Nadine Shah – Kitchen Sink – Album Review

Nadine Shah – Kitchen Sink
Herkunft:
Großbritannien
Release:
26.06.20
Label:
Infectious Music / BMG
Dauer:
46:59
Genre:
Indie Rock


Foto Credit: Nadine Shah FB

Mit Kitchen Sink bringt Nadine Shah ihr nun mittlerweile viertes Studioalbum auf dem Markt und damit den Nachfolger des 2017 erschienenen und vielfach gelobten Holiday Destination. In diesem behandelte die Britin mit pakistanischen und norwegischen Wurzeln sehr eindringlich Rassismus und Krieg. In Kitchen Sink widmet sie sich den Schlachten am heimischen Herd. Kitchen Sink ist ein Statement gegen Sexismus, falsche Erwartungen von Männern gegenüber Frauen und dem gesellschaftlichen Druck, den Frauen allgegenwärtig ausgesetzt sind. Damit ist jedoch kein reines Männer-Bashing gemeint. Vielmehr singt Nadine Shah über das Leben und die Erfahrungen als Frau in der Mitte der 30er und bleibt dabei sehr gut für alle Geschlechter hörbar. Aber gehen wir doch mal rein.

Club Cougar fällt bereits als Opener mit seinem besonderen Rhythmus auf, dessen Groove einen bereits aufhören lässt. Besonders glänzt jedoch Nadine Shahs Alt-Stimme hervor, die einen ähnlich wie die im Song besungenen Frauen der Kategorie Puma in den Bann ziehen. Insgesamt ein gedämpfter Titel, der vorrangig mit Trommeln und einen ruhigen Gesang zu verführen weiß. Mit gleicher Intensität beginnt die erste Singleauskopplung , die ihr HIER hören könnt, Ladies for Babies (Goats for Love), laut Shah die direkte Antwort auf All that she wants von Ace of Base. Im säuselnden Gesang erzählt dieser Titel vom Leben einer Frau als Trophäe mit dem einzigen Zweck, Kinder zu gebären, während die Liebe wem anders gebührt. Dies haut Shah einem im rockigen Refrain auch knallhart entgegen, während man sich in den Versen noch in einem smoothen Klangumfeld in Sicherheit wog.

Die in den vorangegangenen Titeln bereits etablierte Mischung aus ein wenig Jazz, Swing und Rock setzt sich auch in den Songs Buckfast und Dillydally fort. Die Kompositionen sind eigenwillig, teilweise experimentell – wie der Einsatz von Flöten in Dillydally – aber immer interessant und anziehend.

Schneller und rockiger geht es schließlich in Trad weiter. Nadine Shah weicht vom bisherigen Klangkonzept ab und präsentiert ein tanzbaren, melodischen Song über das älter werden als Frau in unserer Gesellschaft voller Sein und Schein während sie gleichzeitig selbstzweifelnd fragt: “…Will you want me when I am old?…” Ein klares Statement gegen Schönheitswahn, vorgegaukelte Ideale und dem Äußeren als alleinstehender Wert. Titelgeber Kitchen Sink, dessen einleitende Bassspur glauben lässt, man sitze in eben einer solchen während der undichte Wasserhahn Tropfen für Tropfen fallen lässt, greift eine ähnliche Thematik auf. Aus Sicht des braven Hausweibs steht gleich zu Beginn die Frage “…Don’t you worry what the neighbors think?…”  im Raum. Mit minimalistisch gezupfter Gitarre, ruhigem Bass und Händeklatschen wird die Sinnlosigkeit des stetigen Grübelns über das eigene Ansehen in der Nachbarschaft aufgezeigt. Am Ende ein recht düsterer Song, der sich klar von den bisherigen Titeln unterscheidet und gleichzeitig so gut in das Gesamtarrangement hineinpasst.

Ähnlich minimalistisch und ruhig ist auch Kite. Ein sehr nachdenklicher Song, der lediglich mit dem Zupfen einer Saite, einem Klavier und der rhythmischen Untermalung einer Rassel auskommt.
Der Anfang von Ukrainian Wine lässt wieder auf mehr rockige Klänge hoffen, baut sich auch langsam zum Refrain hin auf, bleibt aber im Gesamten recht ruhig. In diese klangliche Schiene reihen sich auch die folgenden Titel Wasps Nest und Walk ein. Eine Mischung aus rockigen Einlagen und einfachen, ruhig gespielten Klängen zwischen Indie-Rock und Brit-Pop.

Prayer Mat greift nochmal die musikalische Intensität des Anfangs auf. Durch sphärische Klänge und hallenden Gesang wirkt der Song recht verträumt und bildet damit einen passenden Abschluss zum ohnehin bis hierhin ruhigen Ende des Albums.


Fazit
Mutig, ehrlich und anders. Nadine Shah bringt mit Kitchen Sink ein melodisches Statement für die Emanzipation auf den Markt, ohne die typischen Schlachtrufe gegen das Patriarchat abzulaufen. Eine musikalisch sehr interessante Erfahrung aus dem Indie-Rock, die mit groovigen Rhythmen zu überzeugen weiß. Allen voran ist Nadine Shahs unglaublich kraftvoller und ausdrucksstarker Gesang ein wahres Highlight. Ein paar kleine Höhepunkte mehr hätte ich mir vom Album schon gewünscht, das tut ihm aber keinen großen Abbruch. Daher klare 9/10!

Line Up
Nadine Shah – Gesang

Tracklist
01.Club Cougar 
02.Ladies for Babies (Goats for Love) (4:29)
03.Buckfast 
04.Dillydally 
05.Trad 
06.Kitchen Sink 
07.Kite 
08.Ukrainian Wine
09.Wasps Nest
10.Walk
11.Prayer Mat

Links:
Webseite Nadine Shah
Facebook Nadine Shah

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