Nocte Obducta – Irrlicht (Es schlägt dem Mond ein kaltes Herz) – Album Review

Nocte Obducta – Irrlicht (Es schlägt dem Mond ein kaltes Herz) – Album Review
Herkunft:
Mainz / Deutschland
Release:
23.10.2020, verschoben auf 27.11.2020
Label: Supreme Chaos Records
Dauer:
52:04
Genre:
Atmosphärischer Black Metal / Avantgarde Black Metal


25 Jahre nach Ihrem Debüt besinnen sich die Jungs aus Mainz aufs Wesentliche zurück und kündigen eine Retrospektive an. Die Rückkehr zum alten Label Supreme Chaos Records, ließ viele Fans darauf hoffen, dass auch Ihr alter Sound zurück käme. Erinnerungen an vergangene, glorreiche Tage des Nektar Zweiteilers wurden wach. Jener Zweiteiler, der schier wunderschöne Melodien mit infernalischem Black Metal verbunden hat.

Nocte Obducta sind ein Quell endloser Ideen und wir sind gespannt, wie sich diese auf Ihrem sage und schreibe 13. Studioalbum entfalten.

Eine thematische Weiterführung von Nektar

Jeder Song von Irrlicht knüpft thematisch an die Nektar-Teile an, was schon sehr vielversprechend ist und auch musikalisch wird ein Blick in die Vergangenheit geworfen. Beginnend mit den typischen Nocte Obducta Gitarrenriffs, eröffnet Zurück im bizarren Theater seine Pforten und entführt den Hörer in Ihre traumhaften Klangwelten. Die von Thorstens und Marcels giftig, krächzenden Gesängen durchbrochen werden.

Ein Song, wie man ihn schon lange nicht mehr von dieser Band gehört hat. Bitterböse und mit einer Menge Doom behaftet, schleppt sich Von Stürzen in Mondmeere durch die Gehörgänge. Vertieft man sich in die Lyrics, fällt auf, dass sich dieser Song in drei Phasen erstreckt und auch musikalisch einiges an Variabilität anbietet.

Rot und Grau verkriecht sich regelgerecht in die Gedanken. Es ist wohl der experimentellste Track des Albums. Viele technische Spielereien mit den Synthies und Gitarren und wechselnder Sprech-, Krächz- und Klargesang lassen ein Gefühl der Behaglichkeit entstehen, wie sie man nur von dieser Band kennt. Das kürzeste Lied ist wie eine Grenze im Album, nochmal kurz den Black Metal Punk aufleben lassen und dann wird es melancholisch.

Der Greis und die Reiterin überzeugt mit punkig, rockigen Rhythmen. Großes, sphärisches Leinwandkino spüren wir bei Der alte Traum, das ihr HIER hören könnt.Neuneinhalb Minuten pures Driften in die Melodie-Magie der Black Metal Veteranen. Hier passt wirklich alles und dies ist ein absoluter Anspieltipp.

Ein tiefer basslastiger, doomiger Sound transportiert in Bei den Ruinen eine unendliche Traurigkeit, die perfekt ins lyrische Bild des Songs passt. Hervorheben möchte ich hier das Schlagzeugspiel von Matze. Kommen wir zum Finale und dem wohl besten Song der Band in den letzten Jahren. Noch nenne ich in einem Atemzug mit Klassikern wie Atme oder Und Pan spielt die Flöte. Einfach unglaublich, wie eine Melodie die Hälfte der Songstruktur übernimmt und dich auf eine Reise zum Mond mitnimmt.


Fazit
Dass ein Labelwechsel so viel Auswirkung auf das kreative Schaffen einer Band hat, ist ja durchaus bekannt. Nocte Obducta haben mich mit Irrlicht restlos überzeugt und Ihr Schritt in die Vergangenheit hat genau die richtige Länge. Ich sehe ein Album, welches durch Originalität musikalischer Erfahrenheit und wunderschöner Melancholie nur so strotzt. Für mich uneingeschränkt bestes deutschsprachiges Metal Album des Jahres und daher 9,5 / 10.

9,5
Line Up
Marcel – Gitarre, Gesang, Keyboard, Bass
Torsten – Gesang
Stefan – Gitarre
Matze – Schlagzeug
Heidig – Bass

Tracklist
01. Zurück im bizarren Theater
02. Von Stürzen in Mondmeere
03. Rot und Grau
04. Der Greis und die Reiterin
05. Der alte Traum
06. Bei den Ruinen
07. Noch

Links
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