Veritates – Silent War – Album Review

Veritates – Silent War
Herkunft:
Deutschland
Release:
16.09.2022
Label: Doc Gator Records
Dauer:
59:49
Genre:
Power Metal


Die letzten Jahre sind an allen von uns nicht spurlos vorüber gegangen. Dabei ist es egal ob man Musiker, Fan oder einfach nur Einwohner dieses Landes ist. Politische Veränderungen, Bedrohungen und persönliche Einschränkungen haben Spuren und auch offene Fragen hinterlassen.

Schon deshalb kann das zweite Album von Veritates nicht ohne hörbare Veränderungen erklingen. Personell sind alle Musiker der ersten Platte Killing Time mit an Board und es wurde mit Frank J. Noras ein weiterer Gitarrist ins Gefüge aufgenommen. Die Veränderung ist spürbar in den Texten, der Härte der Musik und in einem veränderten Sound. Letzteres liegt natürlich daran, dass Chris Boltendahl sich der Produktion, des Mixes und des Masterns von Silent War angenommen hat.

Reflektionen unseres Lebens

Obwohl die meisten Musiker von Vertitates auch in andere Bands eingebunden sind, hört man diese anderen Bandtätigkeiten nicht. Es gibt kaum Parallelen zum Schaffen von WarWolf oder Grave Digger. Das musikalische Gerüst auf Silent War schlägt einen wesentlich härteren Kurs ein, welcher vielleicht ein bisschen in Richtung Wolfen geht. Die meisten Kompositionen wurden vom Gespann Tom Winter und Andreas von Lipinski erarbeitet. Der Großteil der Texte reflektiert die aktuellen Sorgen und offenen Fragen im Leben.

Schon deshalb geht es aktuell wesentlich härter als auf dem Debüt zu. Der Opener For My Thoughts spiegelt den Druck und die Dominanz der Gitarrenarbeit wieder, die durch Schlagzeug und die moderne Produktion verstärkt werden. Der Opener atmet dabei schon fast das Feeling einer Band wie Iced Earth. Die kühle Härte bekommt nur durch die Gesangslinien im Refrain und die Backgroundchöre einen warmen Anstrich. Zum Einstieg gibt es HIER den Opener zum Anhören.

Im Spiel von Melodie und Härte

Mehr Melodie bringt das siebeneinhalb Minuten lange Evil mit sich. Wunderbar sind hier die Gitarrenarbeit und die Harmonien im Mittelteil. Evil ist ein Stück, welches noch dem ersten Album zugewandt ist. Mit mehr Härte und Druck geht die Band bei rasenden My Own Way vor und das bleibt nicht die Ausnahme. So ist zum Beispiel auch Lies ein fast schon thrashiges Stück.

Fear Sells und Faceless Man gehen ebenfalls in Richtung Härte. Doch die Tiefe wird hier nicht durch Geschwindigkeit, sondern durch die Riffs und den harten kontrollierten Klang des Schlagzeugs erreicht. Auflockerungen erfolgen durch facettenreiche Gitarrensoli und die Gesangslinien.

Zeit für Gefühl

Zweimal bieten uns Veritates nachdenkliche, ruhige Töne an. Als erstes wäre da Alone, das sich inhaltlich mit dem Älterwerden und der oft damit verbundenen Einsamkeit beschäftigt. Der Song ist inhaltlich zwar top, aber er zündet emotional nicht komplett durch. Zu lang nimmt Alone Anlauf, ehe sich Gitarrensolo und Refrain vereinen.

Textlich ähnlich gelagert, holt mich die zweite Nummer Mirror ganz anders ab. Die Gesangslinien sind viel emotionaler, Andreas von Lipinski wächst über sich hinaus, die Gitarre bindet mich mit ein und zieht in mir die Emotionen hoch. Für mich ein emotionaler Höhepunkt auf dem Album.

Der Brocken und das Finale

Der längste Track ist das fast zehnminütige Psychologist Of The Dead. Der Song startet zart mit Keyboardteppichen und Gesang bevor die Gitarrenarbeit einsetzt. Inhaltlich beschäftigt er sich mit den Ängsten eines Kindes vor unheimlichen Personen im Haus. Die Intensität des Songs zieht im Mittelteil an und bringt so die Unruhe und Panik des Kindes rüber. Die Auflösung der dunklen Geschichte erfolgt mit zartem Gesang und emotionalem Gitarrenspiel. Doch verraten wird hier nichts, lasst euch selber überraschen.

Bleibt ein Blick auf das Finale. Silent War zeichnet ein düsteres Bild von der Natur, die sich für alle Vergehen an ihr mit einem unsichtbaren Virus rächt. Dieses Thema kann keine fröhliches Sein und so grooved und rifft sich die Band hart durch das finale Stück. Der Bass böllert, der Schlagzeuger arbeitet für zwei und natürlich gibt es ein tolles Gitarrensolo. Andreas von Lipinski ruft mit kehliger Stimme den Silent War aus und erhält seinen Gegenpart im Refrain durch den klaren Backgroundgesang. Ein würdiger Abschluss für das Album.

Das Album wird als CD und auf Vinyl erscheinen. Aufgrund der eingeschränkten Spielzeit einer LP sind Alone und Faceless Man nur auf der CD Ausgabe enthalten. Vielleicht ist das ein Grund sich die, mittlerweile fast stiefmütterlich behandelte, kleine silberne Scheibe mal wieder zuzulegen.


Fazit
Veritates
reflektieren auf Silent War das aktuelle Lebensgefühl und Sorgen um die Zukunft. Das ist auf musikalischer Ebene verbunden mit manchmal schon thrashigen Riffs und höherem Tempo als auf dem Debüt. Dem neuen Härtegrad stehen eine differenzierte Gitarrenarbeit und emotionale Momente wie bei Mirror gegenüber. Veritates sind auf ihrer Reise gereift und nehmen uns mit.
Klasse 8,5 / 10

Line Up
Andreas von Lipinski – Gesang
Tom Winter – Gitarre
Frank J. Noras – Gitarre
Jörg Belstler – Bass
Markus Kniep – Schlagzeug

Tracklist
01. For My Thoughts
02. Evil
03. My Own Way
04. Alone
05. Psychologist Of The Dead
06. Lies
07. Fear Sells
08. Faceless Man
09. Mirror
10. Silent War

Links
Facebook Vertitates
Bandcamp Veritates

  


Außerdem auf Soundmagnet.eu
Album Review – Veritates – Killing Time
Interview – Nordblut, Nachgefragt bei Nordblut

Album Review – WarWolf – Necropolis

Cooler Artikel? Diskutiere mit auf Facebook!
[Total: 3 Average: 5]
Teile diesen Inhalt mit anderen
fb-share-icon