Tristwood – Nachgefragt bei Deimon – Interview

Die Oberösterreicher Tristwood konnten mich mit Ihrem neuen experimentellen Black Industrial Cybercore Werk Blackcrowned Majesty vollends überzeugen. Da wurde es Zeit, den Herren, in Person von Deimon, per Email Interview auf den Zahn zu fühlen.


Frank: Ich bin begeistert von eurer Experimentierfreudigkeit. Bei Blackcrowned Majesty legt ihr viel Wert auf ein futuristisches Gewand in höllischer Geschwindigkeit. Wie kam es dazu, dass ihr euch genau auf diesen Stil festgelegt habt?
Deimon: Also wenn ich auf die Anfangsphase von Tristwood zurückblicke, dann war wohl das Interesse an experimenteller Musik einer der Hauptfaktoren, warum wir uns auf diesen Stil fokussiert hatten. Ich hatte schon immer eine Schwäche für Filme wie Star Wars oder Tron, Neru ging es da ähnlich und Jegger stand immer auf alles, was rein musikalisch abseits der Norm stattfand. Daneben waren wir auch begeistert davon, wie sich die radikaleren Spielarten des Metals ab der zweiten Hälfte der 1990er in Norwegen, Schweden, den USA und in Österreich entwickelten. Zu Beginn war uns aber nicht so sehr klar, was wir da machen, es war vielmehr ein Gefühl, in eine gestimmte Richtung zu experimentieren.

Als wir dann unser erstes Mini-Album „Fragments of the Mechanical Unbecoming“ aufnahmen, wurde uns immer mehr bewusst, dass wir etwas Unverkennbares, ja Außergewöhnliches aufnehmen würden. Noch heute schauen wir fast ungläubig auf diese Aufnahme. Dasselbe gilt für unser zweites Album „Amygdala“. In der ersten Hälfte der 2000er Jahre kam dann auch die Frage auf, wie wir unseren Stil eigentlich zu bezeichnen haben. Sicher, wir waren schon auch eine Industrial Black Metal-Band, aber da waren auch Grindcore-, Death Metal, Post Punk, Ambient, Synthwave und Industrial-Einflüsse rauszuhören. In einer von vielen durchzechten Nächte in einer Insider-Spelunke in Innsbruck beschlossen wir dann, unseren Stil Black Industrial Cybercore zu nennen. Das passt irgendwie heute noch, auch wenn wir mittlerweile eine Drone-Platte mit dem Titel „Crypt of Perennial Whispers“ und eine Ambient Doom/Black Metal-Aufnahme mit dem Titel „Svarta_Daudi“ rausgebracht haben, die sogar unsere Stilbezeichnung zu eng wirken lässt. Also, keine Ahnung, was wir sind. Wir sind halt Avantgarde…

Frank: Die Hauptfigur Ar’ath, betitelt den Albumnamen. Steckt ein bestimmtes Konzept hinter dem Album und ist geplant diese Story noch auf weitere Alben auszuweiten?
Deimon: Ja, das kann man wohl so sagen. Das neue Album beschäftigt sich mit der Rückkehr einer sagenumwobenen, unfassbar kalten, dunklen Herrscherin in die bereits fast von ihr zerstörte Welt von Ma’haxul. Hintergrund für diesen Konflikt ist eine alte Auseinandersetzung mit ihrem Vater Ka‘a, der vor Äonen Ar’ath, seine eigene Tochter, in die Unterwelt verbannt hatte, um sie vor allen anderen zu verbergen, während er als Sonnenscheibe einen ganzen Kontinent erleuchtete und allem Leben sowie Freude spendete, nur eben seinem eigenen Kind nicht. Als Ar’ath zum ersten Mal mit ihren Getreuen aus der Unterwelt gegen ihren Vater und den Rest der Welt antritt, verwüstet sie den gesamten Kontinent und bricht Ka’a aus den Angeln des Himmels heraus, woraufhin dieser auf den Kontinent Ma‘haxul herabfällt, ihn in mehrere Teile zerschlägt und nur einen zerborstenen Rest der ehemals schönen Weiten dieser Welt übriglässt. In dieser Phase der Auseinandersetzung zerschmilzt Ar’ath, die zusammen mit ihrem (im Angesicht seines Ablebens alles verbrennenden) Vater in den Abgrund gerissen wird, in tausende, schwarze Tröpfchen. Die überlebenden Wesen von Ma’haxul glauben zunächst, dass Ar’ath in den Tod gestürzt sei, doch eine Weissagung, die im Übrigen im Booklet des Albums „Blackcrowned Majesty“ abgedruckt ist, deutet auf ihre Rückkehr hin. Und eben genau diese Rückkehr wird in diesem neuen Album thematisiert und vertont.

