Alt und Neu aus meinem Plattenschrank – Meine Empfehlung für Sonntag – Kolumne

Alt und Neu aus meinem Plattenschrank ist eine wiederkehrende Kolumne, in der unsere Redakteure jeweils ein Album zur näheren Besprechung und Vorstellung auswählen. Die perfekte Sonntagslektüre mit dem bestimmt ein oder anderen bisher unbekannten Musiktipp.


Welcher Musiksammler kennt das nicht, es ist ein Sonntagvormittag im Spätherbst, das ungemütliche Wetter draußen lädt geradezu ein, sich ausgiebig der umfangreichen Sammlung zu widmen. Zu selten bleibt im Alltag Zeit dafür…und dann steht man minutenlang mit angestrengter Miene vor dem ausladenden Regal, um dieses eine spezielle Album für diesen seltenen, besonderen Moment herauszuziehen.

Eines der vielen Livealben von Metallica vielleicht…zu banal. Dem Wetter angepasst etwas von Anathema…zieht mich nur runter. Klassischer Metal à la Judas Priest? Also was soll es sein, ein Bandklassiker oder doch lieber so ein Geheimtipp, den man nicht alle Tage auflegt? Und dann fällt es mir in die Hände, das grandiose selbstbetitelte Debütalbum von ARK. Nie gehört!? Böser Fehler! Dann sollten alle, die auf originellen, progressiven, im besten Sinn des Wortes, Rock (Metal ist, glaube ich, da eine zu beschränkte Beschreibung) stehen, aufhorchen, denn was Gitarrist Tore Østby (Conception), Schlagzeuger John Macaluso (Yngwie Malmsteen, T.N.T., Riot) und Sänger Jørn Lande (Masterplan) hier veröffentlicht haben, ist ohne Frage ein ganz besonderes Juwel.

Die Norweger versuchten sich stilistisch in keinster Weise zu limitieren und greifen auf dem Album verschiedene Inspirationen auf. Die Rhythmik der Songs ist kaum zu fassen, Schlagzeug und Gitarre schaffen es so, abwechslungsreiche, unkonventionelle, emotionale Strukturen zu schaffen, die von Trond Nagell Dahl mit Piano und Keybords dezent, aber immer effektiv angereichert werden. Auf  The Hunchback of Notre Dame werden Flamenco Elemente ebenso selbstverständlich eingebaut wie jazzige Strukturen, die Musik ist in einem stetigen Fluss und saugt einen förmlich auf. Dabei muss ich die Leistung von Jørn Lande besonders hervorheben, denn hier bei ARK bricht er deutlich aus seiner Komfortzone aus und singt dabei so vielseitig wie auf keinem anderen Album, wo er doch häufig seinem erklärten Vorbild Ronnie James Dio ähnelt. Nach dem über neunminütigen, athmoshärisch dichten Schlusstrack Can´t Let Go mit akzentuiertem Einsatz eines Saxophons bleibt man überwältigt von dieser Klanggewalt zurück und kann nicht anders als die Repeat-Taste zu drücken.

Das ursprünglich 1999 in Norwegen von Face Front veröffentlichte Album erschien bisher nur auf CD. In Deutschland wurde es im selben Jahr zuerst von Rising Sun Produktions vertrieben. 2001 erschien über InsideOut eine Neuauflage mit einem anderen Artwork, die ihr auf meiner abgebildeten Version sehen könnt. Das Album ist in allen Versionen nur noch schwer zu bekommen. Zumeist werden Preise um die 50 € dafür verlangt. Im Jahr 2000 erschien schon das zweite, nicht ganz so sperrige, aber nicht minder geniale Album Burn The Sun, das für etwas weniger Geld zu bekommen sein sollte.

Ein drittes Album stand lange zur Debatte, allerdings ohne Jørn Lande, der zwischenzeitlich bei den neugegründeten Masterplan um die beiden ex-Helloween Mitglieder Roland Grapow und Uli Kusch angeheuert hatte, deren Debütalbum ebenfalls zu den Sternstunden des Genres zu zählen ist. Auch seine Solokarriere hat der stimmgewaltige Sänger weiter angefeuert, so dass wir bisher leider vergebens auf eine Fortführung der genialen Alben warten müssen.

Sollte euch einmal ein Album von ARK irgendwo in die Hände fallen, greift unbedingt zu!


Youtube Video zu ARK – Ark

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