Odd Dimension – The Blue Dawn – Album Review

Odd Dimension – The Blue Dawn
Herkunft:
Italien
Release:
26.03.2021

Label: Scarlet Records
Dauer:
63:37
Genre:
Progressive / Symphonic Metal


Irgendwie war ich schon immer für Science-Fiction und Metal zu begeistern. Düstere, geheimnisvolle Sphären, futuristische Technik und phantasievolle Geschichten treffen auf meine Lieblingsmusik. Bilder im Kopf entstehen und je nach Qualität formen sich eigene Interpretationen. Damit war klar, dass ich mir The Blue Dawn anhören musste.

Die italienische Band Odd Dimension war mir bisher unbekannt und besteht trotzdem schon seit 2002. Neben einem ersten Demo von 2005 haben sie bereits zwei Studioalben in den Jahren 2011 und 2013 eingespielt. Bei diesen Zeitspannen zwischen den Veröffentlichungen wird es schwer auf eine bestehende Fanbasis aufzubauen. Nach acht Jahren ohne neues Release und einem Frontsängerwechsel auf dem aktuellen Longplayer gleicht The Blue Dawn einem Neustart in unbekannte Weiten.

Die Geschichte einer Reise ins Ungewisse

Das Album erzählt uns die zufällige Geschichte zweier Raumreisender. Eloise und Markus werden durch Angriffe einer unbekannten Spezies von ihrer ursprünglichen Reiseroute abgelenkt und landen auf einem blauen Planeten. The Blue Dawn ist die Geschichte ihre Kampfes um das Überleben, des Widerstands und Aufbegehrens. Der Gang der Dinge gipfelt im Kampf für die nächste Generation bestehend aus Besuchern und Einheimischen. Parallelen zum aktuellen, europäischen Tagesgeschehen sind hier wohl durchaus gewollt.

Einmal mit allem, bitte!

Zwar kann man das Album klar in die progressive, symphonische Metal-Schublade stecken, aber trotzdem zeigt es genreüberschreitende Züge. Instrumentale Stücke wie das Intro Mission n°773 oder Solar Wind könnten einem Soundtracks entspringen und sind angereichert mit klassischen Passagen. Dazwischen werden im Verlauf der Story mehr oder wenig alle Register gezogen. Als Monster gibt den zehn minütigen Titeltrack als Megakomposition, bei dem auch ex-Dream Theater Keyboarder Derek Sherinian mitwirkt.

Einem Pogressivrockstarter wie Landing On Axtradel, stehen symphonische Passagen in Sands Of Yazukia gegenüber, gepaart mit weiblichen Gastbeiträgen, die die Story aus Sicht der Raumfahrerin Eloise vorwärts bringen. Erwähnt werden muss das beschwingte Flags Of Victory, welches in der Qualität der weiblichen Stimme an das Niveau einer Shania Twain heranreicht. Das stellt den ebenfalls mitwirkenden Gastsänger Roberto Tiranti von der Band Labyrinth ein wenig in den Schatten. Doch alles wird noch getoppt vom genial singenden Jan Manenti, einigen vielleicht als Sänger bei The Unity und Love.Might.Kill bekannt.

Spagat zwischen Sahnestücken

Eine erste Hörprobe der Geschichte möchte ich HIER mit The Invasion geben. Ist der Track am Anfang lediglich eine normal wirkende symphonische Nummer, bringt Jan Manenti mit seiner Stimme im Laufe des Songs eine mitreißende Dramatik ein.

Das musikalische Gegenstück mit Anteilen von Klassik, Metal, und Verwendung von dramatischer Erzählstimme folgt HIER bei Escape To Blue Planet. Es stellt mit seinem Spagat zwischen Ballade, laufender Story und explodierenden Soloeinlagen ein charakteristisches Abbild des gesamten Album dar.

Alles Gute in einen Topf gepackt

Folgt man den bisherigen Ausführungen, hat man den Eindruck, dass es sich um ein musikalisches Meisterwerk handelt. Tatsächlich ist vieles auf The Blue Dawn stimmig und mit Perfektionismus zu Gehör gebracht, aber das Album verliert auch durch seine Vielfältigkeit. Wechselnde Stimmungen, die sich entwickelnde Story und viele damit verbundene Charaktere und mitwirkenden Künstler, hinterlassen einen unübersichtlichen Eindruck.

Vielleicht wollten Odd Dimension auch einfach zu viel auf einmal. Dabei haben sie eines vergessen: nicht von vielem Bewährten alles zu verwenden, sondern eine eigene Note, schafft das Besondere.
Der Gesang von Jan Manenti, gepaart mit den allgegenwärtigen Keyboards von Gabriele Ciaccia, hätten dieser roten Faden durch das Album sein können.

Durch stetige Stilwechsel und zusätzliche Stimmen von Gastsänger entsteht ein unruhiges Bild. Natürlich ist das Jammern auf hohem Niveau, denn The Blue Dawn wurde von Vollblutkünstlern geschaffen. Doch die vielen, edlen Zutaten nehmen am Ende der Suppe den feinen Geschmack.


Fazit
Ein sehr gutes, aber auch übermotiviertes Album. Die vielen Ideen und mitwirkenden Künstler verwischen die Sicht auf die klare Linie. Doch allein schon die Gesangsleistung von Jan Manenti und die Spielfreude der unterstützenden Profis rechtfertigen ein mehrmaliges Hören von The Blue Dawn. Dafür Daumen hoch und 7 / 10.

Line Up
Jan Manenti – Gesang
Gianmaria Saddi – Gitarre
Gabriele Ciaccia – Keyboards
Gigi Andreone – Bass
Marco Lazzarini – Schlagzeug

Tracklist
01. Mission n°773
02. Landing On Axtradel
03. The Invasion
04. Escape To Blue Planet
05. Solar Wind
06. Life Creators
07. The Blue Dawn
08. Sands Of Yazukia
09. Flags Of Victory
10. The Supreme Being

Links
Facebook Odd Dimension
Webseite Odd Dimension


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