dass er ja sagt aber er sagte, dass er den Song liebt und etwas an ihm ausprobieren möchte. Wir waren aufgeregt und konnten es gar nicht glauben. Dann hat er den Song zurück geschickt und der Refrain den ich geschrieben hatte war weg und stattdessen war sein Chorus drauf, der so viel besser war als meiner.
Meiner wanderte sofort in den Müll und ich hasse ihn jetzt. Ich kann ihn mir nicht einmal mehr anhören weil sein Chorus so viel besser ist als meiner. Er weiß wie man diese Hooks schreibt und das einzige Wort das gleich geblieben ist war Deadlock und danach gingen wir den Verse durch und letztlich machte ich das Intro. Wir dachten an seine Stimme wegen dieser Nu Metal Art von Vibe die der Song hat und das würde zu einer Stimme wie der von Rob passen. Und natürlich verehren ich und Logan Rob Flynn ziemlich und so haben wir die Chance ergriffen, ihn gefragt und er hat ja gesagt. So ist das alles passiert.

Patrick: Sind hier irgendwelche weiteren Projekte mit Machine Head geplant? Eine Tour zum Beispiel?
Lauren: Nichts ist geplant weil es ist momentan ziemlich schwierig. Du kannst nicht wirklich planen weil meistens werden Dinge verschoben oder abgesagt. Es ist schwer irgendwas zu sagen, aber wir arbeiten daran.

Bald wieder unterwegs

Wir müssen auch wieder nach Deutschland weil wir waren nicht mehr dort seit unserem ersten Album mit Fear Factory und das ist eine sehr lange Zeit

Patrick: Wo wir über Touren sprechen. Wie sind eure Pläne für die nahe Zukunft, wenn die Pandemie euch endlich wieder live spielen lässt? Speziell in Bezug auf Shows in Deutschland und Österreich?
Lauren: Wir hatten Glück, wir waren gerade auf Tour mit Cradle Of Filth und Rob Flynn war auf der Bühne und wir sangen Deadlock zusammen – und wir machten Davidian zusammen was unglaublich war. Also Touren passieren und wir haben Pläne. Wir reden viel darüber in Übersee zu spielen. Wir müssen auch wieder nach Deutschland weil wir waren nicht mehr dort seit unserem ersten Album mit Fear Factory und das ist eine sehr lange Zeit. Zu lange weil ich glaube, dass Europa für uns am wichtigsten ist. Und ich liebe Deutschland und ich versucht Deutsch zu lernen. (auf Deutsch) Es ist immer noch schlecht, aber ich probiere es aus. Ich weiß nicht wie unterschiedlich es zum österreichischen Dialekt ist oder ob es das gleiche ist.

Patrick: Nein ich glaube du würdest kein Wort verstehen, wenn ich in meinem Dialekt spreche.
Lauren: OK (lacht) aber dennoch liebe ich Deutschland und möchte so viel wie möglich probieren. Es kommt nur darauf an wie es die Welt momentan zulässt und ob alles wieder aufsperrt. Ich weiß aber, dass darüber geredet wird heuer nach Übersee zu fahren. Wir werden sehen.

Ich genieße es Teil des Schreibprozesses der Musik zu sein aber ich genieße es auch mein Herz und meine Seele in das Wachsen als Sängerin zu stecken

Patrick: Eine Geschichte die ich letztens gelesen habe – du hast Once Human ursprünglich als Gitarristen gegründet. Ist das wahr?
Lauren: Ja!

Patrick: Wow, warum spielst du nicht mehr Gitarre?
Lauren: (lacht) Weil ich nicht gut bin. Das war damals wohl so etwas wie ein Schockerlebnis. Ich habe ein paar Videos hochgeladen auf denen ich auf einer billigen Gitarre und einem billigen Amp spiele. Ich habe hauptsächlich Speedpicking gespielt, einige schnelle Riffs, aber ich glaube nicht, dass es großartig war. Der Grund warum es nicht gut war ist, dass ich Autodidakt bin und somit hab ich einige schlechte Angewohnheiten gelernt, wie etwa wenn ich nicht speed picke muss ich alles down picken. Grund zwei ist, dass ich immer im Sitzen mit meinem kleinen 8 Track Recorder gespielt habe, sodass ich nicht im Stehen spielen kann. Ein anderes Problem ist, weil ich immer für mich selbst gespielt werde ich nervös wenn ich vor Leuten stehe und meine Hand zittert. Also ich bin nicht gut. Ich weiß nicht ob du gehört hast, dass ich gut bin aber das bin ich nicht.
Ich habe einige Riffs auf dem ersten Album geschrieben und ich habe auch am ersten Album gespielt, aber wenn ich nicht jeden Tag übe glaube ich nicht, dass ich auf der Bühne spielen werde. Vielleicht eines Tages mal einen Song aber ich liebe es einfach zu Singen. Ich genieße es Teil des Schreibprozesses der Musik zu sein aber ich genieße es auch mein Herz und meine Seele in das Wachsen als Sängerin zu stecken, weil ich war nie eine cleane Sängerin am Anfang. Ich wollte nie clean singen aber seit ich Kamelot gejoined bin, bin ich in der Hinsicht wesentlich zuversichtlicher und verbessere meine Fähigkeiten hier. Eins nach dem anderen für mich, denke ich.

Patrick: Letzte Frage: Drei Alben die du auf eine einsame Insel mitnimmst?
Lauren: Blackwater Park von Opeth. Puritanical Euphoric Misanthropia von Dimmu Borgir und irgendwas von Alice in Chains.

Patrick: Abschließende Worte für unsere Leser und Leserinnen?
Lauren: Ich hoffe, dass wir bald nach Deutschland kommen. (auf Deutsch) Das ist mein Lieblingsland der Welt und ich bedanke mich bei allen Fans fürs Hören und Lesen und ich hoffe ihr genießt Scar Weaver.


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