Angra – Cycles Of Pain – Album Review

Angra – Cycles Of Pain
Herkunft:
São Paulo / Brasilien
Release:
03.11.2023
Label: Atomic Fire Records
Dauer:
58:34
Genre:
Progressive / Power Metal


Foto Credit: Marcos Hermes

Über dreißig Jahre gibt es bereits die brasilianische Band Angra und das sind drei Dekaden für Musikfreunde, welche Genreübergreifendes schätzen. Lieben gelernt habe ich die Band mit ihrem zweiten Album Holy Land. Die damals geschaffene Mischung ist bis heute die Basis für den einmaligen Stil der Band, aber auch die Messlatte für jeden neuen Output.

Angra verheiraten Progressive und Power Metal, genauso wie heimische südamerikanische Rhythmen und orchestrale Symphonik miteinander verschmelzen. Dabei wird nicht an einem metallischen Genre festgehalten, sondern einfach nur emotional berauschende Musik erschaffen.

Cycles Of Pain ist mittlerweile schon oder bezogen auf die lange Bandgeschichte wohl erst das zehnte Studioalbum. Besetzungstechnisch hat sich seit dem letzten gelobten Werk Ømni aus 2017, nichts getan. Glücklicherweise hat Sänger Fabio Lione sich nicht wieder mit Rhapsody Of Fire beschäftigt und sich deshalb vollständig auf die Stimmungen und Thematiken der Brasilianer einlassen können. In Verbindung mit den Ur-Mitgliedern, dem Bassisten Felipe Andreoli und dem Gitarristen Rafael Bittencourt, vervollständigt er akustisch den Sound, für den Angra überall geschätzt werden.

Ein Teppich aus Melodien und Überraschungen

Wieder ist es die perfekte Mischung aus Ausgewogenheit und Überraschungen, die Cycles Of Pain bestimmt. Nach einem stimmungsvollen, sakralen Intro namens Cyclus Doloris legt die Band mit Ride into the Storm los. Es werden alle Trademarks gebracht, die Angra seit dreißig Jahren ausmachen. Der schnelle galoppierende Rhythmus wird vom melodiösen Gesang begleitet. Der Refrain ist vollgesogen mit Melodie und kompositorischer Weite. Trotzdem bleibt der harte Kern erhalten, wie man HIER anhören kann. Die Rhythmusgitarren und der Bass grollen dunkel und wie um ihre Leichtigkeit im Umgang mit der Musik zu demonstrieren, wird auch mal schnell ein kurzes sperriges progressives Break eingeschoben.

Nach dem zügigen Anfang lassen Angra nicht locker und schieben das fordernde Dead Man on Display nach. Auch hier gibt es die Härte der Instrumente, gepaart mit Breaks und dazu im Gegensatz den feinen, alles überstrahlenden Gesang. Es folgt bei Tide of Changes eine zusammenhängendes Werk in zwei Teilen. Nach einem ruhigen ersten Teil ufert das Stück zu einem folgenden emotionalen Feuerwerk aus. Doch nicht nur durch die Melodien besticht der Song, den man in beiden Teilen HIER anhören kann. Nach einem Break gibt es Kraftfutter für all jene, die das Progressive in Verbindung mit der Soloarbeit bisher nicht ausreichend vorgefunden haben.

Unbeeindruckt von Erwartungshaltungen startet Vida Seca mit heimischen Samba Rhythmen. Gitarren und Streichorchester bringen die notwendigen Kanten und Tiefen, um aus einer klasse Idee etwas Großes zu erschaffen. Wieder auf unkompliziertere Wege führt uns Gods of the World. Der Power Metal Song ist schnell und bietet einen teutonisch angehauchten Refrain.

Ein zweiter lyrischer Teil

Es ist kein abrupter Stilbruch im Album. Trotzdem spürt man ab dem Titelsong, dass das Album noch melodiöser und symphonischer wird. Wer also bisher sein Herz noch nicht richtig erweichen konnte, der bekommt bei Cycles of Pain eine emotionale Dusche und es wird nicht der letzte Song für die großen Gefühle bleiben. Mit der Halbballade Here in the Now und dem abschließenden vom Klavier bestimmten Duett Tears of Blood kommen noch weitere ruhigere Nummern dazu. Dabei ist besonders der Rausschmeißer Tears of Blood großartig gelungen, fällt aber aufgrund des fast schon klassischen Stils etwas aus dem Rahmen.

Damit die zweite Hälfte sich nicht zu emotional entwickelt werden das progressive angehauchte Faithless Sanctuary und das kämpferische und vom Leder ziehende Generation Warriors eingeschoben. Auf dem ganzen Album verlieren Angra trotz aller Stilmixe nie ihre klare Linie und so gelingt mit Cycles of Pain der Band ein ganz großer Wurf.


Fazit
Wer hätte gedacht, dass Angra auf dem zehnten Album so meisterlich auftrumpfen werden? Cycles of Pain sprudelt vor Ideen, Rhythmen und Emotionen. Neben den vielen Momenten in der Soloarbeit der Instrumente ist es Fabio Lione, der noch nie besser gesungen hat als hier und heute.
Meisterliche 9 / 10

Line Up
Fabio Lione – Gesang
Rafael Bittencourt – Gitarre
Marcelo Barbosa – Gitarre
Felipe Andreoli – Bass
Bruno Valverde – Schlagzeug

Tracklist
01. Cyclus Doloris
02. Ride into the Storm
03. Dead Man on Display
04. Tide of Changes – Part I
05. Tide of Changes – Part II
06. Vida Seca
07. Gods of the World
08. Cycles of Pain
09. Faithless Sanctuary
10. Here in the Now
11. Generation Warriors
12. Tears of Blood

Links
Webseite Angra
Facebook Angra
Instagram Angra


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