Virtual Time – Pictures – Album Review

Virtual Time – Pictures
Herkunft: Italien
Release: 05.11.2019
Label: Go Down Records
Dauer: 41:09
Genre: Rock


Virtual Time sind mehr als eine fleißige Band und ihr musikalischer Output stellt sich alles andere als vorhersehbar heraus.
Seit ihrer Gründung 2012 in Vicenza, Italien, haben sie sechs Outputs veröffentlicht – vier Alben davon allein in den Jahren 2018 bis 2019.
Ich bin riesig gespannt, ob hier Quantität auch Qualität bedeutet und wende mich dem aktuellsten Release, Pictures, das Ende 2019 veröffentlicht wurde, zu.
Schnell merke ich, dass Pictures kein neues Album ist, sondern eine Zusammenstellung dreier Alben: From The Roots To A Folded Sky, Animal Regression aus 2018 und A-Go-Gi-Ca von 2019. Die bestens Schnappschüsse auf einem Album sozusagen.

Traditionell startet man mit einem Smasher, der dem Zuhörer ins Ohr geht und in seinen Bann zieht.  Doch scheinbar mögen es die Jungs unkonventionell und starten mit dem ruhigen und relaxten Charmed, das durch eine schöne Gesangsstimme und perfekte Schlagzeugtechnik besticht. Just You lässt es weiter entspannt angehen und ist vom Stil her bester 1990er Jahre US-Radiorock. Es folgt der Song, den ich als Opener erwartet hätte: Beyond The Sun ist beste, ohrenschmeichelnde Rockmusik.
Was danach kommt, bringt mich aus dem Konzept: scheinbar haben Led Zeppelin das Ruder übernommen!
Die nächsten vier Songs passen so gar nicht zum Beginn des Albums, obwohl ich zugeben muss, dass High Class Woman und besonders das abgefahrene The Adventure Of Funky Boy schon echt Spaß machen.
Ein weiterer harter Stilbruch folgt mit Nowhere Land, ein Discofox, ehe man uns mit einer Rumba names Falling Away leicht wippend im Wohnzimmer zurücklässt.
Das Experiment geht weiter: She lebt vom Hin- und Herwiegen zwischen hervortretenden dunklem, elektronischen Keyboardteppichen, entspanntem Gesang und jazzigen Gitarren.
Ein experimentelles Lied, dem man aber eine große Spannung im Aufbau und auch Können beim unorthodoxen Umsetzen bescheinigen muss.
Als letztes folgt mit Distant Shores ein radiotauglicher Akustiksong, der sich im letzten Drittel noch einmal dem Genre Rockmusik zuwendet.


Fazit:
Was habe ich gehört? Eine bunte, vielleicht zu bunte Mischung mit Einflüssen aus allen Phasen der letzten 30 bis 40 Jahre der Rock- und Popmusik. Ich werden das Gefühl nicht los, dass die Jungs immer noch auf der Suche nach ihrer musikalischen Ausrichtung sind. Jedes Lied für sich hat seine Reize und ist sehr gut umgesetzt, aber der Spagat ist enorm groß. Mir persönlich gefallen die Led Zeppelin Songs, das experimentelle She sowie der Ohrwurm Beyond The Sun am besten. Keine typische Best Of, das hier hat schon Sampler Charakter. Trotzdem immer noch 7/10.

Tracklist:
01. Charmed
02. Just You
03. Beyond The Sun
04. High Class Woman
05. Heaven Is Asking …
06. The Adventure Of Funky Boy 
07. I See The Moonlight
08. Nowhere Land
09. Falling Away 
10. She
11. Distant Shores 

Line-Up:
Luca Gazzola – Gitarre, Theremin, Background Gesang
Marco Pivato – Bass
Alessandro Meneghini – Drums, Background Gesang
Filippo Lorenzo Mocellin – Gesang, harmonics, Akustikgitarre

Links:
Webseite Virtual Time
Facebook Virtual Time
Bandcamp Virtual Time

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