The Hirsch Effekt – Kollaps – Kein Durchhänger – Album Review

The Hirsch Effekt – Kollaps
Herkunft:
Hannover / Deutschland 
Release:
08.05.20
Label:
Long Branch Records / SPV
Dauer:
48:22
Genre:
Artcore / Math Rock


Was darf man sich eigentlich unter einer Mischung aus veritablem Metalcore, Artrock und vertracktem Math Rock vorstellen? Die Antwort geben seit mittlerweile zwölf Jahren The Hirsch Effekt aus Hannover. In den pointierten, in Deutsch dargebrachten und in einer ungeheuren Bandbreite zwischen verhaltenem Klargesang, Metalcore-artigen Geschrei und unterschwelligen Growls bewegenden Gesangsaussagen steckt sogar eine gewisse Nähe zum Punk. Melodik und vertrackte, krummtaktige Rhythmen kommen allerdings nie zu kurz, gepaart mit einer elektronischer Noise / Industrialnote.

Fans von The Hirsch Effekt finden sich hier natürlich sofort wieder, und für diese gibt es hervorragende Neuigkeiten, denn The Hirsch Effekt beehren uns nun mit ihrem neuen Longplayer Kollaps. Schon im Opener Kris wird deutlich, dass sich musikalisch seit dem Vorgänger Eskapist aus 2017 nicht viel geändert hat, die beschriebenen Zutaten sind immer noch da. Hochkomplexe Rhythmen und und Metalcore-Screams, die das Potential haben, die verknoteten Synapsen des geneigten Hörer neu zu verknüpfen.

Wer mittlerweile bei Allmende angekommen ist, kann das nur bestätigen, die Band feuert aus allen Rohren. Das ist großes Kino. Obwohl wir es natürlich noch mit Metal zu tun haben, gibt es hier keine schweren Rhythmen oder verzerrten Gitarren, hier knallt und hämmert es aus allen Ecken und Enden mit einer ungeheuren Leichtigkeit, das es wirklich Spaß macht dem Geschehen zu lauschen. Natürlich wird nicht auf die ganze Distanz Vollgas gegeben, es gibt auch getragene Momente, wie zum Beispiel zu Beginn in Domstol, das im Mittelteil allerdings wieder voll abgeht. Neu-Fans der Band sollten vor dem deutschen Gesang keine Berührungsängste haben, neben beißender Systemkritik fügt sich der teilweise exaltierte, auch geschriene, aber auch pointiert und sehr gut verbalisierter Gesang hervorragend ins Geschehen ein und weiß als zusätzliche Klangfarbe absolut zu überzeugen.

Das folgende, kurze Moment beginnt mit Orchesterbegleitung und  Torka folgt dieser mit noisiger Elektronik. Die Industrial/Noise Komponente wurde auf Kollaps ein wenig zurückgefahren, ist aber dennoch immer noch erfreulich präsent. Diese passt hervorragend zur Musik, wie man auch hier hört. Gepaart wird das ganze mit einem eher unwirklichen, im Hintergrund gehaltenen Gesang. Wirklich klasse gemacht, toller Song, einer meiner Favoriten auf dem Album.

Das als Single ausgekoppelte Bilen, HIER das Video, stampft und growlt, ohne die bewährten Trademarks zu vernachlässigen. Der Titeltrack beginnt wieder mit verhaltener, noisiger Elektronik und elektronisch verfremdeten Gesang, und ist insgesamt etwas verwaschener und bizarrer im Sound, zumindest bis zum Schluss, wo es wieder stampft und growlt. Auf dem schliessenden Agera zeigt sich The Hirsch Effekt straight artrockig, mit gefühlvollem Gesang und mehr Getragenheit im Geschehen. Ein würdiger Abschluss.


Fazit:
Ich bin begeistert von Kollaps. The Hirsch Effekt zeigen sich in Höchstform, zeigen alle Facetten ihrer ungeheuren Schaffensbreite auf, wissen jedes Gefühlsspektrum von aufwühlend-verzweifelnd bis traurig-introvertiert zu bedienen und tragen damit dem Albumkonzept des Systemkollaps in vollster Weise Rechnung. Für mich gar keine Frage, 10/10 und ein Platz in meinen persönlichen Top 10 ist Kollaps sicher.

9,5
Line Up
Ilja Lappin – Gesang, Bass
Moritz Schmidt – Drums
Nils Wittrock – Gesang, Gitarre

Tracklist
Kris
Noja
Deklaration
Allmende
Domstol
Moment
Torka
Nilen
Kollaps
Agera

Links:
Facebook The Hirsch Effekt
Webseite The Hirsch Effekt

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