Bestial Invasion – Nachgefragt bei Sergey MP – Interview

Bestial Invasion, die 2014 gegründete ukrainische Tech Thrash Metal Band hat im November 19 ihr drittes Album Monomania veröffentlicht. Dieses Album nehme ich zum Anlass um bei Serg MP, dem Bassisten der Band nachzufragen. Doch lest selbst:


Andriy: Hallo Sergey! Beginnen wir mit unserem Interview. Das erste, was ich sagen möchte, sind Glückwünsche zum dritten Album! Weißt du, man sagt, dass das dritte Album für die Band das entscheidendste ist. Es zeigt, ob die Band überleben wird. Eure neue Scheibe ist wirklich cool! Für mich ist sie euer bester Job bis heute. Sag mir, da ihr jetzt in verschiedenen Ländern lebt, wie schreibt ihr Musik und probt? Wie wird der „Geist einer Band“ aufrechterhalten?
Sergey: Hallöchen! Vielen Dank für die Glückwünsche! Jede Veröffentlichung bei uns gilt als die letzte und geht es so schon ab dem ersten Album. Ich weiß also nicht, ob wir bis zum vierten Album überleben werden oder nicht. Ich betrachte dieses Album auch als Höhepunkt unserer Arbeit, da die Zusammensetzung der Gruppe und die Produktion des Albums im Moment während der Existenz von Bestial Invasion am erfolgreichsten waren. Seit Oktober 2015 haben wir nicht mehr geprobt, weil mein Leben sich global verändert hat. Deswegen haben wir gerade die Bandmitglieder aus verschiedenen Ländern. Im Internet-Zeitalter ist dies nicht schwer zu koordinieren und aufrechtzuerhalten – Hauptsache der Wunsch ist da! Wir schicken einander die Ideen und Aufnahmen ständig und arbeiten dann zusammen daran, sie weiter zu entwickeln. Wir kommen schon seit langem gut miteinander aus und stehen auch in ständigem Kontakt miteinander.

Andriy: So stellt sich eine sehr interessante Zusammenarbeit heraus. Und wie sieht dann der kreative Prozess aus? Besprecht ihr etwas im Voraus, wählt die Ideen aus und schreibt dann Musik in klar definierten Rahmen? Oder sieht der Prozess einfacher aus und ihr komponiert nur durch Inspiration?
Sergey: Ich habe eine Idee und ein Konzept und zeige es anderen Bandmitgliedern. Dann fangen wir an, an einer neuen Kreation zu arbeiten. Wir haben keine Stilrahmen, das haben wir längst aufgegeben.

Andriy: Ich möchte nun wissen, ob es Songs auf dem Album gibt, die für das vorherige Album komponiert wurden, aber es scheint mir eigentlich nicht so aus, weil das neue Album sehr homogen ist. Alle Songs ergänzen sich, nichts sticht stilistisch heraus und die Prog-Elemente sind weniger geworden. Gleichzeitig ist aber alles etwas melodischer komponiert. Sag mir, habt ihr so konkret geplant und wie hoch ist der Beitrag der anderen Mitglieder hier?
Sergey: Musikalisch gibt es nichts, nur Ideen für das Konzept der Lieder. Spannend – viele bemerken im Gegenteil, dass die Prog-Elemente mehr und Technical Thrash in unserer Musik immer weniger geworden ist. Es ist spannend, dass jeder das Album anders nimmt. Diese Scheibe hat sich im Vergleich zur Vergangenheit als kollektiver herausgestellt, da drei Leute an der Schaffung von Musik gearbeitet haben. In der Vergangenheit war ich meistens alleine dran. Beide Gitarristen haben einen großen Beitrag geleistet; z.B. Denis Schwartz hat 70 Prozent des Materials für das Album mitgebracht, Alexander Klaptsov hat die Songs ausgewogener gestaltet und der Sänger Vakhtango Zadiev hat meine Texte mit seinen Korrekturen sehr gut ausgearbeitet. Das ist also ein kollektives Produkt, nicht mein persönlicher Verdienst.

Andriy: Und dieses kollektive Produkt ist – ich wiederhole – einfach großartig! Ich wollte gleich weiter eine Frage zu den Texten auf dem Album stellen, aber du hast mir bereits alles in der vorherigen Antwort gesagt. Lass uns das Digipack anschauen! Ihr habt ein neues Logo! Warum und wessen Idee war das? Die Sanduhr mit dem Totenkopf ist sehr gut gelungen, sie sieht organisch aus. Erzähl mir bitte mehr.
Sergey: Da sich unsere Band musikmäßig ständig weiterentwickelt, hat das alte Logo aufgehört, relevant zu sein, und so habe ich mich für ein Umbranding entschieden. Ich habe mich an unsere Künstlerin Alyona Lutschneva gewandt, um etwas Neues und Passenderes für unser Konzept zu kreieren. Eine Renaissance-Schrift, eine Sanduhr und ein Schädel sind wichtige Attribute der Sinnlosigkeit des Seins.

