Rage – Nachgefragt bei Peavy Wagner – Interview

Nachdem ich gerade dabei bin, das am 10.01.20 erscheinende Album Wings of Rage der Band Rage für eine ausführliche Review auf und ab zu spielen, war ich sehr glücklich darüber, dass sich der Kopf der Band, Bassist und Sänger, Peavy Wagner Zeit genommen hat für ein Interview mit mir:


Offizielles Pressefoto, Peavy Wagner

Andriy: Wie geht es dir? Genießt du schon in Ruhe die letzten Wochen des Jahres oder bist du immer noch voll in der Arbeit?
Peavy: Ich hab recht viel zu tun, jede Menge Interviews sind zu tun und wir arbeiten an unserer Live Show und dem Bühnen Design, da fliegt die Zeit dahin…

Andriy: Am 10. Januar 2020 kommt die neue – schon 23. – Scheibe ‚Wings of Rage‘ in die Welt – ich gratuliere euch dazu! Ich schreibe gerade auch eine Review auf das Album und bin echt positiv beeindruckt! Wie schaffst du bzw. ihr das, seit dem Jahr 1986 so regelmäßig so gute Alben zu machen? Was ist dein Geheimrezept?
Peavy: Ich finde, man sollte auch noch das Avenger Album, das mit dem Lingua mortis Orchester und das mit Refuge dazurechnen, das sind dann nämlich 26 Alben, die ich bereits aufgenommen hab. Das ist ziemlich viel , da fällt mir nur Frank Zappa ein, der ähnlich produktiv war. Der Grund für meine Kreativität ist ganz einfach die Liebe zur Musik, Songs zu schreiben und aufzunehmen ist meine liebste Beschäftigung, das ist sozusagen mein Motor…

Andriy: Liegt es vielleicht sogar am Wechsel des Labels? 😉 Wie hat Steamhammer euch überzeugt, sich ihnen anzuschließen?
Peavy: Oh, der Labelwechsel ist jetzt nicht so was besonderes. In diesem Metal Business kennt man sich seit langem und grad bei SPV war ich ja schonmal vor 15 Jahren. Unser alter Vertrag lief halt aus und wir haben Angebote aller Labels eingeholt, da hat SPV das beste Angebot gemacht. Da es zeitgleich auch bei Nuclear Blast diverse Umstrukturierungen mit Personalwechsel gab hat mich das bewogen mit Steamhammer weiter zu arbeiten. Es hat aber nie böses Blut mit NB gegeben, die Label sehen sowas eher sportlich…

Andriy: Ich weiß nicht, wie gut du die heutigen Entwicklungen im Metal, besonders im deutschen Metal, beobachtest, aber gerade jetzt erlebt der Metal eine Art von Renaissance. Die älteren Bands, wie Destruction, U.D.O., Sodom, Running Wild, Scorpions (jetzt auch Rage) etc. veröffentlichen unglaublich schöne, geile Alben, die frisch, kräftig und kreativ sind! Es gibt schon auch eine neue Generation von Bands, die Deutschland in Europa erfolgreich präsentieren. Was glaubst du, woran liegt diese Entwicklung?
Peavy: Schwer zu sagen, woran es liegt aber ich finde diese Entwicklung gut, das der Metal aus Deutschland dadurch nach wie vor viel Wertschätzung Weltweit erfährt.

Andriy: Was würdest du den jungen MusikerInnen empfehlen? Denen, die gerade jetzt die ersten Schritte im Metal machen
Peavy: Entwickelt einen möglichst eigenen Sound, macht möglichst viel selbst, damit euch andere nicht übers Ohr hauen können. Ansonsten braucht es einen langen Atem…

Andriy: Lass uns mehr über die neue Scheibe reden. Wann habt ihr die Arbeit an dem neuen Album begonnen? Wer hat wieviel Material dafür mitgebracht oder komponiert?
Peavy: Wir haben bereits Ende 2017 die ersten Ideen zusammengetragen, nach unserer Welttour zum letzten Album ging es dann richtig los. Wir haben uns viel mehr Zeit diesmal genommen und fast alle Songs mehrfach überarbeitet und solange an ihnen rumgeschraubt, bis wir mit allem zufrieden waren. Ich entwickele meine Songs im „Skelett“ allein , also die Akkordfolgen, Melodien , Riffs und komme zu Marcos mit einem Grundarrangement, er macht das mit seinen Ideen genauso, nur, das er die Gesangsmelodien grundsätzlich mir überlässt, es soll ja immer nach Rage klingen. Prinzipiell kommen also bei unseren Songs immer Ideen von uns beiden zusammen, deshalb teilen wir die Komponisten Credits , wir sehen uns als Songschreiber Team, ähnlich wie Lennon/McCartney oder Jagger/Richards. Die Texte verfasse ich dann allerdings wieder allein, das hab ich immer so gehalten.