Du hast auch gefragt, ob diese Geschichte fortgeführt werden wird: Dazu kann ich nur sagen, dass Jegger bereits eine weitere Episode in Form von Texten niedergeschrieben hat. Ich kann deine Frage also bejahen. Als Nächstes kommt eine EP mit dem Arbeitstitel „The Vortex of Damnation“ raus, die sich ein wenig mit Rauthra, dem Antihelden der Geschichte, und seiner Beziehung zu Ar’ath beschäftigen wird. Es handelt sich hierbei um ein Fabelwesen, einen schwarzgolden leuchtenden Hädhrit. Das ist ein gehörntes Mischwesen, in der alten Welt von niedrigster Geburt, ein ehemaliger Sklave. Wichtig ist, dass er neben Ar‘ath Protagonist dieser Geschichte ist. Und noch entscheidender wird sein, wie sich Rauthra im Verlauf der Handlung verhalten wird. Das erfährt man allerdings erst, wenn die Ep veröffentlicht wird.

Frank: Wie fühlt es sich an, nach so vielen Jahren einen echten Basser in der Band zu haben und warum habt ihr früher auf einen Basser verzichtet?
Deimon: Also ich finde das super. Jegger ist da immer ein wenig sperrig, wenn es um die Aufnahme von Bandmitgliedern geht. Er ist halt ein richtiger Berggrantler. Bei JD war aber von Anfang an klar, dass er genau der Richtige für die Band ist. Jegger hat nicht einmal gegrummelt. Ich glaube, er mochte JD von Anfang an, auch wenn er das nie zugeben würde. Neru war da ein wenig schwieriger. Er war praktisch wie so oft ein halbes Jahr nicht erreichbar. Keine Ahnung, was er gerade wieder treibt. Er ist eben ein Abenteurer, immer auf der Suche nach irgendwelchen Schriftstücken, einer limitierten Platte, dann jagt er auf Island Polarlichtern nach, ein anderes Mal verbarrikadiert er sich im Studio, weil ihm ein Ton in einem Song nicht passt. Momentan gibt er vermutlich Baby-Pinguinen in der Antarktis Schwimmkurse oder er gräbt die Sahara um, weil er dort bei der Suche nach einer verschollenen Alien-Zivilisation vor Jahren sein Mobiltelefon verloren hat. Er ist und bleibt ein Mysterium, der Mann…

Frank: Speziell ist auch das Cover Artwork gestaltet, welches von Ani van Sunnjorck gezeichnet kreiert worden ist. Wie kam der Kontakt zur Künstlerin zustande und gibt es noch andere Werke zu bestaunen?
Deimon: Wie das Cover-Artwork entstanden ist, hängt mit dem nächsten Mysterium in der Band, Jegger, zusammen. Da könnte ich ein Buch allein über diesen Oberkauz schreiben. Immer dann, wenn er aus irgendeiner Felsspalte herausfällt oder grantig irgendeinen Bergwald durchwandert, begegnet er auf fast gespenstische Art und Weise Menschen, die irgendetwas können. Er wäre wohl der geborene Talentscout, wenn er nur wollte. Bei Ani war es ähnlich. Die Legende besagt, dass er einer Bekannten Pinsel, Leinwand und Farben in die Hand gedrückt und sie grummelig davon überzeugt hat, dass die beiden nun Bilder malen würden. Das hat sie dann ein wenig verwirrt auch gemacht, denn unser Waldschrat mit Hang zum abstrakten Expressionismus kann sehr, wie bereits erwähnt, überzeugend sein. Aber nicht in einem Atelier, nicht unter normalen Umständen, sondern inmitten der Berge, inmitten grauer steiler Wände, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Frage, ob es weitere Bilder zu bestaunen geben wird, kann ich nur bejahen. So wie es aussieht, wird sie wieder ein Cover für uns malen. Es wird wohl ein Ölgemälde sein, vermute ich.

Frank: Österreich ist generell für eine sehr lebendige Underground-Szene bekannt. Wie sehr lebt die Metal Undergroundszene in Oberösterreich?
Deimon: Ich glaube, dass Oberösterreich ein paar metallische Perlen anzubieten hat, die nur dieses Bundesland hervorbringen konnte. Natürlich fallen mir da grandiose Bands wie Eschaton, Thine, die magischen Thirdmoon, In Slumber, Jack Frost, Mortus, Olemus und Edenbridge ein. Ich weiß aber nie, inwieweit man heutzutage von Underground noch reden kann. Da gehe ich eher mit Jeggers Einschätzung, der die Welt in kommerziell-trivial und antikommerziell-künstlerisch unterteilt. An sich ist aber die Szene hier super und ich fühle mich als Tiroler sehr wohl unter den oberösterreichischen Metalheads.

