Zérak – Wings Unchained – EP Review
Zérak – Wings Unchained
Herkunft: Stuttgart / Deutschland
Release: 01.07.2026
Label: Eigenrelease
Dauer: 29:43
Genre: Progressive Rock

Es gibt Dinge, die werden einem von außen ans Herz gelegt, fassen innerlich Fuß und sind schlussendlich tief drinnen angekommen. So ist es geschehen mit Wings Unchained, welches mir zum Anhören nahegelegt wurde.
Die 2017 gegründete Formation Zérak feierte 2020 mit Serac ihr Debüt. Die Band machte es sich dabei keineswegs leicht, denn bewusst setzten die Musiker auf eine aufwendige und authentische Produktion. Mit enormem Aufwand wurden Instrumente und Gesang eingespielt. Das Ziel war ein warmer, ursprünglicher und unverfälschter Sound – ein Vorhaben, das der Band bei beiden Werken kompromisslos gelungen ist.
Ein langer Weg
Rund sechs Jahre hat es gedauert, doch nun erscheint mit Wings Unchained endlich das zweite Werk. Personell gab es im Vergleich zum Erstling einen Wechsel am Mikrofon. Solch ein Austausch kann dramatische Folgen haben, denn es betrifft eines der wichtigsten Merkmale einer Band.
In diesem Fall jedoch führte der Wechsel vom Guten direkt zum Großartigen. War bereits die ehemalige Frontfrau stimmlich bestens aufgestellt, stellt Meike Fischer mit ihrem Gesang und ihrer Interpretation nun alles in den Schatten. Sie glänzt nicht nur durch stimmliches Volumen und Umfang, sondern auch durch die emotionale Tiefe, mit der sie die erzählte Geschichte interpretiert.
Von Erkenntnis und Wünschen
In fünf Akten durchleben wir die Geschichte einer toxischen Beziehung. Der Opener führt von einem zarten, einminütigen, ouvertürenhaften Beginn hin zu einer Zuspitzung der Emotionen, weshalb sich folgerichtig auch den Sound verdichtet. Was folgt, ist ein emotionales Auf und Ab, geprägt vom katastrophalen Ist-Zustand einer Partnerschaft. Chained enthält wütende, bedrohliche Töne, die der Zerrüttung Nachdruck verleihen. Auf den Opener folgen sanfte Pianoklänge, die den Hörer elegant zum ruhigeren Stück Sea Ghosts geleiten. Diese hochemotionale Rock-Arie offenbart Sehnsüchte und verschüttete Hoffnungen.
Mit tickendem Rhythmus drängt sich anschließend Janus Face intensiv und dicht ins Ohr. Der Song klagt die mittlerweile unerträglichen Charakterzüge des Partners an. Gemeinsam mit Chained bildet dieses Stück das thematisch heftigste und intensivste Fundament auf Wings Unchained. Auch hier ist die Gesangsleistung im epischen, hochemotionalen Finale des Songs schlichtweg wie nicht von dieser Welt.
Ausweg und Ausbruch
Escape beschreibt das lauernde Gefühl, permanent auf die Launen und Ausbrüche des Gegenübers erwarten zu müssen. Es folgt eine schonungslose innere Bestandsaufnahme, die schließlich das Fundament für den einzig verbleibenden Ausweg bildet: den endgültigen Abbruch der Beziehung.
Ist der Geist erst einmal von allen Zwängen befreit, folgt mit Salvation die Erlösung. Der Song präsentiert sich ungemein facettenreich und zelebriert die vertonte Befreiung in all ihren Facetten. Von intimen akustischen Tönen über epische Klangteppiche bis hin zum zarten Verklingen wird dem Hörer hier die gesamte emotionale Bandbreite geboten.
Jenseits aller Schubladen
Die sechsköpfige Formation selbst ordnet ihr zweites Werk dem Progressive Metal zu. Doch dieser Begriff greift viel zu kurz und drängt das Werk in eine zu kleine Schublade. Viel treffender ist die Nähe zur progressiven Rockmusik, angereichert mit Elementen verschiedenster Genres. Zérak schöpfen aus zahlreichen musikalischen Quellen und verweigern sich bewusst starren Genregrenzen.
Der Fokus der fließend ineinander übergehenden fünf Kompositionen liegt nicht auf den klassischen Trademarks des Metals. Zérak bedienen sich dieser Härte vielmehr als Werkzeug, um Konflikte zu beschreiben und dramatisch zuzuspitzen. Das musikalische Fundament auf Wings Unchained steht somit nicht vordergründig für bloße Rebellion oder das Zurschaustellen brachialer Energie. Durch ihre gelungene Melange aus Rock, Klassik und Metal gelingt es der Band vielmehr, Musik und Lyrics auf beeindruckende Weise zu einer untrennbaren Einheit zu verschmelzen.
Fazit
Mit Wings Unchained ist Zérak ein vielschichtiges und tiefgründiges Meisterwerk gelungen, das sich starren Genregrenzen entzieht. Die Band verbindet großartig Rock, Klassik und Metal und toppt alles mit einer überragenden Gesangsleistung. So wird die emotionale Tiefe der erzählten Story mit jeder Note spürbar und beschert uns ein außergewöhnliches Hörerlebnis. 9 / 10

Line Up
Gesang – Meike Fischer
Gitarre – Chris Frank
Gitarre – Uwe Saussele
Bass – Steffen Singler
Keyboards – Chris Wick
Schlagzeug – Christopher Carapetyan
Tracklist
01. Part 1 – Chained
02. Part 2 – Sea Ghosts
03. Part 3 – Janus Face
04. Part 4 – Escape
05. Part 5 – Salvation
Links
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