Borealis – Illusions – Album Review

Borealis – Illusions
Herkunft:
Kanada
Release:
07.10.2022
Label: AFM Records
Dauer:
62:37
Genre:
Progressive Power Metal


Borealis-Band-Angela V Photography
Foto Credit: Angela V. Photography

Borealis ist nicht nur das lateinische Word für “nördlich”, sondern auch der Name einer sehr engagierten Band aus Orangeville, Kanada. Die vier Musiker haben sich ursprünglich 2005 zusammengefunden, um Bands wie Sonata Arctica oder auch Nightwish nachzueifern. Mit Erfolg, wie gemeinsame Shows und Tourneen mit großen Namen wie Kamelot, Epica oder auch Saxon bereits gezeigt haben.

Mit den Jahren haben sich die Musiker allerdings in eine progressivere Richtung entwickelt, wie das fünfte Album Illusions unter Beweis stellt. Der Weg hin zu mehr stilistischen Elementen und düsteren Themen, der mit der 2018er Scheibe The Offering begann, wird nämlich konsequent weiter geführt.

„Wir wollten diesmal mehr Synthesizer-Elemente und seltsame futuristische Sounds einbauen, um diesen Songs eine etwas andere Atmosphäre und einen anderen Charakter zu verleihen”, sagt Gitarrist Ken Fobert zum neuen Album. Zu diesem Zweck haben sich Borealis an den Komponisten und Multiinstrumentalisten Vikram Shankar gewendet. Inhaltlich knüpfen die erzählten Geschichten an das Vorgängeralbum an.

Harter Kern und weiche Schale

Illusions hat einen klaren Hang zu bombastischen und atmosphärischen Song-Strukturen, allerdings ohne den Bogen dabei zu überspannen – die basslastigen Rhythmen und knackigen Gitarrenriffs stehen nämlich klar im Fokus der Kompositionen. Die Orchestrierung und die Synthies untermalen den metallischen Kern der Songs viel mehr, statt ihn zu verwässern. Von dieser Herangehensweise könnte sich so manch andere Power Metal Band gerne eine Scheibe abschneiden.

Der relativ hohe Gesang sowie der melancholische Unterton der Lieder weckt zudem Assoziationen zu Evergrey. Das ist durchaus als Kompliment gemeint, denn melancholisch und sehnsüchtig, aber niemals kitschig zu klingen, dafür benötigt es viel Talent beim Songwriting und Gespür für die Wirkung der einzelnen Elemente eines jeden Songs.

Tonnenschwer und federleicht

Pray For Water ist ein gutes Beispiel für den beschriebenen Sound. Im Kern handelt es sich hierbei um eine astreine Metal-Nummer, die mithilfe von Orchester und Co. um zahlreiche Klangfacetten erweitert wurde. Das Resultat ist atmosphärischer und packender Power Metal, der gleichzeitig heavy aus den Boxen dröhnt und federleichte Melodien transportiert.
Das Lyricvideo zum Song findest du HIER.

Mindestens eine Ballade pro Album, das ist bei Power Metal so sicher wie das Amen im Gebet. Auf Illusions nimmt Burning Tears diesen Platz ein und wirkt durch die Hilfe von Gastsängerin Lynsey Ward und die diversen Klangeffekte beinahe wie eine neuere Komposition von Tuomas Holopainen. Aber eben nur beinahe, denn Borealis verfolgen einen geradlinigeren und schlichtweg rockigeren Weg. Davon zeugt auch Believer, dessen Intro dezent an Children of Bodom erinnert.

Intensives Klangerlebnis

Eine gute Stunde intensiver Sound – so lässt sich Illusions kurz und knapp zusammenfassen. Das verlangt dem Hörer auch etwas ab – wo das Wörtchen “Progressive” vorkommt, ist nun einmal selten “Easy Listening” gemeint.

Die emotionale Intensität lädt also einerseits zum intensiven Zuhören ein, verleitet aber gelegentlich auch zum Drücken der Weiter-Taste. Nicht weil einzelne Songs schlecht sind, sondern weil kein Mensch immer in der Stimmung für so eine Überdosis Gefühl ist. Insgesamt aber ist der Metal-Anteil hoch genug, um nicht nur Grübler und Melancholiker, sondern auch Headbanger anzusprechen. Und jeder Metal-Fan wird auf Illusions mehrere Highlights für sich entdecken können.


Fazit
Borealis haben mit Illusions ein intensives und atmosphärisches Album erschaffen, das gleichzeitig progressiv und geradlinig wirkt. Trotz Orchester, Synthies und emotionalem Gesang fokussiert sich die Band stets auf den metallischen Kern ihrer Songs und bleibt trotz allem Bombast fast durchgehend heavy. 7,5 / 10

Line Up
Matt Marinelli – Gesang, Gitarre
Ken Fobert – Gitarre
Aiden Watkinson – Bass
Sean Dowell – Schlagzeug

Tracklist
01. Illusions (feat. Christine Hals)
02. Ashes Turn To Rain
03. My Fortress
04. Pray For Water
05. Burning Tears (feat. Lynsey Ward)
06. Believer
07. Light Of The Sun
08. Face Of Reality
09. Bury Me
10. Abandon All Hope
11. The Phantom Silence

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