Leprous – Pitfalls Tour – 20.11.2019, Szene Wien – Live Review

Leprous – Pitfalls Tour 2019
Special Guest: Port Noir, The Ocean
Veranstaltung:
20.11.2019, Szene Wien
Herkunft:
Schweden, Deutschland
Ticket:
36,-
Genre:
Progressive-Metal/Post Metal/Ambient Rock/Progrock


Es ist ein verregneter Mittwoch Abend, als wir uns auf den Weg in die Szene Wien machen, um Leprous auf ihrer Pitfalls Tour live zu erleben. Es ist auf den Tag genau zwei Jahre her, seit sie Wien das letzte Mal bespielten und ich erinnere mich schmerzlich daran, weil die Show laut Berichten großartig gewesen sein muss und ich leider nicht dabei sein konnte. Ihr könnt euch vorstellen, wie mein Puls nun Kapriolen schlägt aufgrund der Vorfreude.

Uns bleiben kaum 15 Minuten, um uns vor Ort mit Getränken zu versorgen und den Merchandise Bereich zu inspizieren, bevor Port Noir die Bühne entern. Das aus Schweden stammende Trio bestehend aus AW Wiberg, Love Andersson und Andreas Hollstrand tourte bereits mit Größen wie Karnivool oder auch In Flames und wir sind richtig gespannt, wie ihr Sound beim heimischen Publikum ankommt. Nach dem ersten Riff und dem ersten Drumkick ist jedoch klar, dass die Jungs hier auf sicherem Parkett spielen. Die bereits anwesenden Zuhörer sind von Anfang an dabei und lassen sich auf den Style der Band ein. Auch bei mir dauert es nicht lange und ich bin spätestens beim dritten Song Blow weggeblasen vom souveränen Bühnenauftritt. Es ist nicht einfach die Band in ein Genre zu drücken, denn sie kreieren ihren ganz eigenen experimentellen Stil aus elektronisch dominiertem Pop Rock, der manchmal sogar Anleihen aus dem Hip Hop durchscheinen lässt. Progressiv auf jeden Fall und das mag nicht nur ich! Das Publikum strömt während des Sets vermehrt neugierig vor die Bühne und lässt sich mitreißen! Während der Vorstellung des dreißig minütigen Set (1.Young Bloods, 2.Flawles, 3. Blow, 4.Champagne, 5.Old Fashioned, 6.13) steigert sich die Stimmung schon ziemlich und das Publikum wird gut angeheizt der zweiten Band des Abends überlassen.

Den zweiten Appetizer bekommen wir durch The Ocean serviert. Die Jungs aus Berlin treten in den verschiedensten Konstellationen live auf und werden von der Crowd schon beim Betreten der Bühne bejubelt. Ein sehr gutes Zeichen für die kommende Show, zumal die Band das letzte Mal vor zwölf Jahren live in Wien war. Ich selbst kenne die Band lediglich von einer Split EP (Mono/The Ocean) und einem Album. Sofort bin ich beim ersten Drum geplättet von dem druckvollen Post Metal. Die Sludge Einflüsse sind unüberhörbar und der Gesang von Rosetti dröhnt trotz physischer Zurückhaltung kraftvoll in die Front Row. So bin ich das aus bekannten Videos dieser Tour gar nicht gewohnt, kennt man den charismatischen Sänger sonst doch sehr aktiv und die Crowd surfend.  The Ocean verzeichnen offenbar auch in Wien eine bereits große Fanbase, denn nicht nur vereinzelt singt das Publikum jede Zeile mit. Das 45minütige Set wird souverän und mit viel Power gespielt. Sieben Songs, die begeistern, sieben Songs, die ich unbedingt auf Vinyl haben muss: 1.Permian: The Great Dying, 2.Mesopelagic: Into the Uncanny, 3.Silurian: Age of Sea Scorpions, 4.Bathyalpelagic I: Impasses, 5.Bathyalpelagic II: The Wish in Dreams, 6.Devonian: Nascent, 7.Firmament

Es folgt ein kurzer Umbau der Bühne; das Pitfalls Cover ziert nun die Bühne und man merkt, wie es noch etwas enger in der Front Row wird, je näher es zum Auftritt von Leprous kommt. Pünktlich auf die Minute erscheint die Band auf der Bühne und es wird nicht lange gefackelt, bevor Einar Solberg mit dem Einsetzen des Gesanges von Below für großes Staunen sorgt. Ja, das wird ne Hammershow, denn hier hält jemand live, was er auf den Alben verspricht. Nicht, dass ich daran gezweifelt hätte, doch Solbergs Stimme ist es unter anderem, die Pitfalls für mich persönlich außerordentlich macht und aus den bisherig veröffentlichten Alben herausragen lässt. I lose Hope folgt als zweite Nummer des letzten Albums, bevor mit Acquired Taste die für den Abend einzige Nummer aus Bilateral gespielt wird. Weiter geht es mit Bonneville (Album: Malina) und The Cloak (Album Coal), bevor das Publikum mit dem Massive Attack Cover Angel ausser Rand und Band gebracht wird. Was für eine Energie diese Band hier liefert ist wirklich unglaublich. Niemand in der ausverkauften Szene Wien steht hier noch still, niemand kann sich der charismatischen Band entziehen.

Zwischen den Songs wird wenig gesprochen. Einar Solberg sagt, dass ihm das Singen nicht viel ausmacht, das Sprechen coram publico jedoch nicht leicht falle und er unsicher sei. Dies merkt man ein wenig und man lässt sich gerne von The Price (Album: The Congegration) wieder in den Musikhimmel holen. Die epochale Lichtshow rundet die Show so perfekt ab, dass man ewig Eins mit Leprous sein möchte. Die Jungs agieren überaus sympathisch und das gemischte Publikum ist hin und weg. Gerade die folgenden beiden Songs Observe the Train und Alleviate reißen die Menschen mit. Mit einem Songausflug durch Stuck zu Malina landet man mit Distant Bells wieder im Pitfalls Himmel. Mir fällt beim Abschluss des Abends mit From the Flame und The Sky is Red nochmal das an der Perfektion schrammende Drumming auf.


Mein Fazit:
Leute, die ihr nicht dabei ward, lasst euch sagen, ihr habt eine grandiose Show einer der talentiertesten Bands dieser Jahre verpasst. Leprous bieten nicht einfach nur zeitgenössischen Progrock, sondern erfinden ihn teils neu durch ihre Präsentation und durch Neuinterpretation. Hier wird gefühlvoll, jedoch nicht ausschließlich tragisch dramatisch Artrock kreiert, der eine breite Masse anziehen kann. Die beiden Bands Port Noir und The Ocean heizten das Publikum gerade richtig an und haben bestimmt nicht nur mich als Fan dazugewonnen.

Line Up Leprous:
Einar Solberg – Gesang / Synth
Tor Oddmund Suhrke – Gitarren
Robin Ognedal – Gitarren
Simen Børven – Bass / Synth
Baard Kolstad – Schlagzeug

Tracklist:
Below
I Lose Hope
Acquired Taste
Bonneville
The Cloak
Angel (Massive Attack Cover)
The Price
Observe the Train
Alleviate
Stuck
Distant Bells
From the Flame
The Sky Is Red

Persönlicher Fact des Abends:
Mein Held des Abends waren neben dem Haupt Act eindeutig Port Noirs Drummer AW Wiberg! Yeah! Well done drumming!

 

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