Gaffa Ghandi – Artificial Disgust – Da geht was – Album Review

Gaffa Ghandi – Artificial Disgust
Herkunft:
Berlin / Deutschland
Release:
24.04.20
Label:
Exile On Mainstream Records
Dauer:
44:00
Genre:
Progressive Metal / Post Rock / Stoner / Psychedelic


Gaffa Ghandi, vor knapp zehn Jahren in Dresden gegründet und mittlerweile in Berlin ansässig, haben schon einiges an Live Erfahrung gesammelt, oft zusammen mit Stoner- und Psychedelic Combos wie den russischen The Grand Astoria oder Mars Red Sky aus Frankreich, was sie offenbar nachhaltig auch im Sound ihrer eigenen Werke stark geprägt hat.
Nun ist auf dem Exile On Mainstream Label ihr mittlerweile dritter Longplayer Artificial Disgust erschienen, und zwar (natürlich) digital, auf Vinyl und auf einer mir vorliegenden CD im schönen und edlen Cardsleeve. Und ja, das Artwork ist ästhetisch schön gemacht, obwohl das Covermodel Stiefrücken in seinem Kostüm und seiner Maske auf dem ersten Blick verstörend wirkt, auf dem zweiten Blick aber sehr gut zum Anspruch, der Thematik und dem Gesamtkonzept passt.

Wie steht nun die Musik dazu? Nun, wie schon seit ihrer ersten Ich bewerbe mich bei Ihnen als Chef… EP und den Vorgängern spielt die Band rein instrumentalen Postrock, im Stoner Sound, mit delikaten Gitarrensoli und grummeliger, Stoner-typischen Rhythmusuntermalung. Die ersten beiden Titel der insgesamt vier (mit dem Bonustrack auf der CD-Fassung sind es fünf) Titel sind kürzer und konziser als die beiden Longtracks. Bereits das einleitende Symphony Of Swag, HIER zum Anspielen, besticht durch seine Eingängkeit, durch den fließenden Aufbau und seinen Abwechslungsreichtum. War On Fire beginnt fast schon doomig langsam, mit verstörenden Gitarreneffekten, um nach eineinhalb Minuten richtig loszugaloppieren. Im weiteren Verlauf ist das Zusammenspiel der Gitarren speziell hervorragend gemacht, und wer Long Distance Calling oder My Sleeping Karma im Hinterkopf hat, liegt hier fast genau richtig, außer dass Gaffa Ghandi noch eine gehörige Portion Doom mit ihren Gesamtsound integrieren.

Die Longtracks Ancient Dominator und der sowohl vom Titel als auch von der Gesamtlänge her längstem Titel sind ob ihrer Länge her erfreulich abwechslungsreich und vermeiden durch häufige Melodiewechsel einen allzu eintönigen Gesamtsound. Gerade letzterer wartet mit viel Abwechslung und Spielfreude auf, wechselt auch mal im Tempo und ist spannend arrangiert, was bei einem 16 Minuten langen Track nicht immer leicht ist. Als Fan von Longtracks für mich der beste Titel auf der Platte.
Das ausschließlich auf der CD vorhandene Phobophobie orientiert sich stilistisch an den anderen Titeln, ist melodisch sehr gut gemacht und weniger doomig. Falls jemand unentschlossen ist, welche Fassung des Albums er sich zulegen sollte, kann dieser gelungene Titel das Zünglein an der Waage sein.


Fazit:
Wer Gaffa Ghandi schon länger kennt, wird von Articial Disgust begeistert sein. Die Band zeigt die volle Breite, spielt hervorragend zusammen, und beherrscht ihre Psychedelic, Stoner und progressiven Elemente sehr gut. Die rein instrumentale Musik langweilt nie, kann immer die Spannung halten und besticht sowohl durch gute Melodien als auch durch grummlig-kratzigen Stonersound. Ein wenig Abwechslung im Sound hätte mir persönlich noch gefallen, aber ansonsten gibt es an Artificial Disgust nicht viel zu meckern. Überzeugendes Gesamtkonzept, das mir 8/10 wert ist.


Line Up
Georg Edert – Schlagzeug
Lucas Kazzer – Bass
Frieder Ackermann – Gitarre
Alan Bittner – Gitarre

Tracklist
01. Symphony Of Swag
02. War On Fire
03. Ancient Dominator
04. Progressive Concepts For A Modern World Of Multilayered Structural, Sociological And Individual Changeabilities

Links:
Facebook Gaffa Ghandi
Bandcamp Gaffa Ghandi

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