Andriy: Grüße an Alyona! Das neue Logo ist Bombe! Bleiben wir noch beim Cover. Ich bin wieder einmal erstaunt über die Schönheit ihrer Covers! Ich kann es kaum erwarten, das Digipack in die Hände zu nehmen. Hat Alyona auch das Cover gezeichnet? Was ist darauf abgebildet? Wie auf dem vorherigen Album ist der Schädel ein zentrales Motiv hier, Krebse flogen um ihn herum im Weltall, ein alter Mann mit Bart … Erzähl mir, was bedeutet das alles!
Sergey: Für die Gestaltung unserer neuen CD verwendeten wir ein Fragment eines Gemäldes des deutschen Künstlers Joseph Heintz der Jüngere, der wie Hieronymus Bosch
durch Gemälde mit Bildern aus dem Jenseits, düsteren Kreaturen, Geistern und Dämonen, die ein echtes Gefühl des Grauens hervorriefen, berühmt wurde. Dieses Gemälde wurde 1650 gemalt und heißt Alchemist. Ich bin zufällig auf dieses Meisterwerk gestoßen, als ich nach Informationen über den italienischen Künstler Caravaggio gesucht habe. Ich war so beeindruckt von einem Fragment dieses Bildes, dass ich es sofort auf das Cover der Monomania setzen wollte: Es zeigt nicht nur hundertprozentig die Form und den Inhalt unserer Musik, sondern ist auch eine Art Fortsetzung unseres vorherigen Albums Contra Omens. Eine auffällige Farbkombination schafft eine ganz eigene Atmosphäre, und um den Eindruck nicht zu verfälschen und nicht zu sehr auf unser Logo aufmerksam zu machen, haben wir es einfach geändert – es passte nicht ins Gesamtbild. Wir hatten die Möglichkeit, bei einem modernen Künstler ein Cover zu bestellen, aber als ich das Gemälde von Heinz sah, gab ich diese Idee ein für alle Mal auf. Und ich denke, dass dies normale Praxis ist, und es gibt Beispiele dafür: Burzum, Bathory, Celtic Frost.

Andriy: Erstaunlich! Ich bin sehr beeindruckt, wie ernst und professionell ihr alles angeht. Und wenn es schon um Professionalität geht – das Coverlied auf Atheist passt sich sehr organisch in das Album ein! Mir ist aufgefallen, dass alle Alben von Bestial Invasion mit Coverversionen deiner Lieblingsbands (Type o Negative, Destruction, Atheist) endeten. Und in all diesen Gruppen ist der Bassist auch der Sänger. Magst du einfach solche Bands nur oder deutest du an, dass wir dich in Zukunft auch am Gesang hören können?
Sergey: Danke, wir versuchen wirklich alles auf hohem Level zu machen. Ein Cover für ein Album vorzubereiten ist bereits unser ständiges Ritual. Betreffend Atheist, ein Gitarrist hat dort gesungen und wir haben auch ein Cover auf Grim Reaper gemacht. Das ist also eher ein Zufall als ein Hinweis. Ich bin nutzlos als Sänger, daher besteht kein Wunsch, alles mit meiner Stimme zu verderben.

Andriy: Aha, gut! Ich muss das nächste Mal vorsichtiger sein. Plant ihr im Sommer einige Festivals mit Konzerten zu besuchen?
Sergey: Wir haben nicht vor, live zu spielen, da es keine Möglichkeit und kein Verlangen gibt. Aber ich denke, irgendwann wird der Moment kommen und wir werden rausgehen und bei einem Konzert aus dem Herzen total rocken. Höchstwahrscheinlich wird es Moskau sein, wo die erste Show gegeben wird.

Andriy: Ich wünsche euch, dass das bald passiert! Sag mir, Serg, wenn alle Instrumente für das Album aufgenommen werden und das Ganze zum Mischen, Mastern usw. geschickt sein muss – tragt ihr irgendwie zu diesen Prozessen auch bei oder versucht ihr, euch nicht einzumischen?
Sergey: Natürlich mischen wir uns ein *evil smile*! Ein Entwurf wird uns ab und zu geschickt und wir hören zu. Wenn etwas uns nicht passt, dann bitten wir immer, es zu korrigieren. Dies betrifft am häufigsten die Themen wie die Lautstärke von Instrumenten in einem Mix, Effekte usw.

Andriy: Wer war am Mischen des Albums beteiligt? Von welchem Label wurde die Scheibe veröffentlicht? In welchen Formaten? Seid ihr mit der geleisteten Arbeit zufrieden?
Sergey: Arkadiy Navacho aus Moskau. Er hat einen sehr guten und höchst qualitativen Job gemacht. Das Album wurde von dem ukrainischen Label Nocturnus Records veröffentlicht. Leider bisher nur auf der CD. Wir versuchen nun ein Label für die Veröffentlichung von Vinyl zu finden. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, denn wir hatten zum ersten Mal in der Bandgeschichte ein anständiges Budget für ein Qualitätsprodukt.

Andriy: Serg, die letzten paar Fragen! Mit wem möchtest du am liebsten zusammen auf der Bühne auftreten, wenn du eine Chance hättest? Und wo möchtest du am liebsten ein Konzert geben?
Sergey: Mit Raven, Atheist, Iron Maiden, Dark Angel. Nun, zu diesem Zeitpunkt ist es aufgrund unseres Status als Nicht-Konzertband fast unmöglich. Ich würde gerne ein Konzert in Mexiko spielen, weil es vor Ort ein sehr besessenes Publikum gibt und ich endlich die Gelegenheit haben werde, die aztekischen Pyramiden zu sehen.

Andriy: Vielen Dank, Serg, für deine Zeit! Viel Erfolg!
Sergey: Vielen Dank für Ihr Interesse zu uns! Bis bald!


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