Quer durch die Playlist der letzten 20 Jahre – Kolumne

Vor kurzem starteten wir den Aufruf nach Gastautoren und die Bewerbungen kamen zahlreich. Für die informativsten Beiträge wie den folgenden machen wir gerne als Sonntagsthema Platz.

Diesen Sonntag schaut Martin, passionierter Musik-Fan aus dem Ruhrgebiet, in seine Playlist der letzten zwanzig Jahre. Weshalb Slipknot ihn auch heute noch begeistern.


Crossover-Sound, Psycho-Image und furchteinflößende Masken: Slipknot brachten nach der Jahrtausendwende alles mit, um sowohl Sittenwächter als auch Metal-Puristen gleichermaßen abzustoßen.

Bis zur Veröffentlichung ihres zweiten Albums Iowa im Jahr 2001 war die Band oftmals für ihre Gimmicks und Kontroversen belächelt worden. Heute wissen wir: Nach Iowa lachte niemand mehr.

People=Shit eröffnete den Reigen: Brachiale Blastbeats und ein wütendes „Here we go again, Motherfucker!“ gaben die Marschrichtung vor.

Disasterpieces begeistert bis heute mit unbedingter Härte und cleverem Songwriting. Mit My Plague und Left Behind wurde dann kurzzeitig in den Mainstream geschielt, ohne dabei irgendwelche peinlichen Kompromisse einzugehen.

Mit Heretic Anthem verschwammen dann endgültig die Grenzen zwischen New Metal-Image und Death Metal-Sounds.

Iowa rollte wie ein Panzer über die Popbands mit E Gitarren

Limp Bizkit? Linkin Park? Wer waren die nochmal? Iowa enttarnte die Konkurrenten als das, was sie immer schon gewesen waren: Popbands mit E-Gitarren. Iowa hingegen rollte wie ein Panzer über den Mainstream hinweg.

Die Bedingungen unter denen das Album entstand waren bekanntermaßen katastrophal. Der Erfolg ihres Debutalbums hatte die neunköpfige Band schlagartig populär gemacht, doch die Strukturen und die Finanzen der Band waren alles andere als stabil. Drogenmissbrauch, interne Konflikte und tonnenschwerer Erfolgsdruck taten ihr übriges. Die internen Querelen hätten leicht dazu geführt, dass die Band nach dem Debut auseinander bricht.

Im Rahmen der begleitenden Welttournee zu Iowa entlud sich die aufgestaute Aggression in einer erschütternd-intensiven Liveperformance. Die Doppel-DVD Disasterpieces, 2002, ist der eindrückliche Beweis dafür: Slipknot mögen nach der Jahrtausendwende mental am Ende gewesen sein, doch musikalisch waren sie nie mehr wieder so skrupellos und effektiv.

Mit Death-Metal Riffs und Blastbeats ging es für die Band direkt an die Spitze der britischen Album-Charts und später zu den Grammy Awards. Manche Großtaten müssen nun mal im Schmerz geboren sein.


Highlights:
People=Shit – HIER
Disasterpieces – HIER
My Plague – HIER

Links: 
Facebook Slipknot
Webseite Slipknot


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