Andriy: Wie läuft das bei RAGE ab? Habt ihr ein harmonisch, demokratisches Arbeitsklima in der Band oder liegt es an dir alleine zu bestimmen was und wie aufgenommen wird
Peavy: Jeder kann sich zu 100% einbringen, alles wird probiert und ich bin immer für Vorschläge offen, die letzte Entscheidung liegt aber immer bei mir. Ich lasse die Jungs aber in ihren Fachgebieten immer machen, es gibt einfach bei jedem Dinge, die er am besten kann, es muss aber im Rahmen dessen bleiben, was Rage vorgibt…

Andriy: Fällt dir das Komponieren immer noch leicht nach 23 Alben? Oder musst du schon sehr konkret nach Inspiration suchen?
Peavy: Nein, das kommt von allein, ich muß nur die Antennen auf Emfang stellen und die inspirierten Momente erkennen und einfangen. Das ist mein Elixier…

Andriy: Wie erwähnt, ich hatte die Möglichkeit, ‚Wings of Rage‘ schon mehrmals zu hören und was mir am meisten gefallen hat ist die Produktion allgemein. Alles klingt sehr frisch und tight, ‚to the point‘ würde ich auf Englisch sagen. Wo habt ihr die Lieder aufgenommen und wer wurde diesmal beauftragt, an dem Album zu arbeiten (Mixing, Mastering etc.)? Seid ihr selbst stolz auf ‚Wings of Rage‘?
Peavy: Wir haben unser eigenes Studio, das Marcos betreibt, hier bei uns in der Nähe von Köln. Erstmalig haben wir alles selbst gemacht incl dem Mix, den Marcos übernommen hat, das Mastering ebenso. Wir anderen waren natürlich involviert und sind alle mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Andriy: Lass uns kurz über den Albumtitel und das Cover sprechen! Ein grünes, gut gelauntes Monster fliegt über den Friedhof wie ein Tornado und ruft die toten Seelen herbei. Ist das wie du dir RAGE heute vorstellst? Oder ist diese Illustration keine Metapher?
Peavy: Unser „Soundchaser“ begleitet Rage ja schon seit 1988, erfunden hat ihn übrigens ein Wiener Künstler, Joachim Luetke. Dieses Mal ist er zum Drachen mutiert. Er wacht über die Gräber der Namenlosen, passend zum Song „A Nameless Grave“. Kreiert hat das Cover dieses mal Stan W. Decker, ein französischer Künstler…

Andriy: Im Februar 2020 geht ihr auf Europa Tour, um die neue Scheibe live zu präsentieren. Sind auch Festivalgigs für Sommer geplant? Vielleicht kommt es mir nur so vor, aber ich sehe RAGE nicht besonders oft bei den Festivals, obwohl ich jedes Jahr viel durch Europa reise und die Sache beobachte. Woran liegt das?
Peavy: Im Februar startet der erste Tour Teil, wir werden insgesamt bis nach 2021 hinein für das neue Album touren, natürlich werden wir auch eine ausfühliche Festival Saison über den Sommer spielen, in Österreich sind wir auch auf einem namhaften Festival vertreten, die dates werden baldmöglichst bekannt gegeben. Wir spielen seit vielen Jahren auf sämtlichen für uns relevanten Festivals, schau mal genauer hin…

Andriy: Noch eine letzte Frage  Es gibt ein Video aus dem Jahr 2007 auf Youtube, in dem du ‚Jawbreaker‘ von Judas Priest mit der russischen Band ‚Kipelov‘ coverst! Die Qualität des Videos ist sehr schlecht, aber man hört trotzdem, wie gut eure Stimmen harmonieren. Wie ist es dazu gekommen und kannst du dir vielleicht so ein Duett einmal auf einem RAGE Album vorstellen.
Peavy: Ich kenne Valeri schon lange und könnte mir sicher auch ein Duett mit ihm vorstellen, mal sehn, was die Zeit so mit sich bringt…

Andriy: Peavy, vielen herzlichen Dank nochmal für deine Zeit heute! Genieß die Feiertage, die letzten Konzerte dieses Jahres und viel Erfolg in 2020! Ich hoffe, wir sehen uns bei dem Gig von RAGE in Wien im Februar.
Peavy: Alles klar, auch alles gute an alle, bis zur Tour dann!


Links: 
Webseite RAGE
Facebook RAGE
Preorder Wings of Rage

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