Quer durch die Playlist der letzten 20 Jahre – Kolumne

Vor kurzem starteten wir den Aufruf nach Gastautoren und die Bewerbungen kamen zahlreich. Für die informativsten Beiträge wie den folgenden machen wir gerne als Sonntagsthema Platz.

Diesen Sonntag schaut Martin, passionierter Musik-Fan aus dem Ruhrgebiet, in seine Playlist der letzten zwanzig Jahre. Weshalb Opeth ihn auch heute noch begeistern.


Was Opeth im Jahr 2001 mit Blackwater Park auf die Metal-Szene losließen, lässt sich in der Rückschau als eine Art mittlerer Urknall bezeichnen. Kenner hatten die Schweden schon lange als etwas Besonderes ausgemacht, doch erst mit diesem Album wuchs die Band vom Geheimtipp zu etwas scheinbar Übernatürlichem heran. So etwas hatte es vorher noch nicht gegeben, nicht in dieser beeindruckenden Form.

The Leper Affinity läutet es ein: Unheilvoll dröhnt es aus der Ferne heran und bricht dann mit ungeahnter Wucht über den Hörer hinein. Es folgen majestätische Riffs und schroffe Death Metal-Vocals, verpackt in ein halsbrecherisches Songwriting. Und grade wenn der Hörer sich eingewöhnt, unterbricht das Gewitter und die klare Singstimme von Mastermind Mikael Akerfeldt schmiegt sich an zarte Gitarrenklänge.

Eine übertalentierte Band macht Ernst: Schon in den ersten zehn Minuten offerieren die Schweden mehr Musikalität als andere Acts auf einem ganzen Album, veredelt durch eine atmosphärische Produktion. Sie verbinden wuchtigen Death Metal mit herzzerreißend schönen Prog-Passagen. Die Extreme verschmelzen ganz natürlich, hinter allem was zart und verletzlich scheint, verbirgt sich eine Urgewalt.

Die Band nimmt sich Zeit um maximale Wirkung zu entfalten. Die eingängige Ballade Harvest kommt mit sechs Minuten Laufzeit noch sehr gefällig daher. Der Titeltrack walzt die Erfolgsformel auf ganze zwölf Minuten aus und setzt den Schlusspunkt hinter einer Sounderfahrung der anderen Art. Hier treffen schleppende, dröhnende Riffs auf verträumte Instrumental-Passagen. Die aufgebaute Spannung mündet in einem alles zermalmenden Finale, zarte Gitarrenklänge entlassen den Hörer wieder in die Normalität.

Ja, es ist wahr. Das ist alles gerade passiert. Das ist echt.

Mit diesem Album haben Opeth den Horizont für zahllose Musikfans aus allen Genres erweitert und tun das bis heute. Die letzten Textzeilen bringen es auf den Punkt: Sick Liaisons raised this monumental mark / The sun sets forever over Blackwater Park; möge sie uns noch lange, lange Zeit erleuchten.


Highlights:
The Leper Affinity – HIER
The Drapery Falls – HIER
Blackwater Park – HIER

Links
Facebook Opeth 
Webseite Opeth

Cooler Artikel? Diskutiere mit auf Facebook!
[Total: 3 Average: 5]
Teile diesen Inhalt mit anderen