Alt und Neu aus meinem Plattenschrank – Meine Empfehlung für Sonntag – Kolumne

Alt und Neu aus meinem Plattenschrank ist eine wiederkehrende Kolumne, in der unsere Redakteure jeweils ein Album zur näheren Besprechung und Vorstellung auswählen. Die perfekte Sonntagslektüre mit dem bestimmt ein oder anderen bisher unbekannten Musiktipp.


Sounds That Can’t Be Made, Marillion

Heute wage ich einmal einen Griff in mein Plattenregal und möchte eine Platte vorstellen, die mich wieder zurück in das Schaffen der Band brachte und mich neu darauf blicken lässt. Die Rede ist von Sounds That Can’t Be Made von Marillion, das 2012er Studioalbum der britischen Neo Prog Pioniere.

Sowohl alt als auch neu stark

Vorneweg, für meinen Geschmack hat die späte Phase der Band unter Liebhabern progressiver Musik ein häufig zu schlechtes Image. Die frühe Phase mit Fish wird oft als die beste oder sogar als die einzig valide benannt, und zeitlose Klassiker hat man in dieser Phase geschaffen, Script for a Jester’s Tear oder Fugazi. Spätestens mit Clutching At Straws war nun auch hörbar in dieser Konstellation die Luft raus, und der Neuanfang mit Steve Hogarth am Mikrofon und dem phantastischen Seasons End hat vielen Fans nicht gefallen.

Andere, jedoch nicht schlechtere Präsenz

Er ist von seiner Stage-Persona sehr anders und generell vom Stil und seinen Texten teilweise andere Emotionen bedient. Natürlich hat sich der Charakter der Musik Marillions über die Jahre geändert. Man hat sich dem Zeitgeist angepasst, zeitlose Klassiker wie Brave geschaffen und spätestens nach dem Ausstieg aus ihrem Vertragsverhältnissen mit einem Majorlabel hatte man Raum für kompositionelle Experimente, die allerdings nicht immer gelingen wollten.

Alles in allem eine schlüssige Entwicklung

Für mich als Fan war das eigentlich kein Problem, This Strange Engine ist toll, aber auch Alben wie Radiation oder marillion.com konnte und kann ich immer noch viel Gutes abgewinnen und finde Musik einer Band vor, die sich fortschreitend weiterentwickelt und auch mal Ungewöhnliches ausprobiert. Anoraknophobia hat mir von der ersten Minute an zugesagt, und bot modernen, konzisen und in sich kompakt konstruierten Art Rock. Da war für mich dann aber auch schon der Höhepunkt erreicht. Beim Nachfolger Marbles hatte ich den Fehler gemacht und mir die auf eine CD begrenzte Condensed Version zugelegt, aber auch hier waren mir im Vergleich zu vorher schon zu viele Längen drin und in der Studioproduktion fehlte dem ganzen Geschehen auch ein bischen an Lebhaftigkeit und Überzeugungskraft. Zudem war der beste Song, Oceans Cloud, hier nicht einmal vorhanden und der erweiterten Version vorbehalten.

Der rote Faden verheddert sich

Klar, Augen auf beim Kauf heißt es da. Für mich war aber auch schon das, was ich zuvor auf der “kleinen” Version von Marbles gehört habe, kein Grund noch mehr in die erweiterte Version zu investieren. Kurz gesagt, damals war Marbles für mich eine Enttäuschung. Die beiden Nachfolger Somewhere Else und Happiness Is The Road mit seinem zweigeteilten Konzept machten es nicht unbedingt besser. Mir war das damals zu Zeiten des Veröffentlichung einfach viel zu belanglos und daherplätschernd. Daher verlor ich zunehmend das Interesse, mich noch weiter mit den aktuellen Veröffentlichungen zu beschäftigen.

Ein Track über eine Welt in Mauern

In einer ärztlich verordneten Auszeit hatte ich sehr viel Zeit, und in dieser habe ich viel Webradio gehört. Auf einem Sender lief dann eines Tages Gaza, und dieser Longtrack hatte mich spontan überzeugt. Hier stimmten endlich einmal wieder der Ausdruck und die Emotionen, die Steve Hogarth zu vermitteln gedachte, und das majestätisch-nahöstliche Klangbild passte dazu. Das knapp 20 minütige Gaza alleine genügte mir schon, um mir die Sounds That Can’t Be Made ins Plattenregal zu stellen, aber auch die anderen Songs, vor allem die längeren, fallen kaum ab. Montreal und The Sky Above The Rain bestätigten mich darin, dass Marillion wieder zu einer Form gefunden haben, die auch mir wieder das Interesse an der Band zurückbrachte.

Versöhnliches Ende

Der Nachfolger F.E.A.R., der stilistisch eine Rundreise durch das gesamte Bandgeschehen bietet, ist ebenfalls sehr zu empfehlen. Dank der Livescheibe Marbles In The Park habe ich auch mit Marbles meinen Frieden gefunden, es ist das erste komplette Livealbum mit Marbles inklusive Oceans Cloud, und hier funktioniert das Konzept für mich vorzüglich, das Album und die Songs leben richtig. Zu Somewhere Else und Happiness Is The Road habe ich im Übrigen mittlerweile ebenfalls ein positives Verhältnis entwickelt.


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