Frank:
Häufig kommt es vor allem in der Metalszene zu Diskussion, wenn es um den kommerziellen Erfolg einer Band geht. Ab wann ist eine extreme Metalband für euch kommerziell?
Deimon: Ich schätze mal, dass der kommerzielle Erfolg dann gerechtfertigt ist, wenn die Musik einen künstlerischen Wert und ein Alleinstellungsmerkmal hat. Als Beispiel möchte ich Emperor ins Feld führen. Das ist absolut antikommerziell, was die machen. So eine Musik kommt eigentlich nicht in die Charts. Das Gleiche gilt für Slayer oder meinetwegen Obituary. Alle drei sind kommerziell erfolgreich, aber aufgrund ihres Alleinstellungsmerkmals sicher nicht mainstreamiger Kommerz. Sicher, eines ist auch klar, wenn Verkaufszahlen eine Rolle zu spielen beginnen, dann kann es passieren, dass die Band Kompromisse eingehen muss. Ich denke, das spüren Fans, wenn man zu sehr in Richtung der Verkaufszahlen schielt. Ich bin aber ganz ehrlich vor allem Metalfan, wenn es nicht um Tristwood geht. Wenn mir ein Album einer Band gefällt, wenn der Sound gut ist und das Bemühen spürbar, wenn ich den Sound hammermäßig finde, wenn ich bei einer Halben Bier bangen kann, dann bin ich zufrieden. So einfach ist das. Basta!

Frank: Wenn Du Tristwood in 2 – 3 Sätzen beschreiben müsstest, wie würden diese lauten?
Deimon: Tristwood ist anders, ist von Käuzen vertonter Black Industrial Cybercore, sind Düster-Avantgardisten, radikale Soundtüftler und Phantasten mit Hang zur künstlerischen Provokation. Tristwood lieben Menschen und Delphine.

Frank: Werden wir euren musikalischen Wahnsinn in naher Zukunft auch mal live begutachten können?
Deimon: Niemals, das kann ich dir versprechen. Neru hat mal gesagt, dass er Tristwood mal gerne vom Publikum aus anhören würde. Da denken die meisten wohl ähnlich in der Band. Ist verrückt, ist uns aber wurscht. Ich habs eh schon gesagt, wir packen die Dinge anders an. Vielleicht machen wir mal eine Soundcollage für eine Kunstgalerie oder eine Installation mit irgendeinem bildenden Künstler, der sich etwas mehr zutraut als in Watte gepolsterte abstrakte Kunst. Mal schauen, ob mal jemand genug Mumm in den Knochen hat, um bei uns anzufragen.

Frank: In 20 Jahren Bandhistorie, gibt es bestimmt einiges zu erzählen. Erzähl uns eine abstruse Story aus dem Leben von Tristwood, sei es eine Liverfahrung oder etwas aus dem Proberaum.
Deimon: Ich würde sagen, vor allem unsere Alben sind auf sehr eigenartige Weise entstanden. Da könnte man einen ganzen Erzählband rausbringen und der geneigte Leser/die geneigte Leserin müsste die eine oder andere Geschichte ein zweites Mal durchgehen, weil er oder sie nicht fassen kann, was gerade auf der vorhergehenden Zeile stand. Nur so viel: Bei den Aufnahmen zur EP Svarta_Daudi haben wir es tatsächlich geschafft, dass die Anwesenden – noch bevor einer auch nur einen Ton gespielt hatte -in Folge allzu großzügiger Jackie-Cola-Mischungen nicht mehr stehen konnten. Und ich meine das nicht als Übertreibung. Das hatte dazu geführt, dass die anwesenden Gitarristen auf dem Boden liegend das Album eingespielt haben, weil man ja nicht mehr in der Lage war, vernünftig auf einem Stuhl zu sitzen. Das ging drei Tage so. Am Ende war die wohl legendärste Platte eingespielt. Von uns weiß bis heute keiner genau, wer was aufgenommen hat. Manche Bandmitglieder bestreiten bis heute, dass sie bei den Aufnahmen überhaupt dabei gewesen sind. Es gibt auch Bassspuren, aber keiner hat ne Ahnung, wer sie eingespielt hat. Ich habe ja die Vermutung, dass irgendein Nachbar ins Studio eingestiegen ist, während wir geschlafen haben und dann die Basslines auf Band gezaubert hat. Kann das möglich sein? Ist das abstrus genug? Ich denke ja…

Frank
: Vielen Dank für Eure Zeit und ich hoffe in Zukunft noch mehr von Euch zu hören. Stay magnetic!


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